Tierschützer befreiten die Tiere aus einer Wohnung in Garath. Sie waren schon ganz schwach.

Tierschützer befreiten die Tiere aus einer Wohnung in Garath. Sie waren schon ganz schwach.
Tierheim-Leiter Frank Gassmann mit einigen der 59 Neuzugänge.

Tierheim-Leiter Frank Gassmann mit einigen der 59 Neuzugänge.

Sergej Lepke

Tierheim-Leiter Frank Gassmann mit einigen der 59 Neuzugänge.

Düsseldorf. Den Tierschützern bot sich ein schockierendes Bild, als sie am vergangenen Wochenende ein kleines Reihenhaus in Garath betraten: 59 verwahrloste Katzen vegetierten auf 70 Quadratmetern vor sich hin, unterernährt, die Ohren entzündet, das Fell verfilzt, verwurmt und voller Zecken, teilweise blind und mit entzündeten Zähnen, was extreme Schmerzen verursacht. Beim Gang durch die Wohnung entdeckten sie sechs Katzentoiletten überfüllt mit Fäkalien.

Mitarbeiter des Ordnungsamtes und des Veterinäramtes waren gemeinsam mit den Tierschützern vor Ort. „Ich habe ja schon viel gesehen“, berichtet der Leiter des Tierheims, Frank Gassmann. „Aber das war sehr schockierend.“ Mit drei Kollegen war er zum Einsatzort gekommen. Knapp zwei Stunden dauerte es, bis alle 59 Katzen eingesammelt waren.

Tierheim ist mit den 59 Neuzugängen überfüllt

„Die Tiere ließen sich fast alle ohne Widerstand fangen, weil sie so schwach waren. Der Boden war glitschig von Urin und Dreck und es war ein furchtbarer Gestank“, erzählt Gassmann. Das Düsseldorfer Tierheim, das zurzeit 170 Katzen versorgt, ist mit den 59 Neuzugängen jetzt hoffnungslos überfüllt. „Die kranken Katzen haben wir alle in Containern untergebracht“, sagt er. Seit drei Tagen werden die Tiere aufgepäppelt, ob sie alle durchkommen, ist fraglich. Zunächst wurden die Darmparasiten behandelt.

Neben den 59 Katzen hatten die beiden Frauen, die mit den Tieren lebten, auch noch einen Belgischen Schäferhund. „Ihm geht es am besten. Offensichtlich hat er von dem wenigen Futter das meiste gefressen.“ Monika Piasetzky, Vorsitzende des Tierschutzvereins, ist wütend: „Solche Leute müssen viel besser kontrolliert und dann später auch wegen Tierquälerei bestraft werden.“ Gassmann appelliert an alle Bürger, das Ordnungsamt zu informieren, wenn eine Haltung von zehn Tieren und mehr bekannt sei. „Das ist stets der Anfang vom Elend, weil die Tiere nicht kastriert sind und sich hoffnungslos vermehren.“ Auch die Katzen aus Garath zeigen teilweise neurologische Ausfälle, bedingt durch Inzucht. Das Leiden der Tiere durch Animal Hoarding, zu Deutsch Tiersammelsucht, gerät zunehmend in den Fokus der Medien. Die aufgedeckten Fälle sind jedoch nur die Spitze des Eisbergs.

In Düsseldorf gab es bislang drei spektakuläre Fälle: 1996 wurden 150 Katzen aus einer 40-Quadratmeter-Wohnung befreit, 1998 mehrere hundert Kleintiere auf einem Hof. Vor fünf Jahren wurden 113 Pudel aus einem Einfamilienhaus in Eller geholt.

Das Tierheim bittet um Spenden für die 59 Katzen: Neben Geldspenden werden auch Decken, neue Kuschelhöhlen und neue Kratzbäume benötigt. Die Sachspenden dürfen nicht gebraucht sein. Infos dazu gibt es beim Tierheim unter 65 18 50.

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