Zum Termin in der Tonhalle wagt die WZ einen Blick in die Orchesterpsychologie.

Konzert
Die Blechbläser spielen am Donnerstag in der Tonhalle.

Die Blechbläser spielen am Donnerstag in der Tonhalle.

Judith Michaelis

Die Blechbläser spielen am Donnerstag in der Tonhalle.

Düsseldorf. Orchester sind alles andere als eine homogene Arbeitsgemeinschaft. Zwischen den typischen Vertretern der einzelnen Instrumentengruppen existieren so große Unterschiede wie im Lehrerzimmer.

Die Blechbläser etwa, die als hand- und trinkfest gelten, verstehen sich bestens mit den Schlagzeugern und haben Sinn fürs Deftige. Alljährlich schlüpfen sie unter der Marke „Frech wie Blech“ an Karneval in Kostüme und gestalten in der Tonhalle ein satirisch angehauchtes Musikprogramm. Diesmal lautet das Motto: „Verstehen Sie Brass?“

Als kleinen Vorgeschmack auf den Termin am Donnerstag begibt sich die Westdeutsche Zeitung in die psychologischen Tiefen der Instrumentengruppen: Frei nach dem pädagogischen Bildungsgedanken „Jedem Kind sein Instrument“ verpassen wir jedem Instrument sein Kostüm.

Die Blechbläser wirken dickhäutiger als die meisten anderen Orchestermusiker, sind aber trotz kräftiger Trompeten-Stöße hochsensibel und voller Gemeinschaftssinn. Wir ordnen ihnen das Elefanten-Kostüm zu. Die Holzbläser machen zwar beim Spielen auch viel Wind, doch sind sie weniger gemütlich als ihre Blechkollegen. Sie erfüllen besonders häufig solistische Aufgaben, leiden unter der Wetterfühligkeit ihrer Instrumente und sind entsprechend anfällig für Launen. Das Hennen-Kostüm erscheint uns da passend.

Die Cellisten sind die Romantiker unter den Streichern

Die Streicher bilden einen eigenen Mikrokosmos: Die Violinisten sind die intellektuellen Feingeister der Gruppe mit der etwas dünkelhaften Beanspruchung der Anführer-Rolle – passend zum Prinzen- bzw. Prinzessinnen-Kostüm. Die Bratschen streichen eine halbe Etage tiefer, begehren keinen Führungsposten und gelten als etwas träge. Wir sehen sie im Schnecken-Kostüm. Die Cellisten sind die Romantiker im Orchester, gelten als flirtfreudig und abenteuerlustig.

„Frech wie Blech“: Freitag, 20 Uhr. Karten gibt es unter Telefon 899 61 23.

Ein Casanova-Kostüm würde das noch unterstreichen. Die Kontrabassisten spielen zwar die wuchtigsten Instrumente, doch besondere Lautstärke produzieren sie nicht, dafür ein sonores Brummen. Die gutmütigen Gesellen wären im Teddybären-Kostüm wohl gut aufgehoben. Die Harfen werden meistens von Frauen gespielt. Sie sind die himmlischen Töchter des Orchesters und sorgen fürs Schwebende. Was könnte da als Kostüm besser passen als das des Engels?

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