Archäologen und Anthropologen forschen in einem Grabgewölbe.

In einem Grabgewölbe unter der Ursulinengasse wurden menschliche Gebeine entdeckt.
In einem Grabgewölbe unter der Ursulinengasse wurden menschliche Gebeine entdeckt.

In einem Grabgewölbe unter der Ursulinengasse wurden menschliche Gebeine entdeckt.

Bernd Obermann

In einem Grabgewölbe unter der Ursulinengasse wurden menschliche Gebeine entdeckt.

Düsseldorf. Jahrhundertelang galt Düsseldorf als weißer Fleck, wenn es um stadtgeschichtliche Funde ging. Mit dem U-Bahnbau, der Erweiterung der Kunstsammlung und den neuen Kanälen für die Altstadt wurde das anders.

Nun fand man am Paul-Klee-Platz die Erweiterungsmauern aus dem 14. Jahrhundert, unter dem Kö-Bogen die Reste der Festungsbastion und in der Altstadt außer der ersten Stadtmauer auch Ziegelsteine des Kreuzherrenklosters. Die Landeshauptstadt gewinnt ihre Geschichte zurück. Vor allem in der Ursulinengasse gibt es Einblicke ins Mittelalter.

Das Leben in der Altstadt vor der Säkularisierung im 19. Jahrhundert

Der Bodenarchäologe Jost Mergen wird nach Karneval wieder in die Grube zwischen Ursulinengasse und Ritterstraße steigen. Dort liegen zwischen den fein geschichteten Ziegelsteinen eines Grabgewölbes zahlreiche menschliche Gebeine. Ein makabrer Anblick.

Ralph Maas, der für die Kanäle in der Altstadt zuständige Abteilungsleiter des Stadtentwässerungsbetriebs, erwartet nach Karneval den Bodendenkmalpfleger Martin Vollmer-König aus Bonn. Dann wird in der Baugrube über das mittelalterliche Düsseldorf, die Ordensniederlassung, die Grabstätte und das „Gasthau“ als Vorgängerbau des „Kreuzherreneck“ geforscht. Noch kennt niemand die Geschichte dieser Grabstätte.

Der Architekt und Stadtplaner Edmund Spohr ist sich zumindest sicher, was die Ziegel neben der Stadtmauer betrifft. Sie müssen zum Kreuzherrenkloster gehören. Aus Archivalien gehe hervor, dass eine Kapelle mit Marienheiligtum vor der Stadtmauer lag. Spohr: „Die Kapelle war so wichtig, dass man sie beim Bau der Kreuzherrenkirche ins südliche Schiff einbaute.“ Ein Schluss-Stein des Kreuzrippen-Gewölbes zeigt den Anker, Düsseldorfs erstes Stadtwappen.

Das Kloster bestand bis zur Säkularisation im frühen 19. Jahrhundert. Das Klostergebäude diente nach seiner Profanisierung als Munitionslager und wurde 1888 abgebrochen. Die Kirche war zeitweilig Tabaklager der Zollbehörde, Stallung der russischen Kavallerie, evangelische Garnisonskirche und Verwaltungsgebäude des Finanzamts Düsseldorf-Altstadt.

Die Restaurierung der heutigen Schulkirche setzte 1960 unter Wolfgang Tamms ein, Sohn des Planungsdezernenten Friedrich Tamms. Nun hoffen die Forscher auf Aufschlüsse über das Leben in der Altstadt, denn das Kloster stand an der Stelle jenes Gasthauses, das die Pilger beherbergte.

Noch völlig unklar ist die Geschichte der Gebeine. Die Kirchhöfe im Mittelalter waren immer auch Friedhöfe, insofern ist der Standort des Fundes nicht ungewöhnlich. Aber zu wem die Skelette gehörten, wie alt und wie gesund die Menschen bei ihrem Tode waren, muss noch geklärt werden. Zur Antwort werden Anthropologen hinzugezogen.

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