Vor vier Jahren bildete die Rheinbahn Studenten als Fahrer aus. Die einzige Frau unter ihnen ist heute fest angestellt.

Antje Schneider am Steuer der U77 von Oberkassel nach Holthausen. Beschleunigt und gebremst wird links mit dem „Totmannhebel“.
Antje Schneider am Steuer der U77 von Oberkassel nach Holthausen. Beschleunigt und gebremst wird links mit dem „Totmannhebel“.

Antje Schneider am Steuer der U77 von Oberkassel nach Holthausen. Beschleunigt und gebremst wird links mit dem „Totmannhebel“.

Sergej Lepke

Antje Schneider am Steuer der U77 von Oberkassel nach Holthausen. Beschleunigt und gebremst wird links mit dem „Totmannhebel“.

Düsseldorf. Zahlreiche Studenten suchen nach flexiblen Nebentätigkeiten. Ein weithin unbekannter Studentenjob ist der des Bahnfahrers. Vor vier Jahren bildete die Rheinbahn im Schnellverfahren vier Studenten zu Fahrern aus und setzte sie in Teilzeit bei Fahrerengpässen ein.

Die Kölnerin Antje Schneider ist eine von ihnen. Die Ausbildungszeit hat sie noch gut in Erinnerung. „Die anderen drei Studenten waren jünger als ich und sehr schüchtern. Ich habe mich im Unterricht oft alleine mit unserem Ausbilder unterhalten.“, berichtet sie. Geschadet hat es nicht, denn seit Mai 2015 ist sie fest angestellt. Von den anderen drei Studenten ist nur noch einer aktiv im Dienst.

Rheinbahn sucht dringend nach neuen, jungen Fahrern

Das Befördern von Personen wurde Antje Schneider bereits in die Wiege gelegt. Der Vater war Busfahrer und die kleine Antje häufig mit ihm unterwegs. „Das war schon toll. Da ist man immer viel in der Landschaft rumgekommen“, erzählt sie.

Die erste Bahnluft schnupperte sie als Kontrolleurin bei den Kölner Verkehrsbetrieben. Sie bewarb sich dort auch als Fahrerin, wurde aber abgelehnt: „Es war immer ein Traum von mir, selbst am Steuer einer Bahn zu sitzen. Schön, dass es dann in Düsseldorf geklappt hat.“

Mittlerweile hat sich im Beruf eine gewisse Routine eingestellt. Am liebsten fährt die Studentin die langen Strecken nach Krefeld oder Duisburg. Da kann sie die Bahn bis auf 70 Kilometer pro Stunde beschleunigen.

Voraussetzung ist das Bestehen eines Eignungstests. Danach folgt die zwölfwöchige Straßenbahnausbildung mit Theorie- und Praxiselementen.

Die Studenten arbeiten bis zu 20 Stunden pro Woche. Sie sind zweimal pro Woche in Schichten von 7,5 bis neun Stunden im Einsatz.

Nach Tarif zwölf Euro pro Stunde.

In den Nachtschichten zeigen sich die Schattenseiten des Berufs. Alkoholisierte Fahrgäste brüllen herum, werfen ihr spöttische Blicke zu oder belästigen sie. Deswegen ist die Türe zu ihrer Fahrerkabine auch immer verschlossen.

Der Fahrplan ist dicht getaktet. Antje Schneider gibt ihr Bestes, um ihn einzuhalten, und bittet um Verständnis: „Wenn die Bahnen Verspätungen haben, liegt das an Signalstörungen und nicht an uns Fahrern.“ Roman Lippelt, ein Berufspendler, hat an dem Fahrstil der Kölnerin nichts auszusetzen: „So lange die Bahn pünktlich ist, bin ich zufrieden.“

Laut Eckhard Lander von der Rheinbahn ist das Unternehmen stetig auf der Suche nach Fahrern: „Immer mehr gehen in Rente. Wir benötigen neue Kräfte. Gerne Frauen, davon haben wir nicht so viele.“

Auch Antje Schneider wird der Rheinbahn nicht erhalten bleiben. Sie hat ihr Lehramt-Studium im Sommer beendet. Ein Referendariat wird folgen. Den Studentenjob kann sie weiterempfehlen: „Manchmal ist es stressig. Wer aber gewillt ist zu arbeiten, kann gutes Geld verdienen.“

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