Nach der massiven Kritik an der Absage rudert die Stadt zurück. Es soll nun nicht beim Symposium über den jüdischen Galeristen bleiben.

Nach der massiven Kritik an der Absage rudert die Stadt zurück. Es soll nun nicht beim Symposium über den jüdischen Galeristen bleiben.
Der Galerist und Kunsthistoriker Max Stern im Jahr 1925.

Der Galerist und Kunsthistoriker Max Stern im Jahr 1925.

Anonymous - National Gallery of Canada, Library and Archives

Der Galerist und Kunsthistoriker Max Stern im Jahr 1925.

Düsseldorf. Die Stadt hat ihre Entscheidung, die für Februar geplante Ausstellung über den jüdischen Galeristen Max Stern (1904-1987) abzusagen, korrigiert. Vorausgegangen war ein internationaler Sturm der Entrüstung, sogar die New York Times hatte in einem ausführlichen Artikel den Schritt der Stadt hinterfragt. Diesem öffentlichen Druck trägt die Verwaltung mit Oberbürgermeister Thomas Geisel an der Spitze jetzt offenbar Rechnung. Allerdings führt er die scharfe Kritik auch auf „Missverständnisse“ zurück. „Wir haben immer gesagt, dass Max Stern Thema im Stadtmuseum werden soll.“

Geisel hält persönliche Konsequenzen nicht für notwendig

Geplant ist nun, die ursprünglich für Februar angekündigte Ausstellung im Herbst 2018 durchzuführen. Das zunächst als Ersatz angekündigte Symposium soll sie begleiten. „Wir wollen die Ausstellung etwas verändern und erweitern“, sagt Kulturdezernent Hans-Georg Lohe. So soll ein „renommierter Wissenschaftler“ als Co-Kurator eingesetzt werden – neben Susanne Anna, Leiterin des Stadtmuseums, sowie jeweils einem Vertreter der Concordia Universität in Montreal und dem Stern-Archiv der National Gallery of Canada. Zudem soll ein Beirat eingesetzt werden, in dem auch Vertreter der Jüdischen Gemeinde sitzen sollen.

Die vorherige Absage sowie die Korrekturen erklärt Lohe mit einem ihm von der Institutsleiterin Susanne Anne im Oktober vorgelegten Konzept, „das nur aus sechs Seiten bestand. Nicht einmal der Leihverkehr für die Bilder aus den Museen war organisiert.“ Außerdem war die städtische Provenienzforscherin Jasmin Hartmann nicht eingebunden, was jetzt nachgeholt wird. Persönliche Konsequenzen hält Geisel jedoch nicht für notwendig. „Wir brauchen hier kein Scherbengericht.“ Sowohl er als auch Kulturdezernent Lohe hätten im Vorfeld sicher nicht gut genug hingesehen, die Institutsleitung habe die Ausstellung zudem nicht sorgfältig genug vorbereitet.

Deshalb sei die Konzeption auch zu einseitig vom Max Stern Art Restitution Project der Concordia Universität geprägt gewesen. „Nicht jedes Bild, das von dort aus reklamiert wird, ist auch rückgabepflichtig“, sagt Lohe.

Stern handelte in den 30er Jahren in einer Galerie an der Königsallee mit Gemälden. Unter dem Druck der Nazis musste er Werke zu Spottpreisen verkaufen, andere wurden beschlagnahmt. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es ein Entschädigungsverfahren. OB Geisel weist auf die Komplexität des Themas hin und darauf, dass die Frage der Restitution bestimmter Werke „legitimerweise“ auch von anderen Experten als vom Max Stern Art Restitution Project bewertet werden soll. Und Lohe sagt: „Zur Wissenschaft gehören immer mehrere Seiten.“

Jüdische Gemeinde begrüßt Korrektur der Entscheidung

Diese unterschiedlichen Perspektiven gibt es auch beim Bild „Die Kinder des Künstlers“ von Wilhelm von Schadow, das sich im Besitz der Stadt befindet. Geisel: „Wir wollten die Herkunft des Bildes von der Limbach-Kommission untersuchen lassen. Das Max Stern Art Restitution Project hält diese Einrichtung allerdings nicht für tauglich.“

Michael Szentei-Heise, Direktor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, hält die Anpassung der Ausstellungskonzeption zwar nicht für notwendig, dennoch sagt er: „Ich begrüße sehr, dass die Ausstellung stattfindet.“ So könne das Symposium hochkarätig besetzt werden. „Sonst wären viele Experten nicht gekommen.“

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer