Hochbetagte oder gehbehinderte Bürger können sich das Einwohnermeldeamt ins Haus bestellen – wir waren dabei.

Hochbetagte oder gehbehinderte Bürger können sich das Einwohnermeldeamt ins Haus bestellen – wir waren dabei.
„Hier haben Sie Ihren neuen Ausweis!“ Stephan Treutlein (re.) vom Amt für Einwohnerwesen besucht Klaus-Dieter Nickoll daheim.

„Hier haben Sie Ihren neuen Ausweis!“ Stephan Treutlein (re.) vom Amt für Einwohnerwesen besucht Klaus-Dieter Nickoll daheim.

Sergej Lepke

„Hier haben Sie Ihren neuen Ausweis!“ Stephan Treutlein (re.) vom Amt für Einwohnerwesen besucht Klaus-Dieter Nickoll daheim.

Düsseldorf. Einen so dankbaren Arbeitsalltag wie Stephan Treutlein haben sicher nur ganz wenige Mitarbeiter bei der Stadt: Wenn er bei Bürgern an der Haustür klingelt und sich vorstellt, dann freuen sich die Leute – „jedenfalls in neun von zehn Fällen“, sagt er. Treutlein ist beim Amt für Einwohnerwesen einer von zwei Außer-Haus-Kollegen, die zu alten oder schwachen Menschen gehen, wenn bei denen zum Beispiel der Personalausweis abgelaufen ist, die aber das Haus nicht mehr gut verlassen können.

Heute hat sich Stephan Treutlein zunächst in Gerresheim am Lohbachweg bei Klaus-Dieter Nickoll angesagt. Als er schellt, ist dessen Frau Magdalena kurz ein bisschen unwirsch, sie hatte einen anderen Namen in Erinnerung, der sich telefonisch angemeldet hatte: „Ich bin da vorsichtig geworden, nachdem neulich eine dubiose Frau in der Tür stand“, sagt sie. Treutlein kennt das, er erlebt öfter Senioren, die vorsichtig, ja misstrauisch geworden sind. „Weil sie Angst haben, Opfer von Kriminellen zu werden“, sagt er.

Die einzigen Mitarbeiter im Amt, die sich viel Zeit nehmen können

Dann geht alles ganz fix. Der Mann von der Stadt legt Herrn Nickoll seinen neuen Ausweis vor („Bezahlt haben Sie ja alles, schauen Sie bitte alle Einträge genau durch, ob sie stimmen, den alten Ausweis nehm’ ich mit“). Nickoll, von Beruf Kürschnermeister, ist zufrieden. „Ich komme ja kaum noch aus dem Haus, es geht einfach nicht mehr.“ Er und seine Frau haben den Außer-Haus-Service auf der Homepage des Amtes für Einwohnerwesen entdeckt. „Das ist sicher mein letzter Ausweis“, sagt er. Nun, das ist bei einem 73-Jährigen zum Glück nicht gesagt.

Wichtig ist, dass die Bürger vor der ersten Bestellung prüfen, ob sie die erforderlichen Unterlagen beisammen haben – vor allem ein biometrisches Lichtbild. „Oft helfen die Kinder oder andere Angehörige“, sagt Treutlein.

Er und sein Kollege im Außer-Haus-Service haben in der alternden Stadtgesellschaft gut zu tun, jeder hat im Schnitt zehn „Anfahrten“ zu Bürgern am Tag. „Sie sind die einzigen Mitarbeiter, die sich wirklich auch ausgiebig Zeit für den Einzelfall nehmen können, die die Menschen auch mal betüddeln dürfen“, sagt Mona Wolke, die Abteilungsleiterin im Amt. Angesichts des enormen Publikumsandrangs insbesondere im Straßenverkehrsamt oder den Bürgerbüros und der damit verbundenen hohen Arbeitsbelastung der dortigen Kollegen (und den ebenfalls daraus resultierenden notorischen Problemen für viele Bürger, rasch einen Termin zu bekommen), leuchtet das ein.

Der besondere Außer-Haus- Service ist vor allem für hochbetagte und /oder stark mobilitätseingeschränkte Bürger gedacht, die in Alteneinrichtungen wohnen oder zuhause betreut werden. Sie können telefonisch Termine mit den Mitarbeitern vereinbaren. Um ihnen dann den Antrag auf Verlängerung des Ausweises mitzugeben oder – im zweiten Schritt – den neuen Ausweis entgegenzunehmen; aber auch, um sich an-, ab- oder umzumelden, den Schwerbehindertenausweis zu verlängern, sich eine Lebensbescheinigung für Rentenzwecke ausstellen zu lassen oder ein Ehejubiläum anzumelden.

Roland Buschhausen, der Leiter des Sozialamtes, hält das Angebot für „sehr sinnvoll und wichtig“, denn: „Alles, was dazu beiträgt, Kontakt zu Menschen zu bekommen, denen es nicht gut geht, hilft uns.“

Zweiter „Kunde“ von Stephan Treutlein ist an diesem Tag der Bewohner des Senioren- und Pflegezentrums „Haus Rosmarin“ an der gleichnamigen Straße in Flingern. Hans Pinkowskis Ausweis ist schon ein paar Monate abgelaufen, sein Sohn hat beim Außer-Haus-Service einen neuen beantragt. Doch der alte Herr kann und will heute nicht die Formulare ausfüllen, es ist zu anstrengend, „schreibunfähig“ heißt das im Amtsdeutsch. Treutlein erklärt, dass das auch jemand anders ausfüllen kann, selbst die eigene Unterschrift ist nicht zwingend nötig. Aber er sagt dem Pflegeheimbewohner auch, dass er gar nicht unbedingt mehr einen neuen Ausweis benötigt, wenn Sie ohnehin das Haus nicht mehr groß verlassen“. Hans Pinkowski ist erleichtert, er verzichtet und behält erst einmal seinen abgelaufenen.

Info: Termine für den Außer-Haus-Service können unter Telefon 899-76 54 und -76 55 montags-donnerstags von 7.30-16, freitags 7.30-13.30 Uhr vereinbart werden.

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