Tod des Schwarzspitzenriffhais löst Debatte aus: Haltung im Aquarium halten Experten für Tierquälerei. Forderung: Hai nicht ersetzen.

Tod des Schwarzspitzenriffhais löst Debatte aus: Haltung im Aquarium halten Experten für Tierquälerei. Forderung: Hai nicht ersetzen.
Ein Schwarzspitzenriffhai im Aquazoo. Archiv

Ein Schwarzspitzenriffhai im Aquazoo. Archiv

Stadt Düsseldorf/Schaffmeister

Ein Schwarzspitzenriffhai im Aquazoo. Archiv

Sie gehörten zu den Hauptattraktionen im Aquazoo: die beiden Schwarzspitzenriffhaie, die 2003 als junge Tiere dorthin kamen. Für die Zeit der Sanierung kamen sie im Tierpark Hagenbeck unter, seit September sind sie zurück.

Nun ist einer der beiden Haie wie berichtet mit rund 15 Jahren gestorben, die Ursache wird untersucht. Doch schon jetzt hat der Tod des Tieres eine Debatte um die Haltung von Haien in Gefangenschaft ausgelöst. Tierschützer sprechen von Tierquälerei. Sie fordern, den Hai auf keinen Fall zu ersetzen.

„Die artgerechte Haltung eines Schwarzspitzenriffhais ist in einem Aquarium nicht möglich“, sagt Friederike Kremer-Obrock von Sharkprojekt Germany. Einer der Gründe: Der Schwarzspitzenriffhai gehört zu den Haiarten, die nicht über eine aktive Atmung verfügen. Das heißt: Dieser Hai muss immer schwimmen, um zu atmen, in Freiheit legt er große Strecken zurück und wird bis zu 40 Jahre alt. „Die Haltung in einem Aquarium führt bei dieser Art zu einer sehr hohen Sterblichkeit.“ Zumal er mit anderthalb Metern Länge auch zu groß für ein Aquarium mit 250 000 Litern Fassungsvermögen sei. „Der Tod des Tieres ist keine Überraschung.“ Auch der Transport des Tieres könne noch nachgewirkt haben. „Das bedeutet sehr großen Stress für die Haie.“

Der verbliebene Hai soll bleiben, wo er ist

Das sieht auch Robert Lehmann, früher Abteilungsleiter im Qzeaneum Stralsund und heute Tierschützer, so. Es sei sehr schwierig, die Lebensbedingungen für einen Hai in einem Aquarium richtig einzustellen, da die Tiere hochsensibel seien. „Es ist ein permanenter Kampf darum, dass das geschlossene System nicht kollabiert.“ Schon kleinste Fehler bei der Strömungseinstellung könnten problematisch sein. Hinzu käme, dass die verfütterten Fische tot seien und so zu wenig Vitamine beinhalteten. „Die Tiere werden dadurch schneller krank, so muss ständig mit Medikamenten und Vitaminen gegengesteuert werden.“ Die Haltung eines Schwarzspitzenriffhais im Aquazoo verstößt aus seiner Sicht sogar gegen das Tierschutzgesetz, da Tieren kein Leid zugefügt werden dürfe.

Und wie sollte der Aquazoo jetzt mit dem verbliebenen Hai umgehen? „Auswildern würde er nicht überleben. Er sollte in seiner gewohnten Umgebung bleiben“, sagt Lehmann.

Gestern meldete sich außerdem die Tierschutzorganisation Peta zu Wort und fordert ebenfalls, den Hai nicht durch ein neues Tier zu ersetzen. Ein artgerechtes Leben von Haien sei nur in Freiheit möglich.

Einen neuen Vorschlag in die Debatte um die Erweiterung des Aquazoos macht Tanja Breining, Meeresbiologin und Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei Peta. Das Vorbild heiß New York, denn dort wurde im Oktober das Virtual Aquarium eröffnet. „Der Aquazoo der Zukunft ist ein virtueller Zoo, in dem keine Wassertiere mehr in karge Becken eingesperrt sind“, sagt Breining. Der Aquazoo war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

© WhatsBroadcast

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer