Weil die Rheinbahn Fahrern Sonderzulagen zahlt, die selten krank waren, fürchten Aufsichtsräte Sicherheitsrisiken im Nahverkehr.

Die Rheinbahn-Kunden müssen sich darauf verlassen können, dass die Fahrer gesund sind.
Die Rheinbahn-Kunden müssen sich darauf verlassen können, dass die Fahrer gesund sind.

Die Rheinbahn-Kunden müssen sich darauf verlassen können, dass die Fahrer gesund sind.

Bernd Nanninga

Die Rheinbahn-Kunden müssen sich darauf verlassen können, dass die Fahrer gesund sind.

Düsseldorf. Die Rheinbahn hat Mitarbeitern, die im vergangenen Jahr nur wenige Tage krank gemeldet waren, eine Prämie gezahlt: Wer maximal fünf Tage nicht zur Arbeit erschien, hat 500 Euro bekommen. Für höchstens zehn Tage krankheitsbedingte Abwesenheit gab es immerhin noch 25 0Euro.

Mitglieder des Rheinbahn-Aufsichtsrats sehen die Prämie kritisch. Wie Manfred Neuenhaus (FDP), der sagt: "Eine Prämie für Gesundheit ist einfach ungerecht." So unterstelle der Rheinbahn-Vorstand den Kranken, dass sie eigentlich noch arbeiten könnten.

Er bringe sie in einen Gewissenskonflikt, der sie dazu treiben könnte, sich trotz 40 Grad Fieber hinters Lenkrad zu quälen - und so nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch die ihrer Fahrgäste für 500 Euro aufs Spiel zu setzen. "Warum muss es überhaupt eine Prämie geben?", fragt er. Einem defizitären, städtischen Unternehmen stehe das doch eher schlecht zu Gesicht.

Die Rheinbahner sind irritiert über die Kritik aus dem Aufsichtsrat

Der Aufsichtsratsvorsitzende Rolf-Jürgen Bräer (SPD) hält dagegen: "Die Prämie wurde rückwirkend gezahlt. Die Beschäftigten konnten sich also auch nicht darauf einstellen. Insofern ist auch kein Bahnfahrer bewusst krank zum Dienst erschienen."

Bei der Rheinbahn ist man irritiert über die Kritik aus dem Aufsichtsrat. Unternehmenssprecher Georg Schumacher betont, dass die Prämie einmalig gewesen sei: "Es gab keine in die Zukunft gerichteten Anreize dieser Art. Von unseren insgesamt 2600 Mitarbeitern profitieren knapp 1200 davon." Ein Prämiensystem sei gängige Praxis in einem Unternehmen. Außerdem sei sie im Rahmen des Tarifvertrags gezahlt worden und der Betriebsrat nicht nur informiert, sondern auch einverstanden gewesen.

Hintergrund der Gesundheitsprämie ist der traditionell hohe Krankenstand bei der Rheinbahn, den zu senken sich das Unternehmen schon seit Jahren bemüht: von 10,2 Prozent im Jahr 2002 ist er auf 7,4 Prozent im vergangenen Jahr gesunken. Unter anderem wurden Gesundheitsvorsorgeangebote eingeführt.

Ob die Rheinbahn im Jahr 2010 wieder eine Prämie ausschüttet und wie diese aussehen könnte, lässt Schumacher offen: "Das hängt vom Ergebnis des Geschäftsjahres 2009 ab. Und um Missbrauch vorzubeugen, kündigen wir im Vorfeld auch nicht an, ob und wofür es Sonderzahlungen gibt."

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