Baufirma will einer Familie aus Unterrath kein mit Fördergeldern finanziertes Haus verkaufen. Das Wohnungsamt ist machtlos.

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Muharrem Cinkilinc und Özden Senarslan wollten das Haus für sich und ihre Kinder Eren Yasin, Elasu Melek und Eftalya Aylin (v.l.) kaufen. Jeder sollte ein eigenes Kinderzimmer bekommen.

Muharrem Cinkilinc und Özden Senarslan wollten das Haus für sich und ihre Kinder Eren Yasin, Elasu Melek und Eftalya Aylin (v.l.) kaufen. Jeder sollte ein eigenes Kinderzimmer bekommen.

Bernd Schaller

Muharrem Cinkilinc und Özden Senarslan wollten das Haus für sich und ihre Kinder Eren Yasin, Elasu Melek und Eftalya Aylin (v.l.) kaufen. Jeder sollte ein eigenes Kinderzimmer bekommen.

Düsseldorf. Es klingt nach Bilderbuchfamilie: Muharrem Cinkilinc (39) arbeitet in einer Bank, seine Frau Özden Senarslan (37) bei einer großen Druckerfirma. Ihre drei Kinder sind acht, drei und zwei Jahre alt. Die Familie beschließt, ein Haus zu kaufen. "Wir wollten ein Reihenhaus im neuen Wohngebiet ,An der Piwipp’ in Unterrath", sagt Özden Senarslan. Das sollte mehr als 300 000 Euro kosten. Dafür haben sie 50 000 Euro angespart.

Um den Kauf zu stemmen, beantragt die Familie einen Unterstützungskredit von der Landeswohnungsbauförderungsanstalt (Wfa). "Wir kamen knapp unter die Verdienstgrenze und hätten 130 000 Euro bekommen können", erzählt Senarslan. Den gleichen Betrag wollte die Hausbank der Familie als Kredit gewähren.

Hauskauf nach drei Wochen Funkstille per E-Mail abgelehnt

Mit der Finanzierung im Rücken wandte sich Senarslan an die Düsseldorfer Eigentümergesellschaft Gentes Baumanagement, die die von Stadtwerken und Stadt ausgeschriebene neue Energiesparsiedlung in Unterrath baut, um das Haus zu kaufen. "Nach drei Wochen Funkstille kam die Absage per E-Mail", erzählt Senarslan enttäuscht.

Der Grund für die Ablehnung: Eine Rücktrittsklausel, die an die Förderkredite der Wfa gebunden ist. Danach hat der Hauskäufer das Recht, bis zu zwei Jahre nach Unterzeichnung des Kaufvertrages von selbigem zurückzutreten.

"Dadurch soll der Käufer für den Fall einer Ablehnung der Fördermittel geschützt werden", erklärt Martina Lüdeke, Förderberaterin der zuständigen NRW-Bank. "Das Haus kann schon vor der Antragsbewilligung gekauft werden. Bis die Gelder kommen, können aber einige Monate vergehen."

Für den Bau oder Kauf einer Immobilie können Eheleute oder Lebensgemeinschaften Förderkredite der Wfa beantragen, wenn sie mindestens ein Kind haben oder ein schwerbehinderter Angehöriger mit im Haushalt lebt. Die Fördermöglichkeit besteht nicht für Eigentumswohnungen.

Der Kredit wird beim Amt für Wohnungswesen beantragt. Ob eine Förderung möglich ist, hängt vom Jahreseinkommen und der Anzahl der Kinder ab. Je mehr Angehörige im Haushalt leben, desto höher wird die Fördersumme.

Doch das Risiko für eine Ablehnung ist gering. Etwa 150 Düsseldorfer Familien beantragen die Bauförderung jedes Jahr. "Die Bearbeitungszeit liegt bei drei bis sechs Monaten, nur sehr wenige Anträge werden abgelehnt", sagt Thomas Nowatius, Leiter des städtischen Amtes für Wohnungswesen, das für die Bearbeitung der Förderanträge zuständig ist. "Schon bei der Antragstellung wird anhand des Einkommens geprüft, ob die Bearbeitung überhaupt Sinn macht", erklärt er. "Läuft der Antrag einmal, ist die Ablehnung eher unwahrscheinlich."

Eine Absprache zwischen dem Amt für Wohnungswesen und der Baufirma hinsichtlich der Bewilligung des Förderkredits sei in Fällen wie dem von Özden Senarslans Familie üblich. So werde das Risiko für den Unternehmer minimiert. Tatsächlich hat es Kontakt zwischen der Behörde und Gentes gegeben. Doch dabei ging es nicht um die Bewilligung selbst, sondern die Dauer der Bearbeitung. Gentes-Chef Hans Burow weist in einer schriftlichen Erklärung darauf hin, dass er versucht habe, diese zu verkürzen, was jedoch von der Behörde abgelehnt wurde.

Verbliebene Häuser lieber an potentere Kunden verkauft

Offenbar wollte Burow nicht warten. In seiner Begründung heißt es weiter: "Wir haben uns gegen den Verkauf mit der Bindung an Fördermittel entschieden, da nur noch wenige Einheiten zur Verfügung stehen und die Kosten bei einem eventuellen Rücktritt nicht erstattet werden."

Özden Senarslan und ihre Familie wollen nun ein anderes Haus suchen. "Es ist schwer, in Düsseldorf ein bezahlbares Haus für drei Kinder zu finden", sagt sie. Die Förderung der Wfa wollen sie wieder in Anspruch nehmen.

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