Die Politik streitet darüber, ob und wie eine neue Trasse nach Hubbelrath möglich wäre. Dass sie es ist, zeigt ein Blick in die Vergangenheit.

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„Da kann man Lösungen finden“: Hans Männel vom Verein Linie D.

„Da kann man Lösungen finden“: Hans Männel vom Verein Linie D.

So sah das damals aus: Eine aus Düsseldorf kommende Bahn steht in der Mettmanner Bergstraße, bereit zur Weiterfahrt nach Vohwinkel.

„Da kann man Lösungen finden“: Hans Männel vom Verein Linie D.

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„Da kann man Lösungen finden“: Hans Männel vom Verein Linie D.

Düsseldorf. Hohn und Spott, viel mehr hat CDU-Verkehrsexperte Andreas Hartnigk für die Idee einer neuen Straßenbahntrasse nach Hubbelrath nicht übrig. „Sensationell“ sei die Idee „einer Zahnradbahn zur Bergischen Kaserne“, spottete er jüngst. Er spielt damit auf die Steigung am Gallberg an. Dort sei eine „Befahrbarkeit überhaupt nicht möglich“.

Anlass für die Attacke des Oppositionsführers ist der Plan der „Ampel“-Parteien, eine Machbarkeitsstudie für den Neubau einer Strecke zur Bergischen Kaserne – und vielleicht auch darüber hinaus – in Auftrag zu geben. 250 000 Euro soll der Stadtrat dafür (und die Prüfung einer weiteren neuen Strecke in Flingern/Gerresheim) im Dezember beschließen.

Auf dem Kasernen-Areal sollen ca. 1000 Wohnungen entstehen

Grund ist, dass auf dem Gelände der Bergischen Kaserne ein neues Wohnviertel entstehen soll, wenn die Bundeswehr das Areal (wohl 2017) endgültig aufgegeben hat. Dort wäre locker Platz für rund 1000 Wohneinheiten. Dieses Quartier soll von Anfang an einen guten ÖPNV-Anschluss haben, nachdem zuletzt mehrere neue Wohnviertel ohne Schienenverbindung geplant und gebaut wurden (z.B. Grafental, Quellenbusch).

Dass eine Straßenbahn entlang der Bergischen Landstraße möglich ist, zeigt ein Blick in die Historie: Denn dort gab es schon einmal eine Straßenbahntrasse. Bis 1936 fuhren dort Züge der „Kreis Mettmanner Straßenbahnen GmbH“. Gebaut und 1909 eröffnet wurde die Strecke übrigens von RWE, erst 1910 wurde die GmbH gegründet.

Die Reichsbahn verhinderte den Anschluss an die Innenstadt

Die Trasse verlief eingleisig (mit einigen Ausweichstellen) in Straßenrandlage – also neben der Autofahrbahn. Die Linie 1 führte damals von Wuppertal-Vohwinkel über Mettmann nach Düsseldorf. 17 Stationen befanden sich auf hiesigem Stadtgebiet. Die Endhaltestelle war Auf der Hardt – also dort, wo sich heute die Strecken der Linien 703 und 709/713 teilen.

17 Halte gab es auf dem heutigen Düsseldorfer Stadtgebiet: Auf der Hardt, Krekels Häuser, Kaiserburg, Weiche Gallberg, Gallberg, Hansenhof, Moschenhof, Wasserturm, Weiche Koppelshof, Koppelshof, Neuenhaus, Holterweg, Hoffnung, Post Hubbelrath, Weinberg, Förstchen und Weiche Schmidtberg.

Das Problem: Es bestand kein direkter Anschluss an das Düsseldorfer Netz. Alle Fahrgäste, die weiter in die Innenstadt wollten, mussten dort umsteigen. Zwar wurde später eine Gleisverbindung für Güterzüge gebaut. Doch der Plan, Straßenbahnen aus Mettmann bis zum Graf-Adolf-Platz fahren zu lassen, scheiterte am Widerstand der Reichsbahn. „Für die war die Straßenbahnlinie eine Konkurrenz zur eigenen Strecke Mettmann – Düsseldorf“, erklärt Hans Männel vom Verein „Linie D“, der Arbeitsgemeinschaft historischer Nahverkehr Düsseldorf. Der Trick: „Die Reichsbahn lehnte die von der Mettmanner Straßenbahn GmbH beantrage Querung der Eisenbahngleise am Staufenplatz ab. Begründung: Kapazitätsengpässe.

Dies könnte auch die Ursache dafür sein, dass der Streckenabschnitt auf der Bergischen Landstraße 1936 wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit stillgelegt werden musste. Männel: „Schon RWE hatte eigentlich vorgehabt, die Bahnen bis in die Düsseldorfer City fahren zu lassen. Auch weil dies nie möglich war, hat sich der Betrieb wohl nicht gerechnet.“

Dass dies anders sein wird, wenn auf dem Gelände der Bergischen Kaserne ein neues Wohnviertel entstanden ist, davon sind die Politiker von SPD, Grünen und FDP überzeugt – und sie wollen auch prüfen lassen, ob eine spätere Verlängerung der Strecke bis nach Mettmann eine Option sein könnte.

Ob die Streckenführung wieder so sein kann wie damals – oder anders –, das müssen die Gutachter herausfinden. „Ich glaube, dass man da Lösungen finden kann“, glaubt jedenfalls Hans Männel.

© WhatsBroadcast

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