Die Polizei war an Altweiber überall. Aber es gab kaum Anzeigen, keine Frau kam bis zum Nachmittag in den Security Point.

Die Polizei war an Altweiber überall. Aber es gab kaum Anzeigen, keine Frau kam bis zum Nachmittag in den Security Point.
Sophia und Melanie fühlen sich trotz der Vorfälle an Silvester in Köln und Düsseldorf kein bisschen unsicher in der Altstadt.

Sophia und Melanie fühlen sich trotz der Vorfälle an Silvester in Köln und Düsseldorf kein bisschen unsicher in der Altstadt.

Die Polizei hatte mit Betrunkenen und Störern gut zu tun – aber schwere Straftaten gab es bis zum Abend nicht.

Am Security Point kamen jede Menge Narren vorbei – bis zum späten Nachmittag suchte aber keine Frau Hilfe.

Bild 1 von 3

Sophia und Melanie fühlen sich trotz der Vorfälle an Silvester in Köln und Düsseldorf kein bisschen unsicher in der Altstadt.

Düsseldorf. Es ist 11.11 Uhr, und die Möhne stürmen das Rathaus. Ansonsten ist der angesagte Sturm ausgeblieben. Es regnet zwar Bindfäden, ist sonst aber ruhig. Wirklich ruhig. Auf dem Marktplatz stehen kaum mehr Narren als zum Hoppeditz-Erwachen im November. Und: Nicht ein Polizist ist zu sehen. Immerhin sollten gerade 600 in der Altstadt unterwegs sein. Die einzigen „Beamten“ hier allerdings sind Spezialkräfte und eindeutig nicht im Staatsdienst tätig. Auch kein Einsatzwagen mit Kamera ist in Sicht. Es wird geschunkelt und helaut – fast als wären Silvester und der vergangene Monat gar nicht gewesen.

Dieser Monat, in dem man das Gefühl bekam, man sollte als Frau den Straßenkarneval vielleicht besser meiden. Muss ich? „Für uns war das überhaupt kein Thema“, sagt die 29-jährige Liz. Und ihre Freundin Nadine (28) ergänzt: „Es ist alles gut bei uns.“ Dann fragt sie aber doch noch besorgt nach: „Bei dir denn auch? Fühlst du dich wohl?“

Die Polizei war an Altweiber überall. Aber es gab kaum Anzeigen, keine Frau kam bis zum Nachmittag in den Security Point.
Sophia und Melanie fühlen sich trotz der Vorfälle an Silvester in Köln und Düsseldorf kein bisschen unsicher in der Altstadt.

Sophia und Melanie fühlen sich trotz der Vorfälle an Silvester in Köln und Düsseldorf kein bisschen unsicher in der Altstadt.

Die Polizei hatte mit Betrunkenen und Störern gut zu tun – aber schwere Straftaten gab es bis zum Abend nicht.

Am Security Point kamen jede Menge Narren vorbei – bis zum späten Nachmittag suchte aber keine Frau Hilfe.

Judith Michaelis, Bild 1 von 3

Die Polizei hatte mit Betrunkenen und Störern gut zu tun – aber schwere Straftaten gab es bis zum Abend nicht.

Ja, das kann man nicht anders sagen. Der Blick um die Ecke beweist: Die Polizei steht zwar nicht in Zweierreihen um den Marktplatz herum – aber durchaus in den Sträßchen Richtung Rhein. Da, aber nicht im Weg. Und das soll auch so sein, erklärt Polizeisprecher Markus Niesczery auf Nachfrage: „So präsent wie nötig, so zurückhaltend wie möglich.“ Es geht hier immer noch um ein Straßenfest.

An einem Getränkewagen an der Ratinger Straße zeigt sich allerdings am frühen Nachmittag, dass manche Männer sich offenbar Sorgen machen. Ein mittelalter Al Capone legt von der Seite die Hand auf die Schulter: „Hey Mädche, ein schönes Kostüm!“ Und zuckt dann zurück: „Huch, darf ich das überhaupt noch machen?“

„Ich habe das Gefühl, dass die Männer vorsichtiger sind“

Die Polizei war an Altweiber überall. Aber es gab kaum Anzeigen, keine Frau kam bis zum Nachmittag in den Security Point.
Sophia und Melanie fühlen sich trotz der Vorfälle an Silvester in Köln und Düsseldorf kein bisschen unsicher in der Altstadt.

