Strafprozess wegen des Verstoßes gegen das Ausländergesetz.

Düsseldorf. Sandy und Marcus leben zusammen, haben zwei gemeinsame Kinder und sind verheiratet - allerdings nicht miteinander sondern mit einem Mann und einer Frau aus Bosnien, die sie kaum kennen. Die Bosnier konnten so Aufenthaltsgenehmigungen für der Bundesrepublik Deutschland bekommen. Der Staatsanwalt nennt das Scheinehe und hat Strafantrag wegen Verstoßes gegen das Ausländergesetz gestellt.

Es ist ein dichtes Beziehungsgeflecht, in dem sich Sandy H. und Marcus S. verheddert haben. Bei der Arbeit lernt der 39-jährige Bodenleger Marcus den 53-jährigen Bosnier Nedzad S. kennen. Die Männer treffen sich privat und bringen auch ihre Lebensgefährtinnen mit. Bei einem Treffen fragt Nedzads Freundin Slavka P. die 30-jährige Sandy, ob sie nicht Nedzad heiraten wolle?

Andernfalls werde ihr Freund abgeschoben, sagt die Bosnierin. "Marcus und du seid ohnehin nicht verheiratet und so eine Ehe zum Schein fällt ja nicht auf", heißt es. Slavka selbst komme als Ehefrau nicht in Frage, weil sie sonst ihre Witwen-Rente verlöre. Sandy lehnt zunächst ab, willigt aber schließlich ein, als Slavka in Aussicht stellt, Nedzad werde sich erkenntlich zeigen.

"Getrennt lebend"

AntwortdesStrafverteidigers auf die Frage nach dem Familienstand seines Mandanten, dem vorgeworfen wird, eine Scheinehe geschlossen zu haben, um sich weiter in Deutschland aufhalten zu dürfen.

Bei der Hochzeit in Sarajevo am 30.März 2005 werden die Standesbeamten mit 1000 Euro bestochen. Sandy bringt als "Brautgeschenk" angeblich nur eine Schachtel Zigaretten aus Jugoslawien mit nach Düsseldorf. Sie wohnt weiter mit Marcus zusammen. Auf Vermittlung von Slavka heiratet auch er im August 2005 eine fremde Frau aus Bosnien.

Auf dem Papier ist er noch heute mit ihr liiert, obwohl die Frau wegen Heimweh längst wieder in Bosnien wohnt. Für die Balkan-Hochzeit habe er angeblich nur ein freundliches Dankeschön bekommen, sagt er.

Doch das Ausländeramt kommt den Schein-Ehepartnern auf die Schliche: Statt ihrem offiziellen Ehemann Nedzad ist Marcus als Sandys Mitbewohner gemeldet. Polizisten befragen daraufhin die Nachbarn und zeigen ihnen Fotos von Nedzad. Doch keiner hatte den Bosnier je im Haus gesehen. Dafür ging Marcus ein und aus.

Wegen Verstoßes gegen das Ausländergesetz sind Marcus S. und Sandy H. bereits zu Geldstrafen verurteilt worden, nachdem sie umfangreiche Geständnisse abgelegt hatten. Am Montag wurde die Verhandlung gegen Nedzad S. eröffnet. Auf die Frage nach dem Familienstand des Bosniers, antwortete dessen Anwalt: "Getrennt lebend." Der Prozess wird fortgesetzt.

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