Die U 81 kommt als Brücken-, die U 71 als Y-Lösung, nach Mörsenbroich und Gerresheim.

Düsseldorf. Die „Ampel“ hat ihre erste Bewährungsprobe im Stadtrat bestanden. Das neue Bündnis aus SPD, FDP und Grünen setzte sich vor allem bei zwei großen Verkehrsprojekten durch – gegen den heftigen Widerstand der CDU. Harte verbale Auseinandersetzungen zwischen CDU und FDP: Das hatte man jahrelang nicht mehr erlebt.

So wird die künftige Stadtbahnlinie U81 zum Flughafen mit der Brückenvariante am Nordstern geplant, nicht als Tunnel. Verkehrsdezernent Stephan Keller empfiehlt dies nun, weil Bund und Land signalisiert hätten, sie würden die Mehrkosten für den Tunnel von knapp 30 Millionen Euro nicht bezuschussen. Der erste Bauabschnitt vom Freiligrathplatz zum Flughafen kostet geschätzt 128,4 Millionen Euro (Brücke), davon muss die Stadt vermutlich 41,5 Millionen tragen. Bei der Gesamttunnellösung wären es 70 Millionen Euro gewesen.

Vor dem Rathaus protestierten Stockumer und Lohausener gegen die oberirdische Lösung. Im Rat schwang Andreas Stieber für die CDU die dicke Keule. Die Hochbrücke für die Bahn werde ein „Monster“, ein „hässliches Denkmal für die Bürgerferne von OB Geisel“. Die FDP bezichtigte Stieber des Wortbruchs, sie habe die Tunnellösung auf dem Altar der Macht geopfert. Nun werde es sicher Klagen wegen mangelndem Lärmschutz geben, die das ganze Projekt gefährdeten.

Manfred Neuenhaus (FDP) wies das entschieden zurück. Es sei immer klar gewesen, dass die Tunnellösung nur realistisch sei, wenn sie vom Land voll bezuschusst werde: „Wir können hier nicht einfach 30 Millionen mehr ausgeben, das Geld brauchen wir für neue Schulen und vieles anderes.“ Ähnlich argumentierten Martin Volkenrath (SPD) und Norbert Czerwinski (Grüne), der sagte: „Solche Mehrkosten sind unverantwortlich, wenn man für den gesamten Radverkehr bislang nicht mal eine Million ausgibt.“ Die Linke lehnte das gesamte Projekt U 81 ab, es sei in jeder Variante viel zu teuer.

Die 708 bleibt, die U 71 fährt nach Gerresheim und Mörsenbroich

Auch in puncto Straßenbahnnetz setzte sich die Ampel durch – zum Teil gegen Verkehrsdezernat und Rheinbahn. So bleibt die Linie 708 auch nach Start der Wehrhahn-Linie 2016 für mindestens ein Jahr erhalten. In der Woche fährt sie alle 20 Minuten von Mörsenbroich über Brehmplatz zum Hauptbahnhof und weiter zum Polizeipräsidium. Dem stimmten am Ende alle zu, obwohl die CDU stets Bedenken hatte.

Die hat sie auch immer noch bei der nun beschlossenen Aufsplittung der künftigen U 71 („Y-Lösung“): Die fährt ab 2016 jeweils alle 20 Minuten abwechselnd zum Mörsenbroicher Ei und zum Gerresheimer Krankenhaus. Das sei eine unsinnige Lösung, wetterte Andreas Hartnigk (CDU), sie verwirre die Kunden und benachteilige zu viele Fahrgäste, etwa aus Rath. Sprecher der Ampel hingegen betonten, dass der ÖPNV ausgebaut werden müsse, notfalls müssten mehr Züge angeschafft werden.

Nach einem Jahr Betrieb wird von externen Experten evaluiert, wie 708 und U 71 bei den Fahrgästen ankommen. Danach wird entschieden, wie es weitergeht.

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