Sophia und Melanie fühlen sich trotz der Vorfälle an Silvester in Köln und Düsseldorf kein bisschen unsicher in der Altstadt.

Die Polizei hatte mit Betrunkenen und Störern gut zu tun – aber schwere Straftaten gab es bis zum Abend nicht.

Am Security Point kamen jede Menge Narren vorbei – bis zum späten Nachmittag suchte aber keine Frau Hilfe.

Bild 1 von 3

Am Security Point kamen jede Menge Narren vorbei – bis zum späten Nachmittag suchte aber keine Frau Hilfe.

Diesen Eindruck hat auch eine Marienkäferdame in kurzem Rock in der Kurze Straße gewonnen: „Ich habe das Gefühl, dass die Männer vorsichtiger sind. Was ja ganz gut ist.“ Sie lacht. Immerhin seit 9 Uhr ist sie unterwegs – und hatte noch keine blöde Situation. Freundin Nicole (35) ist als Bienchen etwas später hinzugekommen. „Ich bin schon mit etwas Skrupel losgegangen“, gibt sie zu. „Aber ich fühle mich sehr sicher.“ Auch Kumpel Fabian findet den Straßenkarneval 2016 „keinen Deut anders“. Nur dass noch keine Frau sich getraut hat, seine Krawatte abzuschneiden, wurmt ihn: „Das ist echt hart!“

Ordentlich Arbeit hatten die Rettungskräfte in der Altstadt. Bis 17 Uhr mussten sie 54 betrunkene Jugendliche behandeln, 2015 waren es 35 gewesen, 2014 sogar nur vier. Insgesamt 123 Menschen (2015: 200) wurden in den Unfallhilfestellen behandelt, 21 von ihnen kamen ins Krankenhaus (2015: 58).

Laut Ordnungsdezernent Stephan Keller bewährte sich auch im sechsten Jahr in Folge das Glasverbot. So gab es bis zum späten Nachmittag laut Feuerwehr nur zwei Fälle von Schnittverletzungen. Das Verbot gilt noch einmal von Sonntag, 12 Uhr, bis Veilchendienstag, 5 Uhr.

Karneval „as usual“, das hat auch Jana erlebt. Die 17-Jährige war zwischenzeitlich sogar allein unterwegs. „Es ist wie immer – Typen kommen vorbei und machen einen an. Aber das ist ja normal.“ Auch Melanie (24) fühlt sich gut, hat keine Angst. „Ein paar Leute sind an Altweiber eben lockerer“, meint Freundin Sophia (25). „Eigentlich ist es ja traurig: Aber man hat sich dran gewöhnt.“

Bis zum Abend 67 Platzverweise, 14 Jecken hinter Gittern

Am Nachmittag heißt es aus der extra eröffneten Anlaufstelle der Polizei für Anzeigen am Burgplatz: eine Anzeige. Die Bilanz des Security-Points für Frauen: Keine Frauen suchten Hilfe. Von einem ruhigen Dienst will Polizeisprecher Niesczery aber nicht sprechen: „Es ist schon arbeitsintensiv.“ Die Anzeigen von Taschendiebstählen und Körperverletzungen waren zwar am späten Nachmittag noch im einstelligen Bereich, Raubdelikte: keine. Bis 18.30 Uhr sprach die Polizei aber immerhin 67 Platzverweise gegen Störer aus, 14 Gewahrsamnahmen und Festnahmen gab es. Doch während das Martinshorn in der Dunkelheit immer öfter dröhnte, schunkelten die allermeisten Jecken trotzdem fröhlich aus einem Tag, der stürmisch sein sollte, es aber nicht war, in eine hoffentlich ebenso wenig stürmische Nacht.

» Seiten 18 und 19

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer