Die Droge könnte es für schwer Süchtige bald auf Rezept geben. Die CDU in Düsseldorf ist skeptisch – die FDP aber aufgeschlossen.

Die Bonner Heroinambulanz zur Zeit der Modellstudie 2002. Inzwischen bezahlt die Stadt die Arbeit dort – und den Stoff.
Die Bonner Heroinambulanz zur Zeit der Modellstudie 2002. Inzwischen bezahlt die Stadt die Arbeit dort – und den Stoff.

Die Bonner Heroinambulanz zur Zeit der Modellstudie 2002. Inzwischen bezahlt die Stadt die Arbeit dort – und den Stoff.

dpa

Die Bonner Heroinambulanz zur Zeit der Modellstudie 2002. Inzwischen bezahlt die Stadt die Arbeit dort – und den Stoff.

Düsseldorf. Was lange als Tabu galt, wird wohl bald Wirklichkeit: Heroin auf Rezept. Noch in diesem Jahr könnte die reine Droge - das Diamorphin - für Schwerstabhängige als Medikament anerkannt werden.

Denn eine Modellstudie in verschiedenen Städten hat gezeigt: Für eine kleine Gruppe von Süchtigen gibt es kaum eine andere Therapie. In Düsseldorf verhinderte die restriktive Drogenpolitik in der Ära Erwin eine Teilnahme an dem Projekt. Wenn der Gesetzgeber jetzt allerdings Ja zur staatlichen Heroinabgabe sagt, signalisiert auch hier die Politik - zumindest teilweise - Offenheit.

Vorstöße zu einer rechtlichen Regelung gab es aus den Ländern schon mehrfach. Jetzt haben 250 Bundestagsabgeordnete von SPD, Grünen, FDP und Linkspartei einen Gruppenantrag eingebracht. Die erste Lesung steht voraussichtlich Anfang März an. Die Unionsfraktion sträubt sich weiterhin - dennoch gilt eine Mehrheit als relativ sicher. Diamorphin würde dann von der Krankenkasse bezahlt.

Heroinambulanz Köln: Patienten sind nicht mehr straffällig

"Das Thema gab es in Düsseldorf mal - vor Erwin", sagt Joachim Alxnat von der Drogenhilfe. "Danach hat sich nichts mehr getan." Mit dem Gesetz müsste sich das allerdings ändern. Denn, so findet Alxnat, die Vergabe des Heroins sollte in öffentlicher Hand bleiben. Undenkbar, dass jeder Hausarzt die reine Droge in seinem Arzneischrank lagerte.

In Köln und Bonn etwa finanziert die Stadt die Arbeit der Heroinambulanzen seit dem Ende der Studie. "Wir würden es sehr begrüßen, wenn der Gesetzentwurf Erfolg hätte", sagt der Kölner Gesundheitsamtsleiter Jan Leidel. Psychiaterin Iris Scholl hat in der dortigen Ambulanz positive Erfahrungen gemacht.

Zwischen 2002 und 2007 wurden Schwerstabhängige in Ambulanzen in Köln, Hamburg, Frankfurt, Hannover, Karlsruhe, Bonn und München mit Diamorphin versorgt. Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass die Behandlung für diese Gruppe sinnvoll ist.

Die Bundesländer - auch CDU-geführte - hatten bereits 2007 im Bundesrat eine Gesetzesinitiative beschlossen. Jetzt liegt ein Entwurf von 250 Bundestagsabgeordneten vor. Allein die Unionsfraktion in Berlin sträubt sich noch gegen die Anerkennung des Diamorphin als Arznei.

"Es ist eine sehr kleine Gruppe von Patienten, aber für diese ist Diamorphin der einzige Weg, überhaupt ein ,normales’ Leben zu führen." Denn das reine Heroin bekommen nur Süchtige, die mit der Ersatzdroge Methadon und anderen Therapieformen nicht zu behandeln sind. "Seitdem sie im Programm sind, ist keiner der Patienten mehr straffällig", berichtet Scholl. Zudem seien die zahlreichen Begleiterkrankungen durch verunreinigten Stoff stark zurückgegangen.

FDP-Fraktionschefin ist zu Verhandlungen mit CDU bereit

Argumente, die auch in Düsseldorf auf offene Ohren stoßen. Annette Steller, Fraktionsgeschäftsführerin der SPD, hatte sich bereits vor 2002 für eine Teilnahme Düsseldorfs an der Studie stark gemacht. "Aber die Mehrheiten sind immer noch, wie sie waren. Die CDU wird das nicht zulassen - und die FDP keinen Konflikt riskieren", glaubt Steller. Tatsächlich sieht CDU-Fraktionsvize Hildegard Kempkes die Ergebnisse der Studie skeptisch.

"Ich bin ausgesprochen offen", sagt hingegen die FDP-Fraktionschefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Gerade das Argument der geminderten Beschaffungskriminalität zieht in ihren Augen.

Und, wie sie glaubt, hat auch in der Union ein Umdenken stattgefunden: "Die Diskussion hatten wir auch bei dem Konsumraum. Die Kollegen in der CDU haben erkannt, dass das, was so verteufelt wurde, letztlich eine gute Sache ist", sagt Strack-Zimmermann. "Ich bin bereit, diese Gespräche zu führen - und ich denke, wir schaffen das."

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