Gil A. Bronner ist Kunstsammler und jüdisch, und er ist ein Förderer der Düsseldorfer Kultur. Die aktuelle Diskussion um die abgesagte Ausstellung über den jüdischen Galeristen Max Stern findet er „katastrophal“.

Interview
Sammler Gil A. Bronner fordert von der Stadt, sich offen zum Thema Restitution zu bekennen.

Sammler Gil A. Bronner fordert von der Stadt, sich offen zum Thema Restitution zu bekennen.

Melanie Zanin

Sammler Gil A. Bronner fordert von der Stadt, sich offen zum Thema Restitution zu bekennen.

Herr Bronner, Sie entstammen einer Sammlerfamilie. Ihre Großmutter war eine Kunstverehrerin, Ihr Vater und auch Sie sind Sammler. Woher kommen Gespür und Verständnis für Kunst?

Gil A. Bronner: Ich weiß gar nicht, wie ausgeprägt mein Kunstverständnis ist. Vielleicht ist es so, dass man am Ende doch den Eltern folgt. Also im besten Sinne ein Opfer seiner Erziehung ist. Das Interesse an einer Sache wächst dann mit dem Wissen. Sobald man sich auf einem Feld gut auskennt, beschäftigt man sich immer häufiger und immer lieber damit. Das klingt vielleicht ein wenig nach Hobby-Psychologie, ich wüsste aber nicht, wie ich meine Kunstleidenschaft anders erklären könnte.

Das Thema Restitution beschäftigt gerade wieder die Düsseldorfer Öffentlichkeit. Gab oder gibt es solche Fälle auch in Ihrem näheren Umfeld?

Bronner: Nein. Ich selbst hatte damit am Rande zu tun, als ich in den 1990er Jahren in Leipzig lebte, wo es nach der Wiedervereinigung sehr viele Restitutionsverfahren gab, die allerdings vor allem Grundstücke und Immobilien betrafen. Dabei ging es nicht nur um die Enteignungen jüdischer Bürger, sondern aller, denen von vorangegangenen Regimen Unrecht angetan wurde.

Ich nehme an, dass Sie Verfahren um Raubkunst besondere Aufmerksamkeit schenken.

Er wurde 1962 in Düsseldorf geboren, studierte BWL und ist als Immobilienentwickler tätig. Bronner sammelt Gegenwartskunst und eröffnete in Flingern ein Ausstellungshaus, er engagiert sich für Museen, Theater, Ballett und Künstler in Deutschland und Israel.

Es widmet sich der Raubkunst und legt zudem fest, welche Kunst Deutschland verlassen darf und welche, da „identitätsstiftend“, nicht. Werke, die älter als 75 Jahre sind und einen gewissen Wert übersteigen, müssen vor Export einzeln geprüft werden.

Bronner: Ich bin Kunstsammler und jüdisch. Natürlich interessiert mich das Thema.

Wie bewerten Sie die aktuelle Diskussion um die abgesagte Ausstellung über den jüdischen Galeristen Max Stern?

Bronner: Wenn das, was ich gelesen habe, stimmt, kommt der Verdacht auf, dass niedere Beweggründe zu der kurzfristigen Absage geführt haben könnten. Dass man also bewusst versucht, Kunstwerke vor der Öffentlichkeit zu verbergen, auf die ein Restitutionsanspruch bestehen könnte. Das fände ich katastrophal. Aber ich kenne die Umstände nicht und kann es deswegen nicht beurteilen. Ich verstehe jedoch überhaupt nicht, warum das Thema nicht offen besprochen wurde. Eine solche Angelegenheit kann und sollte man nicht unter der Decke halten. Ich glaube, Max Stern war ein begnadeter Galerist, und es ist sehr schade, dass wir nun nicht erfahren, wie stark seine Tätigkeit die klassische Moderne beeinflusst hat.

Wie hätte sich die Stadt Ihrer Meinung nach verhalten sollen? Wie sollte sie sich jetzt verhalten?

Bronner: Sie sollte eine lückenlose Kommunikation leisten: Warum wurde die Ausstellung abgesagt? Welche Rolle spielt das Thema Restitution? Hier hilft nur eine gnadenlose Offenlegung.

Überregionale Medien haben ihr Urteil bereits gefällt, eine Zeitung hat die Angelegenheit mit „Beschämend“ überschrieben.

Bronner: Als Düsseldorfer stört mich die Darstellung der Stadt schon seit einer halben Ewigkeit. Wir sind so gut aufgestellt, mit unseren Museen, Oper, Theater und Tanz, haben tolle Leute, aber es gelingt nicht, das nach außen zu vermitteln. Das nervt mich.

Sie engagieren sich stark für die Kultur, haben der Stadt mit Philara gerade ein neues Ausstellungshaus beschert – haben Sie nicht mal daran gedacht, für die Max-Stern-Ausstellung Position zu beziehen und den Oberbürgermeister anzurufen?

Bronner: Sie meinen als Vertreter jüdischer Interessen? Aus der Jüdischen Gemeinde bin ich ausgetreten, als Rabbiner Soussan die Gemeinde 2011 verlassen musste, aufgrund des Drucks, der gegen ihn aufgebaut worden war. Ich hatte mir jedoch vorgenommen, Kulturdezernent Hans-Georg Lohe bei nächster Gelegenheit anzusprechen, den ich als integeren Menschen erlebt habe.

Der Film „Die Frau in Gold“ erzählt von dem Kampf um ein berühmtes Gemälde, das einer jüdischen Familie weggenommen wurde. Sie sagten einmal, der Film habe Sie stark beeindruckt. Warum?

Bronner: Na, ja ich bin kein Verschwörungstheoretiker, jedoch hat mir der Film gezeigt, dass wahr werden kann, womit man im Leben nicht rechnet. Ich habe immer geglaubt, dass Institutionen sich nach Recht und Gewissen verhalten und hätte nie gedacht, dass sie sich derart verbiegen. Dass Museen Raubkunst verteidigen, Autokonzerne bewusst falsche Technik einbauen und Banken sich der Zinsmanipulation schuldig machen. Genauso verhält es sich ja scheinbar mit der Regierung, die mit dem unglücklichen Kulturschutzgesetz einen Versuch unternimmt, preiswert an Kunstgegenstände zu kommen.

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