hilippe Fricke lernt in einer Düsseldorfer Werft und am Berufskolleg, wie man Boote baut – ein Beruf mit viel Abwechslung.

Der Bootsbauer-Azubi Philippe Fricke hilft auf der boot beim Nachbau des Wikinger-Schiffes mit.
Der Bootsbauer-Azubi Philippe Fricke hilft auf der boot beim Nachbau des Wikinger-Schiffes mit.

Der Bootsbauer-Azubi Philippe Fricke hilft auf der boot beim Nachbau des Wikinger-Schiffes mit.

Stefan Arend

Der Bootsbauer-Azubi Philippe Fricke hilft auf der boot beim Nachbau des Wikinger-Schiffes mit.

Düsseldorf. Philippe Fricke steht an der Werkbank. Er beugt sich über den hölzernen Ruderriemen-Rohling, schaut den glatt gehobelten Holm entlang, um eventuelle Unebenheiten zu entdecken. Die beseitigt er durch ein paar schnelle Bewegungen mit dem Schmiergelpapier. Der 23-Jährige ist im dritten Lehrjahr seiner Ausbildung zum Bootsbauer. Sein Handwerk lernt er in der Düsseldorfer Bootswerft Schmidt. Dahin pendelt er täglich von Radevormwald im Bergischen Land, wenn er keine Schule im Duisburger Schiffer-Berufskolleg Rhein hat.

Auf der boot bauen die Berufschüler am Stand A6 in der Halle15 zurzeit Wikingerschiffe nach alten Vorlagen, aber aus modernen Materialien - alles für einen guten Zweck: Im Sommer sollen Jugendliche, die in Konflikt mit dem Gesetz und der Gesellschaft geraten sind, mit dem Euro-Viking-Projekt auf betreute Touren gehen.

Beim Bootsbau gibt es weniger starre Regeln als in anderen Gewerken

"Der Bootsbau ist sehr abwechslungsreich. Wir haben viele Möglichkeiten und arbeiten sowohl mit Holz als auch mit Stahl und Kunststoff. Wir betreuen das ganze Projekt", sagt Fricke. Man könne ein Segelboot bauen oder auch nur ein Kanu. Und es gebe im Vergleich zu anderen Gewerken wenige starre Regeln: "Hauptsache, es schwimmt."

Deutlich mehr als nur schwimmen muss das Boot, an dem er seit Beginn seiner Ausbildung mitarbeitet. Der so genannte "Backdecker", ein achteinhalb Meter langes Motorboot mit Stahlrumpf und einem hohen, geschlossenen Vorschiff, soll bald fertig werden. Nebenher restauriert Philippe Fricke sein viersitziges Kunststoff-Autoboot, das er sich für kleines Geld als Hobby zugelegt hat.

Über den Wassersport ist er überhaupt erst zum Bootsbau gekommen - beim Kanufahren und bei den Bootstouren in Schweden, die seine Familie mit ihm unternommen hat. Dass er etwas Handwerkliches machen möchte, etwas, was mit Wassersport zu tun hat, wusste er. Doch für seine Ausbildung entschied er sich erst, nachdem er auf der boot war. "Danach bin ich direkt zur Werft gegangen und habe mich um ein Praktikum beworben, es absolviert und so den Ausbildungsplatz bekommen", sagt er.

Eine positive Halbzeitbilanz ziehen die boot-Macher: Bis gestern kamen 128 700 Besucher, das sind drei Prozent mehr als 2009. Nach ersten Umfragen sind die Aussteller sowohl mit der Anzahl der Kunden als auch mit deren Qualität zufrieden: "Wir haben gute Tage hinter uns mit vielen Gespräche und Verkäufen schon am Samstag", sagte Jürgen Tracht vom Bundesverband der Wassersportwirtschaft. "Fest steht: Es tut sich was, die Zuversicht kehrt in die Branche zurück."

Die Trachtenjacke, die vor anderthalb Jahren noch am Bauch spannte, schlabbert mittlerweile. Vielleicht lag es daran, dass es Reiner Calmund erst im fünften Anlauf schaffte, die Sektflasche am Rumpf der "Solarwave" zu zerschmettern. "Oder ist die aus Panzerglas?", argwöhnte Calli. Der Ex-Fußballmanager hat die Patenschaft für die Solarwave übernommen. Der Hochsee-Katamaran wird lediglich von Solar- und Windkraft angetrieben.

Der Mann macht immer noch "bella figura": Henry Maske, ehemaliger Box-Weltmeister im Halbschwergewicht, schaute gestern auf der boot vorbei. Gemeinsam mit den Olympiasiegerinnen Ulrike Nasse-Meyfahrt und Heide Rosendahl-Decker warb er für die Sportstiftung des Landes NRW.

Klaus Paulus vom Schiffer-Berufskolleg Rhein erklärt: "Das ist ein typischer Weg. Viele unserer zurzeit 60 Schüler haben sich auf der Messe über den Beruf informiert." Wer eine der wenigen Lehrstellen ergattert, hat gute Chancen, übernommen zu werden. Viele junge Bootsbauer gehen aber auch ins Ausland. Wichtige Arbeitsorte sind zum Beispiel asiatische Häfen, in denen die Boote der wohlhabenden Eigner liegen, die dort repariert werden. "Deutsche Bootsbauer sind weltweit gefragt", sagt Paulus.

Auch der 23-jährige Fricke spielt mit dem Gedanken, auf Reisen zu gehen. Er sagt: "Wenn ich mit der Ausbildung fertig bin, möchte ich auch die Welt kennenlernen." Bis dahin kümmert er sich aber wieder um die Riemen, damit die Jugendlichen im Sommer auf Tour gehen können.

 

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