Karl-Heinz Petzinka, Bauherr und Akademieprofessor, spricht über die Ateliers der Akademie und die Chancen zur Rettung alter Bauten.

Die Kunstakademie will zunächst nur eine Halle am Steinberg in Künstlerateliers umbauen.
Die Kunstakademie will zunächst nur eine Halle am Steinberg in Künstlerateliers umbauen.

Die Kunstakademie will zunächst nur eine Halle am Steinberg in Künstlerateliers umbauen.

Karl-Heinz Petzinka in einer von ihm umgebauten Kaserne an der Ulmenstraße.

Melanie Zanin/BN, Bild 1 von 2

Die Kunstakademie will zunächst nur eine Halle am Steinberg in Künstlerateliers umbauen.

Düsseldorf. Das Rheinbahngelände am Steinberg und der ehemalige Toom-Baumarkt Oberbilker Allee sind die Großbau-Projekte des Karl-Heinz Petzinka. Der Architekt gehört zum Kreis von 14 Privatleuten, meist ehemalige Fußballspielern, die die Projekte realisieren. Zugleich ist er Professor der Baukunst an der Kunstakademie und plant die Ateliers in den denkmalgeschützten Rheinbahn-Hallen. Ein Gespräch über das Bauen in Düsseldorf.

Herr Petzinka, Sie haben als Professor der Baukunst Koryphäen wie Max Dudler und Nathalie de Vries als Kollegen. Die Studenten werden also bestens ausgebildet. Aber davon merkt man nichts in Düsseldorf. Wieso sieht es hier so schrecklich normal bis neo-klassizistisch aus?

Heinz Petzinka: Ich habe mich genau aus diesem Grund den Projekten in Düsseldorf und Umgebung verschrieben. Meine Freunde und deren Familien sind meine Bauherren. Wir entwickeln das Gelände Am Steinberg und am ehemaligen Toom-Baumarkt an der Oberbilder Allee, Ecke Ringelsweide.

Ihr junger Kollege, der frisch gebackene Akademie-Absolvent Micky Damm, lässt 800 Horten-Kacheln bei Ihnen zwischenlagern. Heißt das, dass Sie am Fortbestand gewisser Teile oder gar Bauten aus den 1950er, 1960er Jahren interessiert sind? Kann man diese Architektur retten?

Petzinka: Es wäre für uns leichter gewesen, den Toom-Baumarkt mit all seinen Aufbauten abzureißen und auf dem freien Gelände neu zu bauen. Es macht mehr Mühe, Teile stehenzulassen.

Das heißt?

Petzinka: In den denkmalgeschützten Kasernen an der Tannenstraße habe ich bewiesen, wie das funktioniert. Wir lassen in Oberbilk sogar den Milchausschank an der Ecke Ringelsweide stehen. Wir planen Mietwohnungen und sozial geförderte Wohnungen für Wohngruppen, also auch für Studenten. Ein Mietshaus im Bestand wird saniert und neu vermietet. Wenn ein Investor alte Häuser stehenlässt und dazwischen neu baut, erhält er ein vielfältigeres Stadtbild.

Wie geht es mit den Ateliers am Steinberg weiter? Seit fünf Jahren diskutiert man an der Kunstakademie vergebens. Jetzt heißt es, außer Meisterschülern sollen auch internationale Künstler eine „Residenz“ erhalten. Gilt die Idee nicht mehr, junge Talente auf diese Weise in Düsseldorf zu halten? Ist auch das Postgraduiertenstudium passé?

Petzinka: Die Situation war festgefahren. Man sah das Projekt kritisch wegen der Kosten, die auf die Akademie zukommen könnten. Es hatten nicht alle Kollegen die notwendigen Informationen. Die Rektorin wollte daher keine Ateliers, sondern die Hallen frei für Aktionen halten. Dafür hätten wir aber keine Postgraduierten-Förderung bekommen.

Wie sieht nun der Kompromiss aus?

Petzinka: Da viele Kollegen Angst hatten, es werde zu teuer, schlug ich vor, zunächst einmal nur eine Halle zu nehmen. Die andere Halle bleibt leer.

Kann man zugleich internationale Künstler herholen und eine Postgraduierten-Förderung wollen? Geht das überhaupt durch das Land?

Petzinka: Das Kollegium hat erstmals verstanden, dass die Gelder des Landes zweckgebunden sind. Unser Postgraduierten-Programm soll nun so aussehen, dass wir nur noch 20 bis 24 junge Künstler aus dem In- und Ausland aufnehmen. Unter diesen Voraussetzungen verhandelt jetzt das Rektorat mit dem Ministerium.

Wie reagiert das Land, das doch gar kein Geld mehr hat?

Petzinka: Das weiß ich nicht. Ich habe der Akademie meine Leistung geschenkt. Der Entwurf bleibt in der Akademie, die Studenten haben wie ich umsonst gearbeitet. Für mich steht lediglich fest: Ich gebe die Hallen für einen Euro ab. Das übrige Gelände am Steinberg entwickeln meine Fußball-Freunde und ich für Wohnungen.

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