Zwei junge Düsseldorfer haben bei der Junioren-WM im Kajak-Fahren mächtig abgeräumt.

Wassersport
Sechs Medaillen haben Malte Reinartz (li.) und Finn Hartstein aus Tschechien mitgebracht.

Sechs Medaillen haben Malte Reinartz (li.) und Finn Hartstein aus Tschechien mitgebracht.

Michael Winde

Sechs Medaillen haben Malte Reinartz (li.) und Finn Hartstein aus Tschechien mitgebracht.

Düsseldorf. Irgendwann, wenn die Luft weg bleibt und die Augen nur noch schwarz sehen, dann kann der Körper nicht mehr, dann will er nicht mehr. Eine Grenze ist erreicht. Malte Reinartz (18) und Finn Hartstein (15) haben diese Grenze für den Erfolg überschritten. Bei den Junioren-Weltmeisterschaften der Kanu-Wildwasserabfahrt im tschechischen Opava haben die beiden Sportler des Kajak-Clubs Düsseldorf-Hamm am vergangenen Wochenende jede Menge Medaillen abgeräumt.

Reinartz und Hartstein trainieren seit Januar neun Mal wöchentlich

„Die Anstrengung hat sich gelohnt“, sind sich beide einig. Seit Januar trainieren die Leistungssportler neun Mal in der Woche unter Vereinstrainer Heinrich Kuchta sowie Bundesjugendtrainer Ralf Beerchinger, haben kaum noch Freizeit. Für Reinartz kommt der tägliche Weg aus Mönchengladbach hinzu.

Deshalb sind sie froh, dass jetzt erstmal eine ruhigere Zeit anbricht. „Endlich kann man mal wieder einfach so 500 Meter den Rhein hochpaddeln, sich ans Ufer legen und die Sonne genießen“, sagt Reinartz. Denn die letzten Monate seien nicht nur eine körperliche, sondern ebenso eine psychische Belastung gewesen. Natürlich hätten die Leistungen in der Schule gelitten, sagt Reinartz. Wenn man um 22 Uhr erschöpft vom Training kommt, habe man keine Lust, die Hausaufgaben noch zu erledigen. „Man muss eben wissen, was man will: die Weltmeisterschaft oder gute Noten.“

Wassersport ist teuer – ein Kanadier kann bis zu 3000 Euro kosten

Reinartz und Hartstein haben in diesem Jahr den Sport gewählt. Und der Erfolg gibt ihnen Recht. Hartstein, der Kajak fährt und altersgemäß eigentlich noch Jugendfahrer ist, hat bei seiner ersten internationalen JuniorenMeisterschaft gleich die Goldmedaille geholt. Im klassischen Rennen über viereinhalb Kilometer auf der tschechischen „Moravice“ hat sein Dreier-Team alle anderen hinter sich gelassen. „Eines der härtesten Rennen meines Lebens“, sagt der Düsseldorfer glücklich. Reinartz, der Kanadier fährt, hat zwar keine Gold, dafür aber drei Silber- und zwei Bronzemedaillen geholt.

Dieser Erfolg frisst nicht nur Zeit, sondern ebenso Geld. Kanufahren ist teuer, für ein Paddel können schon mal mehrere hundert Euro hingelegt werden, das richtige Kajak kann bis zu 3000 Euro kosten. „Bei den Rennen kommt es ja auf Bruchteile von Sekunden an, deshalb sind die Materialen aus Carbon“, erklärt Hartstein. Sein 300-Euro-Paddel wurde während der Meisterschaften beschädigt, jetzt muss ein neues her. Da kam der Brief in seinem Postkasten gerade Recht: „Die deutsche Sporthilfe unterstützt mich in Zukunft mit 50 Euro monatlich“, erklärt der 15-jährige. Auch Reinartz wird finanziell von der Sporthilfe gefördert. Außerdem bezieht er seine Boote durch einen Sponsor zum Materialpreis. Reinartz: „Sonst wäre der Sport finanziell kaum umsetzbar.“

Beim Kanu handelt es sich um einen Oberbegriff für alle Wassersportgeräte, die mit Paddel in Blickrichtung bewegt werden.

Das Kajak ist eine Gattung der Kanus. Es ist ein Paddelboot, das mit einem Doppelpaddel angetrieben wird.

Der Kanadier ist ein offenes Kanu, das mit einem einfachen Paddel bewegt wird. Eine besondere Technik ermöglicht einseitiges Paddeln, ohne dass das Boot sich um die eigene Achse dreht. Deshalb gilt das Kanadierfahren als Königsdisziplin der Paddelboote.
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Die aktuellen Erfolge sollen für Reinartz und Hartstein nicht Ende, sondern Anfang ihrer Karriere sein. Beide wollen sie zwar ihr Abitur absolvieren – Reinartz kommt jetzt in die Klassenstufe 13, Hartstein in die zehnte – visieren sie weitere Titel an. „2012 werde ich versuchen, mich mit einem Teamkollegen für die Herren-WM zu qualifizieren“, sagt Reinartz. Hartstein peilt für 2013 einen Sieg im Einzelfahren der Junioren-WM an.

Denn so groß die Anstrengung auch ist: „Wenn ich auf die Anzeigetafel schaue und meinen Namen auf Platz eins sehe, dann weiß ich: Es hat sich gelohnt“, sagt Hartstein.

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