Düsseldorfer Schüler und Studenten demonstrieren für eine bessere Bildung.

Rund 3500 junge Menschen marschierten gestern durch die Düsseldorfer Innenstadt und machten ihrem Unmut Luft.
Rund 3500 junge Menschen marschierten gestern durch die Düsseldorfer Innenstadt und machten ihrem Unmut Luft.

Rund 3500 junge Menschen marschierten gestern durch die Düsseldorfer Innenstadt und machten ihrem Unmut Luft.

Stefan Arendt

Rund 3500 junge Menschen marschierten gestern durch die Düsseldorfer Innenstadt und machten ihrem Unmut Luft.

Düsseldorf. "Bildung für alle und das für umsonst" forderten Dienstag Studenten und Schüler der Heinrich-Heine-Universität sowie der Fachhochschule und der Düsseldorfer Schulen. In einer Demonstration, die vom Hauptbahnhof über die Königsallee hin zum Burgplatz führte, machten nach Angaben der Veranstalter rund 3500 Schüler und Studenten mit Trillerpfeifen und Parolen ihrem Unmut Luft. Der Protestmarsch war nur einer von vielen; in mehr als 50 weiteren Städten gingen gestern junge Menschen für eine bessere Bildung auf die Straße.

Hauptkritikpunkte der Studenten sind Studiengebühren sowie die Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge. "Das System ist unausgereift. Wir müssen mehr leisten um die Credit Points (Punkte für erbrachte Leistungen) zu bekommen, als Studenten anderer europäischer Staaten", bemängelte etwa Romanistik Studentin Gabriele Zientarski(21). Damit sei die Idee des Bachelor-Systems, "ein barrierefreies Studium jenseits der Ländergrenzen", hinfällig.

Bei den Schülern ist das "Turbo-Abi" Hauptkritikpunkt

Nicklas Lankenau(24) studiert Grafikdesign und kritisierte den straffen Zeitplan, bei dem kreatives Lernen auf der Strecke bliebe. Er studiert an der Fachhochschule und zahlt keine Gebühren. Dennoch zeigt er sich solidarisch mit den Studenten der Heine-Uni: "Es bleibt keine Zeit, um nebenbei arbeiten zu gehen."

Bei der Schülerschaft steht das "Turbo-Abitur" im Vordergrund der Kritik. Leonie Lieben (14) besucht die neunte Klasse des Leibnitz-Gymnasiums und gehört zur Generation "G8" (achtstufiges Gymnasium). Sie fürchtet sich vor dem was auf sie zukommt: Bis zum Abi würde es stressig, der Lernstoff müsse in acht, statt in neun Jahren abgefertigt werden. Für den ersten Turbo-Abi-Jahrgang heißt es anschließend zudem: Die doppelte Zahl von Studienanfängern strömt an die Unis. "Das ist keine annehmbare Perspektive."

Warum der Bildungsstreik neu aufgelegt wird, erklärte Asta-Chef Andreas Jentsch: Seit den jüngsten Aktionen im Sommer habe sich nichts geändert, sagt Jentsch. "Wir wollen wieder auf uns aufmerksam machen."

Im Zentrum stehen die Bachelor- und Masterstudiengänge, die im Zuge des sogenannten Bologna-Prozesses eingeführt wurden.

Allein in NRW nahmen am Dienstag mehr als 18000 Demonstranten an den Protestmärschen teil.

Heute soll in einer inoffiziellen Vollversammlung entschieden werden, ob und wie der Streik in Düsseldorf weiter geführt wird. "Wir diskutieren, ob wir die Uni besetzten", so Jentsch. Fest stehe bereits, dass es Sonderveranstaltungen zum Thema Bildung geben werde sowie sogenannte "Flashmobs", bei denen kleine Gruppen Spontanaktionen veranstalten, wie etwa als Credit Points verkleidete Studenten, die einem Ball hinterherjagen, "um so die Sinnlosigkeit des Bachelor-Master-Systems zu symbolisieren", erklärt der Asta-Chef. »

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