Für die Dreharbeiten etwa in der Tonhalle sucht die Filmcrew Statisten. Die konnten sich jetzt bewerben – und nahmen lange Wartzeiten in Kauf.

Für die Dreharbeiten etwa in der Tonhalle sucht die Filmcrew Statisten. Die konnten sich jetzt bewerben – und nahmen lange Wartzeiten in Kauf.
Victoria Schmidt und Verena Kohfeld wollen unbedingt bei dem Film dabei sein.

Victoria Schmidt und Verena Kohfeld wollen unbedingt bei dem Film dabei sein.

Melanie Zanin

Victoria Schmidt und Verena Kohfeld wollen unbedingt bei dem Film dabei sein.

Ausnahmezustand im Relexa Hotel Ratingen City: Von den Konferenzräumen im ersten Stock über die Treppe durchs Foyer, die Tür hinaus und in einer langen Reihe bis zum Bürgersteig verläuft eine Schlange aus Menschen. Grob geschätzte 800 Besucher wollen im Verlauf des Nachmittags unbedingt eine Rolle als Statist ergattern: Kinder, junge Männer in Anzügen, Frauen im schicken Abendkleid, junge Leute in Jeans und T-Shirt. Aufregung liegt in der Luft. Es geht darum, in Düsseldorf bei Filmszenen zu „Gut gegen Nordwind“ mit Nora Tschirner und Alexander Fehling in den Hauptrollen dabei zu sein.

Wer Glück hat, sticht dem Team schon vorher ins Auge

Einige Tage verbringt das Filmteam im Frühjahr in Düsseldorf, unter anderem für einen Dreh in der Tonhalle. Hierfür werden Konzertbesucher gesucht, aber auch für andere Szenen braucht das Filmteam Statisten. Regieassistent Gregor Stitzl und Gregor Weber von der Casting-Agentur Eick gehen, bepackt mit einem Stapel gelber Zettel, neugierig die Schlange entlang. Mit einem Blick versuchen sie, schon an dem Nachmittag passende Gesichter, Charaktere auszuwählen. Sie tauschen sich aus, entscheiden blitzschnell, nach Bauchgefühl. „Schau mal, der junge Mann ganz vorne mit der Wasserflasche, was meinst du?“, fragt Gregor Stitzl. Sekundenbruchteile später ist Weber in ein lockeres Gespräch mit dem Mann vertieft, noch ein paar Sekunden später hält dieser einen der gelben Zettel in der Hand. Sie sind schon fast das Ticket, um beim Dreh dabei zu sein.

Mehr als eine Stunde Wartzeit – eigentlich nur für ein Foto

„Wir treffen eine Vorauswahl, damit es später schneller geht“, sagt Stitzl. „Vor allem Leute, die noch nirgends mitgespielt haben, die man noch aus keinem Film kennt, sind interessant. Und Veränderungen sind immer noch möglich, wenn das Casting vorbei ist. Heute liegt unser Fokus darauf, geeignete Konzertbesucher zu finden.“ Wer hat ein geeignetes Abendkleid oder einen Anzug? Wer sieht so aus, als würde er in eine Philharmonie gehen?

Das Schauen beruht auf Gegenseitigkeit. Neugierig blicken die Casting-Teilnehmer auf die beiden Herren, hoffen, dass sie auch angesprochen werden. Wer einmal drin ist im Hotel, erhält ein Papier mit vielen Fragen. Neben Adressdaten will die Agentur unter anderem wissen, ob man einen Hund hat oder ein Motorrad, und ob man sich die Haare schneiden lassen würde. Das hat nicht unbedingt mit dem Film zu tun, sondern es sind Angaben, die auch für weitere Filme oder Serien interessant sein könnten. Wer möchte, ist mit dem Bogen bei Eick registriert, um beim Tatort und anderen Produktionen vielleicht dabei zu sein.

Oben vor einem Konferenzraum kritzeln die Teilnehmer, eng gedrängt an Tischen, ihre Antworten auf die Fragebögen. „Ich bin mal neugierig, wie das alles so abläuft“, sagt Verena Kohfeld. „Ich hab’ schon mal bei einer Serie mitgemacht, aber da gab es beim Casting nicht so einen Andrang und man musste auch nichts selbst ausfüllen, das hat alles das Team gemacht.“ Victoria Schmidt ist zum ersten Mal bei einem Casting dabei. „Es wäre schon toll, mit so bekannten Schauspielern zusammenzuarbeiten – und mitzuerleben, wie ein so großer Film gedreht wird“, sagt sie. Zunächst ist sie aber gespannt, wie es im Hotel weiter geht. Rund eine Stunde mussten die beiden jungen Frauen warten, bis sie endlich in den Konferenzraum durften. Dort geht alles ganz schnell. Die Schlange teilt sich in zwei Teile, zu zwei Foto-Aufbauten. Es geht zunächst zu einem Tisch, an dem jeder ein Papier mit einer fortlaufenden Nummer erhält, damit die Agentur später Foto und Name eindeutig zuordnen kann. Unten links und unten rechts sind noch Alter und Größe vermerkt. Handtasche ablegen, sich auf eine Markierung stellen, Papier vor den Bauch halten, nett schauen – und das war es dann schon. Jeder, der da war, ist erst mal registriert und kann hoffen. Nur wer einen gelben Zettel hat, darf sich in eine extra Liste eintragen und hat sehr gute Chancen.

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