Mit einem Paukenschlag sollte am 14. Oktober der neue Theaterchef starten. Daraus wird nichts.

schauspielhaus
Aus der Sanierung des Großen Hauses – hier ein Foto aus dem vorigen Jahr – wurde zuletzt ein großes Geheimnis gemacht: Journalisten werden seit Monaten nicht mehr hereingelassen.

Aus der Sanierung des Großen Hauses – hier ein Foto aus dem vorigen Jahr – wurde zuletzt ein großes Geheimnis gemacht: Journalisten werden seit Monaten nicht mehr hereingelassen.

Judith Michaelis

Aus der Sanierung des Großen Hauses – hier ein Foto aus dem vorigen Jahr – wurde zuletzt ein großes Geheimnis gemacht: Journalisten werden seit Monaten nicht mehr hereingelassen.

Düsseldorf. Ein ganz besonderes Stück hatte sich Staffan Holm ausgesucht. Mit „Hamlet“ wollte er am 14. Oktober seine erste Amtszeit am Schauspielhaus und zugleich die Wiedereröffnung des Großen Hauses einläuten. Shakespeare ist Holms Lieblingsautor: Dieser verknüpfe Humor und Gewalt dramaturgisch geschickt und treffe jeden Nerv.

Gar nicht gut hat jetzt die Dramaturgie bei den Bauarbeiten funktioniert – an die Nerven geht die Sache aber trotzdem. Seit etwa einem Jahr wird das Große Haus saniert. Asbest muss entsorgt, die Technik modernisiert werden. 12,8 Millionen Euro kostet die aufwändige Maßnahme, die von Stadt und Land zu gleichen Teilen finanziert wird. Bei der Konstruktion der neuen Saaldecke jedoch hat die beauftragte Firma offenbar die Kompliziertheit des Verfahrens unterschätzt. Nach Informationen der Westdeutschen Zeitung kam es zu erheblichen Montagefehlern, so dass nun sogar zusätzliche Tischler engagiert werden mussten.

Nach Auskunft von Schauspielhaus-Sprecher Felix Schnieder-Henninger wurde am Dienstag bekannt, dass sich die Fertigstellung um drei Wochen nach hinten verschieben wird, am Donnerstag wurde dann auch die Presse informiert. „Für die Besetzung der Rollen ist das folgenlos. Es sind keine Umbesetzungen notwendig.“

Kulturdezernent behält sich juristische Schritte vor

Dass nur zwei von sieben Premieren verlegt werden müssen, klingt zunächst harmlos. Jedoch ist ausgerechnet die entscheidende Inszenierung darunter, nämlich die des neuen Generalintendanten Staffan Holm. Aus dem großen Paukenschlag zu seinem Start wird also nichts. „Ich sehe das anders“, sagt Schnieder-Henninger und versucht es mit Schön-Wetter-Philosophie: „Die Spannung wird einfach nur umgewandelt.“

Da der Kartenvorverkauf erst am 10. September startet, muss nichts umgetauscht werden, Abonnenten werden schriftlich über die neuen Termine informiert. Abgesagt ist auch die Veranstaltung der Volksbühne am 18. Oktober. Der Verein hatte das Große Haus mit 720 Plätzen gebucht – für den „Hamlet“.

Kulturdezernent Hans-Georg Lohe ist von der Entwicklung wenig begeistert. „Uns wurde von der Schauspielhaus GmbH stets signalisiert, man sei im Zeitplan.“

Die für die Verschalung verantwortliche Firma, die sich offenbar vertraglich auf ein Fertigstellungsdatum festgelegt hatte, muss mit Konsequenzen rechnen. Dies kündigte Lohe bereits an.

Der „Hamlet“ ist nun auf den 4. November terminiert. Wenn diesmal alles gutgeht. „Das ist sehr, sehr knapp gerechnet“, sagt dazu Architekt Jörg Friedrich.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer