Von 1846 bis 1990 hielten am Kalkumer Bahnhof Züge, die zwischen Duisburg und Köln verkehrten. Heute liegt die Station brach.

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Einst hielten hier Züge, stiegen hier Menschen ein- und aus: Der alte Bahnsteig des ehemaligen S-Bahnhofes Kalkum existiert auch heute noch zwischen den Schienen. Das Dach wurde mittlerweile abgerissen. Fotos (3): Judith Michaelis

Einst hielten hier Züge, stiegen hier Menschen ein- und aus: Der alte Bahnsteig des ehemaligen S-Bahnhofes Kalkum existiert auch heute noch zwischen den Schienen. Das Dach wurde mittlerweile abgerissen. Fotos (3): Judith Michaelis

An die Funktion der kleinen Gebäude an den Schienen kann sich bei der Bahn keiner mehr erinnern. Möglicherweise waren es sanitäre Einrichtungen.

Im Inneren hat Vandalismus den Bauten zugesetzt.

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Einst hielten hier Züge, stiegen hier Menschen ein- und aus: Der alte Bahnsteig des ehemaligen S-Bahnhofes Kalkum existiert auch heute noch zwischen den Schienen. Das Dach wurde mittlerweile abgerissen. Fotos (3): Judith Michaelis

Düsseldorf. Ein kleiner Pfad zweigt von der Hauptstraße ab und führt in den Wald hinein. Schmal ist der Pfad und schlecht gepflastert, nicht weit ist es bis zu den Bahnschienen. Dort verbirgt sich ein Ort, der mit der Zeit in Vergessenheit geraten ist, der von jeglichem Leben verlassen wurde, dessen Überreste jedoch die Zeit überdauert haben.

Der Bahnhof Kalkum war ein seit 1846 genutzter Halt an der Stammstrecke der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft zwischen Düsseldorf und Duisburg. Nach Eröffnung der S-Bahn Rhein-Ruhr war die Station zuletzt noch Halt der Linie der S1, zeitweise auch der Linie S21, zwischen Angermund und Düsseldorf-Unterrath bzw. dem Terminal des Düsseldorfer Flughafens. Am 27. Mai 1990 wurde der Bahnhof jedoch zum Beginn des Sommerfahrplans aufgrund des gering eingestuften Bedarfs aufgegeben. Von nun an fuhren die S-Bahnen ohne Halt am alten Bahnsteig zwischen den Schienen vorbei.

Wer heute mit der S-Bahn zwischen Düsseldorf Hbf und Duisburg unterwegs ist und unterwegs aus dem Fenster schaut, erkennt noch heute die Reste des Bahnsteigs. Bis zum vergangenen Sommer war der langgezogene Steig zwischen den Schienen noch teilweise überdacht. Dieses Dach existiert jedoch heute nicht mehr, wurde „im Rahmen der Verkehrssicherheitspflicht“ abgerissen, wie ein Bahnsprecher auf WZ-Anfrage hin mitteilt. Die Spuren des Daches sind aber immer noch zu sehen – in der Mitte des Steiges ist der Bereich zu erkennen, der jahrzehntelang durch das alte Betondach vor der Witterung geschützt lag. Hell sind hier die Steine und nur wenig Unkraut wuchert dazwischen. An den Stellen, an denen einst die Pfeiler des Bahnsteigdaches platziert waren, ist der Boden aufgerissen und mit weißem Bauschutt bedeckt. Metallträger ragen aus dem Boden heraus. Ansonsten ist vom Bahnsteig an sich nicht mehr viel zu erkennen. Mispeln und Gräser haben über die Jahre das niedrige Bauwerk überwuchert, es vor Blicken verborgen.

Zum Gelände des ehemaligen Bahnhofes gehört nicht nur der Bahnsteig zwischen den Schienen. Etwa hundert Meter weiter in Richtung Innenstadt/ befinden sich mehrere kleinere Gebäude. Die grauen, tristen Außenwände sind mit Graffiti besprüht, die Türen stehen entweder offen, oder sind gar nicht mehr vorhanden. Die Wände im Inneren des größten Gebäudes sind gekachelt, bis auf einen rohen Betonsockel befindet sich nichts in dem kleinen Raum. Nur ein paar mit Spinnweben überzogener Schuhe steht in einer Ecke, ringsherum hat der Wind Laub herein geweht.

Der Raum ist zweigeteilt, in den hinteren Teil fällt kaum Licht. Wer sich hier mit einer Taschenlampe umschaut, entdeckt Öffnungen in der Wand, an denen möglicherweise einst Toiletten angeschossen waren. In den anderen Räumen existieren keine Spuren ihrer einstigen Bestimmung mehr, leer sind sie, Spinnweben überziehen Decke und Wände. In einem der kleinen Häuschen hat sich ein Obdachloser häuslich eingerichtet, eine Kochstelle aufgebaut. In einer Ecke liegt sein Schlafsack.

Der Bahnsteig soll für den neuen Rhein-Ruhr-Express verschwinden

In unserer neuen Serie stellen wir in loser Folge Orte in Düsseldorf vor, die heute brach liegen, nicht mehr genutzt werden. Orte mitten in der Großstadt, die bei den meisten Bewohnern in Vergessenheit geraten sind. Oft haben diese Orte viele Geschichten zu erzählen – wenn man nur danach sucht. Und genau das tun wir.

Bei der Bahn erinnert sich keiner mehr an die genau Funktion der kleinen Gebäude, in den Plänen des Unternehmens sind sie nicht verzeichnet. „Uns liegen keine Informationen dazu vor“, teilt ein Bahnsprecher mit – ein Mysterium, ein wahrhaft vergessener Ort.

Über Jahre hinweg hat sich auf dem Gelände des alten Bahnhofes nichts getan. Doch das soll sich ändern, sobald mit dem Bau des neuen Rhein-Ruhr-Express (RRX) begonnen wird, der unter anderem auf der Strecke zwischen Düsseldorf und Duisburg fahren soll – also auch am noch bestehenden Bahnsteig des Bahnhofes Kalkum vorbei. Laut einer Bahnsprecherin soll der Bahnsteig im Zuge der Bauarbeiten zurückgebaut werden, letztendlich ganz verschwinden. In einer Broschüre der Bahn legt diese die Planungen für das Grundstück offen. Im Bereich des Bahnsteiges sei ein Kreuzungsbauwerk geplant, heißt es da. Dieses soll es den Zügen des RRX ermöglichen, die Gleise zu wechseln.

„Ohne ein solches Kreuzungsbauwerk müssten die Züge über mehrere Gleise hinweg das Gleis wechseln und würden sich dadurch gegenseitig behindern“, heißt es von seiten der Bahn. Zudem ist geplant, zwei zusätzliche Gleise im Bereich des Bahnhofs-Grundstückes zu errichten. Gegebenenfalls müssten dazu auch die kleinen Gebäude am Rand abgerissen werden, sagt eine Bahnsprecherin. Die Planungen für den RRX sollen Ende 2016 abgeschlossen sein, gebaut werden kann erst danach – doch die Zeit des alten Bahnhofs in Kalkum läuft ab.

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