Seniorenbeirat beschäftigte sich mit dem Lebensüberdruss und seinen Folgen.

Düsseldorf. 13 Prozent aller älteren Menschen leiden unter einer depressiven Störung - oft mit gravierenden Folgen. Denn nicht erkannte Depressionen führen zwar nicht immer, aber erschreckend häufig zum Suizid. "Im Bundesdurchschnitt nehmen sich ein Viertel der Bewohner von Alten- und Pflegeheimen das Leben," erklärte Viktoria Töller vom Düsseldorfer Bündnis gegen Depression. In Privathaushalten sind es noch fünf Prozent. Dabei wird jeder zweite Suizid von einer Frau über 60 Jahre verübt.

Nordrhein-Westfalen und damit auch Düsseldorf schneiden zwar statistisch besser ab - sie liegen am unteren Ende der Bundesskala -, dennoch ist das Problem so schwerwiegend, dass 2005 das Düsseldorfer Bündnis gegen Depression ins Leben gerufen wurde. "Ein Modellprojekt in Nürnberg hat ergeben, dass Aufklärung über Depressionen die Selbsttötungsrate drastisch senkt", erklärte Töller gestern im Seniorenbeirat.

Tillmann Supprian, Facharzt in den Rheinischen Landeskliniken Grafenberg, erklärte warum: Grundlagen für Depressionen können Stoffwechselstörungen wie auch Gehirnerkrankungen sein - und das werde von den Ärzten oft nicht erkannt. So kann ein Schlaganfall zu depressiven Symptomen führen, eine beginnende Demenz, eine Schilddrüsenerkrankung oder eine längerfristige Cortisonbehandlung.

Dabei seien Depressionen und der damit verbundene Lebensüberdruss kein unabwendbares Schicksal, sondern gut behandelbar - mit Medikamenten wie mit Psychotherapie. Nicht nur bei jungen Menschen, sondern auch bei Hochbetagten. "Nur wird das zu selten verschrieben", bemängelte Supprian.

Für die Seniorenvertreter waren die Ausführungen Anlass, in Zukunft bei ihren Besuchen noch genauer hinzuschauen. "Wir müssen Möglichkeiten finden, auch auf die Menschen zuzugehen, die in keine Einrichtung kommen", fasste Beiratsmitglied Elisabeth Sader zusammen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer