Medizin: Wie eine Düsseldorfer Agentur vom Ärztemangel an deutschen Kliniken profitiert.

Medizin
Voller Einsatz im OP: Immer mehr Ärzte arbeiten als Freiberufler auf Honorarbasis.

Voller Einsatz im OP: Immer mehr Ärzte arbeiten als Freiberufler auf Honorarbasis.

Catherine Angcaya ist mit ihrer Agentur Dr. Medloc in eine Marktlücke gestoßen.

Bild 1 von 2

Voller Einsatz im OP: Immer mehr Ärzte arbeiten als Freiberufler auf Honorarbasis.

Düsseldorf. Was tut eine Klinik, wenn ihr krankheitsbedingt die Anästhesisten ausgehen? Natürlich, sie mietet sich einen. Zum Beispiel bei der Agentur Dr. Medloc in Düsseldorf. Deren Geschäftsführerin, die 35-jährige Catherine Angcaya, vermittelt seit 2009 Anästhesisten, Neurologen oder Chirurgen an Kliniken in ganz Deutschland.

Etwa 1000 Mediziner haben sich bei Dr. Medloc registriert. Die Hälfte von ihnen arbeitet selbstständig auf Honorarbasis dort, wo gerade Bedarf ist. Und verdient dabei besser als die festangestellten Klinikärzte. „Ein Klinik-Assistenzarzt verdient im Schnitt 3500 Euro pro Monat. Ein Honorararzt mit gleicher Ausbildung kann auf 5000 bis 10 000 Euro kommen“, sagt Angcaya. Bessere Bezahlung als Freiberufler, selbstbestimmte Arbeitsbedingungen – immer mehr Mediziner werden zu Doktoren auf Abruf und profitieren vom Ärztemangel an deutschen Kliniken.

Auch in Düsseldorfer Kliniken werden Leihärzte eingesetzt

In NRW sind etwa 1500 Arztstellen an Krankenhäusern unbesetzt, auch Düsseldorfer Kliniken suchen ständig Assistenz- und Fachärzte. „Düsseldorf ist als attraktive Großstadt mit Uni-Klinik aber einigermaßen gut ausgestattet“, sagt die Agenturchefin.

Im Evangelischen Krankenhaus spielt ärztliche Leiharbeit laut eigener Auskunft noch keine Rolle. Die Uni-Klinik zieht sich den Nachwuchs bei Bedarf aus dem Kreis der Medizinstudenten.

Doch sowohl das St. Martinus-Krankenhaus in Unterbilk als auch die Häuser des Verbundes Katholischer Kliniken Düsseldorf (VKKD) haben schon Erfahrung mit Miet-Doktoren gemacht. St. Martinus’ kaufmännischer Direktor, Manfred Kallenbach, sagt: „Wir haben Honorarärzte in der Inneren und der Anästhesie eingesetzt und mit ihnen und den Agenturen gute Erfahrungen gemacht.“ Auch aktuell seien „zwei bis drei“ Leihärzte im Einsatz. „Es kommt vor, dass wir Honorarärzte für die Anästhesie einstellen“, sagt VKKD-Sprecher Peter Schmitz. „Wir regeln die Besetzung aber meist über Kontakte unserer festen Ärzte, sparen so die Vermittlungsprovision.“

Neurologen, Anästhesisten und Internisten sind sehr begehrt.

In Düsseldorf gibt es seit 2008 neben Dr. Medloc die Agentur (S)tegdoc. Bei ihr sind Ärzte wie Zeitarbeiter direkt beschäftigt, um die Gefahr der Scheinselbstständigkeit zu umgehen. Auch sie verdienen im Schnitt mehr als Klinikärzte, müssen die Lohnnebenkosten aber nicht selbst tragen.

Trotzdem boomt das Geschäft mit der Arztvermittlung. Das freut Angcaya, die anderen Agenturbetreiber und die selbstständigen Ärzte. Doch Astrid Holler, Sprecherin des Krankenhausverbandes NRW mit Sitz in Düsseldorf, kritisiert: „Honorarärzte decken nur Engpässe ab.“ Sie bekämpften zwar die Symptome, nicht aber die Ursachen des Ärztemangels, wie familienunfreundliche Arbeitsbedingungen und zu wenige Studienplätze. Doch für die Krankenhäuser gibt es oft keine Alternative. VKKD-Sprecher Schmitz bringt es auf den Punkt: „Besser ein Leiharzt als gar kein Arzt.“

Die Patienten sollen unter dem Wechsel von Klinik- zu Honorarärzten nicht leiden. „Eine professionelle Übergabe zwischen den Ärzten ist normalerweise kein Problem“, sagt Schmitz.

» Vertrauen Sie einem Honorararzt genauso wie einem angestellten?

www.wz-duesseldorf.de

© WhatsBroadcast