Im Central gelingen „Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“ mit großer Leichtigkeit.

Schauspiel
Auf ein Bier mit Gott: Der namenlose Büroangestellte (Moritz Führmann) trifft auf einer Parkbank den Allmächtigen (Wolfgang Reinbacher).

Auf ein Bier mit Gott: Der namenlose Büroangestellte (Moritz Führmann) trifft auf einer Parkbank den Allmächtigen (Wolfgang Reinbacher).

Sandra Then

Auf ein Bier mit Gott: Der namenlose Büroangestellte (Moritz Führmann) trifft auf einer Parkbank den Allmächtigen (Wolfgang Reinbacher).

„Ich beneide Euch um den Tod“, sagt Gott zu dem jungen Mann auf der Parkbank. Er sucht Trost bei diesem Menschen. Warum er ihn so unvollkommen geschaffen hat, fragt der Büroangestellte. Da meint der Allmächtige, er habe nur das Leben geschaffen, nicht aber den Einzelnen. Erstaunliche Erkenntnisse erlebt der namenlose Herr, der nicht nur über eine außergewöhnliche Begegnung mit dem Schöpfer berichtet, sondern sich direkt der Zwiesprache mit ihm stellt. Zu erleben im Central am Hauptbahnhof – in „Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“.

Das Buch (2016 erschienen) aus der Feder des renommierten Kolumnisten Axel Hacke bringt das Schauspielhaus als Uraufführung auf die Bühne. In einer Spielfassung von Chefdramaturg Robert Koall, die Malte C. Lachmann als Konversationsstück in Szene setzte. Das klingt nach anstrengendem Gedankentheater. Doch keine Panik! Auf ältesten Fragen der Menschheit nach dem Sinn des Lebens gibt der Schöpfer aufmunternde Antworten, meist mit blinzelnder Ironie. Die beiden spielen sich die Gedanken in einem humorvollen Schlagabtausch zu,

Die Frage, warum Menschen auf der Welt seien, kontert er mit beinah spöttischem: „Vergiss die Frage! Ihr könnt Euch nur selber die Antwort geben. Aber sie wird falsch sein!“ Und der alte Herr setzt noch einen drauf: „Ihr seid ein zufälliges Nebenprodukt der Schöpfung und haltet Euch für das Zentrum. Eines Tages werdet Ihr weg sein.“ Ein intelligentes Fragen nach letzten Dingen und ein süffisant heiteres Spiel in lockeren Szenen ist es, das, dank Regisseur Lachmann, in knapp 80 Minuten mit Leichtigkeit über die Rampe kommt.

Mit Führmann und Reinbacher ist das Stück erstklassig besetzt

Zumal mit erstklassiger Besetzung: Moritz Führmann, der als Biedermann mit großer Brille und im Kleinbürgerdress souverän zwischen Erzählung und Dialog pendelt. Und Wolfgang Reinbacher, der mit beinah 80 Jahren hier eine verwegene Mischung aus Papa Gutmut und Gottvater mimt. Eine Rolle, die dem Altmeister auf Leib und Temperament geschrieben scheint. Gott trinkt gerne Bier und hat Humor, das vermittelt Reinbacher besonders in Szenen, in denen er wie ein Zauberer in die Hände klatscht, aus der Wand ein Karton mit dem ‚Egal’ herausfällt und er seine Allmacht demonstriert. Alles sei egal. Egal, ob und wer morgen stirbt, egal, wer wann wen ermordet.

Anfangs erscheint der leicht verklemmte Mann (Führmann) mit seinem Koffer, stellt ihn auf eine Holzbank und nimmt eine Standuhr heraus. Ein Erbstück seines Vaters, der die Uhr täglich zur gleichen Zeit aufgezogen habe. Plötzlich fällt ein zerborstener Plastik-Globus vom Himmel. Aus dem Nichts taucht der ältere Herr auf, der sich als Schöpfer ausgibt. Und das „große Spiel“, wie Gott sagt, kann beginnen. Bei aller Allmacht gelangt am Ende der Schöpfer aber – der an allem Schlechten (auch an den Wespen, die die Schmetterlingslarven sticht) schuld sei, jedoch nichts ändern könne - zu dem Punkt, dass er Trost bei den Menschen sucht.

Der Mann, der sechs Milliarden Jahre überlegt hat, ob er es mal „urknallen“ lassen soll, sagt: „Vielleicht mach ich ja mal was Neues.“ Lässt Nebel aufsteigen, greift zum Dirigentenstab. Den überreicht er dem Menschen, bittet um Versöhnung und verabschiedet sich: „Muss dann mal weg!“ Ein ernsthaftes, aber heiteres Spiel über den Sinn des Lebens. Weniger Göttern zu empfehlen als Menschen, die nach Gelassenheit streben.

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