Amos Plaut will nicht in ein Raster gepresst werden. Doch in der Kunstbranche ist das nicht immer leicht.

Amos Plaut öffnet die Form, in die er eine der Pistolen gegossen hat. „Softies“ nennt er die rosafarbenen Waffen. Als Vorlage für die Form diente ein Feuerzeug.
Amos Plaut öffnet die Form, in die er eine der Pistolen gegossen hat. „Softies“ nennt er die rosafarbenen Waffen. Als Vorlage für die Form diente ein Feuerzeug.

Amos Plaut öffnet die Form, in die er eine der Pistolen gegossen hat. „Softies“ nennt er die rosafarbenen Waffen. Als Vorlage für die Form diente ein Feuerzeug.

Judith Michaelis

Amos Plaut öffnet die Form, in die er eine der Pistolen gegossen hat. „Softies“ nennt er die rosafarbenen Waffen. Als Vorlage für die Form diente ein Feuerzeug.

Düsseldorf. Manchmal ist es eine Idee, manchmal sieht er nur einen Lampenschirm auf dem Sperrmüll liegen. Das ist der Zeitpunkt, an dem für Amos Plaut ein Kunstwerk entsteht. Aus dem trichterförmigen Lampenschirm etwa wurde vor mehr als zehn Jahren das Werk „Olympia“ – eine Hommage an den Marathonläufer Abebe Bikila, der es barfuß zu einer Goldmedaille brachte. Doch das Leben des Afrikaners nahm eine tragische Wende, als er bei einem Autounfall querschnittsgelähmt wurde.

Das ist typisch für Plaut, den 72 Jahre alten Mann aus Israel, der im Menschsein in erster Linie Tragisches sieht. Und Enttäuschung. Dennoch: „Ich bin ein unheilbarer Optimist“, sagt er über sich selbst. Obwohl er enttäuscht sei von diesen Menschen, die sich niemals ändern.

Doch von Verbitterung ist keine Spur zu entdecken an diesem Künstler. Es vergehen keine zehn Minuten, in denen er nicht Freude zeigt. An seinen Ideen, seinen Geschichten, seinem Dasein.

Plaut hat Prinzipien. Jemanden, den er mag, würde er niemals siezen. Schlimmer ist es nur noch, sich festzulegen. „Alle erwarten immer eine Handschrift des Künstlers. Aber wenn man sich auf Dinge wie Farbe, Material oder Größe beschränkt, ist man nicht frei“, findet er. „Ich bin meine eigene Handschrift.“ Wenn man eine Person kenne, wisse man, was sie sich bei einem Kunstwerk gedacht habe.

Wann wird man als Künstler berühmt?

Wenn man sein Atelier in Lierenfeld betritt, in dem er seit 1989 arbeitet, weiß der Besucher nicht, wo er als erstes hingucken soll. Bis unter die Decke gestapelt, sind dort Dinge. Kartons voller roter Erde, getrocknete Blätter, Skulpturen oder bunt lackierte Pistolen aus Gips. Seit mehr als 20 Jahren geht er dort seiner Leidenschaft, der Kunst, nach.

Amos Plaut wurde 1940 in Tel Aviv geboren. Seine Eltern stammen aus Deutschland. Für das Studium der Kunst und Innenarchitektur ging er nach Wiesbaden. Bevor er 1984 endgültig nach Deutschland zog, arbeitete er zwischendurch als Innenarchitekt und Designer in Israel.

Bis zum 10. Februar ist seine Skulptur „Cruise Missile“ im Rahmen der „Februart“ im Kunstforum an der Birkenstraße 47 zu sehen.

Aber ein Rätsel hat er bis heute nicht für sich lösen können: „Wann wird man als Künstler berühmt?“ Vielleicht, wenn man die richtigen Leute treffe, eine große Ausstellung machen dürfe oder verstanden werde? „Ich hasse es zu erklären, was ich mache“, sagt er. Bei seinen Werken verzichte er auf große Erläuterungen. Ihm genügt es, ihnen einen Titel zu geben. Dann müssten die Leute doch begreifen.

„Ich hasse es zu erklären, was ich mache.“

Amos Plaut über seine Kunst

Der 72-Jährige hat ein Problem, das viele Künstler in Düsseldorf mit ihm teilen. „Wenn man in Düsseldorf nicht von der Akademie kommt, passt man nicht ins Raster“, sagt er. Darunter leiden viele, meint er. Doch Plaut hält durch, getrieben von seinem Schaffensdrang. Der holt ihn sogar im Baumarkt ein. „Da lagen 1000 Bleistifte, die so billig waren. Und obwohl ich kein Geld hatte, habe ich sie gekauft – und dann noch einmal 10 000 bestellt“, erzählt er. Entstanden ist daraus seine rund drei Meter hohe „Cruise Missile“, eine Rakete aus Bleistiften, die derzeit im Kunstforum ausgestellt wird. Seine Erklärung – ausnahmsweise: „Wenn diese Waffe alle Kinder der Welt erreicht haben wird, werden sie die Chance erhalten zu lernen – und begreifen, dass es sich lohnt, eine friedliche Welt zu haben.“

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