Die Bewohner feierten den 30. Jahrestag der Hausbesetzungen. Sonnige Stunden zwischen Erinnerung und Zukunft.

Straßenfest
Wenn kein Zettel zur Hand ist, gibt Vom Ritchie, Schlagzeuger der Toten Hosen, eben ein Autogramm auf dem Getränkebecher mit Kiefernstraßenlogo.

Wenn kein Zettel zur Hand ist, gibt Vom Ritchie, Schlagzeuger der Toten Hosen, eben ein Autogramm auf dem Getränkebecher mit Kiefernstraßenlogo.

Die Hüpfburg war eines der Highlights für die kleinen Besucher. Musik und bestes Wetter sorgten für gute Laune auf dem Kiefernstraßenfest.

Arend, Bild 1 von 2

Wenn kein Zettel zur Hand ist, gibt Vom Ritchie, Schlagzeuger der Toten Hosen, eben ein Autogramm auf dem Getränkebecher mit Kiefernstraßenlogo.

Düsseldorf. An den Bäumen hängen bunte Girlanden, auf einem eilig herbeigeschafften Tisch rollen zwei Frauen Teig aus. Einen Stand weiter verkauft Amrei Sell Waffeln aus der geöffneten Tür eines Feuerwehrwagens. „Vor einem halben Jahr habe ich ihn im Internet erstanden. Nach ein paar Reparaturen war er fahrtüchtig und als Waffelstand fürs Kiefernstraßenfest macht er sich doch super“, sagt Sell, die vor einem Jahr in die Straße zog.

Gut 5000 Besucher schlendern durch die bunt bemalte Kiefernstraße bei bestem Spätsommerwetter. An den Trödelständen wird selbst gemachtes Essen verkauft, auf zwei Bühnen spielen unter anderem die Reggae-Band Players Union und Dubstep-Musikerin Penelope.

„Hier in der Straße darf ich überall mit dem Skateboard fahren, in der Stadt kriege ich immer Ärger,“ sagt Louis Zettl (11). Auf dem Kiefernstraßenfest verkauft er alte Comics, Bücher und Brettspiele. Besonders angetan ist er vom Kinderclub in der Straße. „Einmal bin ich sogar mit nach Legoland gefahren“, erinnert er sich.

Der Kinderclub richtet sich an Kinder aus ganz Düsseldorf. „Gerade die Kiefernstraße bietet sich für einen solchen Club an, hier dürfen die Kinder auch ihre ersten Graffiti-Werke verewigen,“ sagt Leiter Klaus Martin Becker. Auf dem Straßenfest können die Besucher T-Shirts mit dem Logo des Kinderclubs bedrucken.

Beim Straßenfest mitzumachen, das ist für viele Ehrensache

Frank Kitzelmann war früher mal Kameramann, auf dem Straßenfest verkauft er ausgediente Stative, alte Zusatzverstärker und analoge Kameras. „Ich lebe hier schon seit einer gefühlten Ewigkeit. Beim Straßenfest mitzumachen ist Ehrensache.“

Der Kinderclub an der Kiefernstraße ist von montags bis freitags von 15-19 Uhr geöffnet. Außerhalb der Öffnungszeiten können die Räume für Gruppentreffen, Workshops und Fortbildungen genutzt werden.

Neben zahlreichen Spielangeboten gibt es auch eine Hausaufgabenbetreuung.

Zu erreichen ist der Club mit der Linie 706, Haltestelle Fichtenstraße. Weitere Informationen gibt es unter Telefon 73 35 977.

Organisiert wird das Straßenfest von den Anwohnern, mittrödeln kann jeder, der Lust hat. Nach ein paar Jahren Pause feiern die Kieferaner aber nicht nur ihr Straßenfest, sondern auch den 30. Jahrestag der Kiefernstraßen-Rettung. 1981 wurden die ersten Häuser besetzt und somit vor dem Abriss bewahrt.

René Bonsink war vor 30 Jahren dabei und erinnert sich gerne daran. Im K4, dem Kulturbüro an der Kiefernstraße, stellt Bonsink anlässlich des Straßenfestes Schwarzweiß-Fotografien aus. Sie zeigen Momentaufnahmen aus der Kiefernstraße in den 80er Jahren. Auf einem Bild sind die brennenden Barrikaden von 1986 zu sehen, als die Besetzer eine Räumung durch die Polizei befürchteten. „Unsere kleine Revolution,“ sagt Bonsink mit nostalgischem Blick.

Kurt Müller besucht das Kiefernstraßenfest zum ersten Mal: „Ich finde es gut, was die Anwohner aus der Straße gemacht haben.“ Sonja Witt ist mit ein paar Freunden gekommen. „Es ist einfach toll, wie locker es hier zugeht. Und so viel Selbstgemachtes findet man auch nicht überall.“

© WhatsBroadcast

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