Eunice Maria Sousa da Costa und ihre Kinder haben ihr Weihnachtsgeschenk bereits vor Wochen erhalten. Die Familie aus Angola darf in Düsseldorf bleiben.

Düsseldorf. Der Wunschzettel von Familie Sousa da Costa ist kurz. Es stehen keine Spielsachen, Schmuckstücke oder Parfüms auf der Liste an den Weihnachtsmann. Jessica (5), Joel (2) und ihre Mutter Eunice Maria (32) haben nur einen einzigen Wunsch: in Deutschland bleiben zu dürfen.

Die Asylbewerberfamilie aus Angola wartet seit zwei Jahren auf eine Aufenthaltsgenehmigung. Seit ein paar Wochen ist die Zeit des Hoffens und Bangens vorbei. Ihr Weihnachtswunsch ist in Erfüllung gegangen: Sie haben eine neue Heimat.

Im Juli 2007 landet Eunice Maria Sousa da Costa am Düsseldorfer Flughafen. Gepäck hat sie keines. Im Arm hält sie nur ihre beiden Kinder. Wo genau sie gelandet ist, weiß sie nicht. Vermutlich setzte sie eine Schlepperorganisation in das nächstbeste Flugzeug.

Darüber sprechen möchte Sousa da Costa nicht. Der Grund für die Flucht aus Angola war die Geburt ihres Sohnes. Joel kam mit einem schweren Herzfehler auf die Welt. In Afrika hätte er nicht überlebt.

Da steht sie nun in der Ankunftshalle einer Stadt, deren Namen sie nicht kennt, und in einem Land, dessen Sprache sie nicht beherrscht. Verloren und allein fühlt sie sich. Und ihr ist kalt, trotz sommerlicher Temperaturen. Sie nimmt allen Mut zusammen und spricht Reisende im Flughafen an. Mit Händen und Füßen klappt die Verständigung. Ein Düsseldorfer fährt sie schließlich zu einem der Flüchtlingsschiffe.

Wenn Sousa da Costa von ihrem ersten Tag in Deutschland erzählt, zittert ihre Stimme. Sie war damals hin und her gerissen zwischen Erleichterung und Angst, zwischen Afrika und Deutschland. So ähnlich fühlt sie sich auch heute noch.

Immer wieder packt sie das Heimweh, vor allem in der Weihnachtszeit. "Ich vermisse meine Familie und den afrikanischen Weihnachtskuchen", sagt sie. Den Kuchen, der mit unserem Christstollen vergleichbar ist, würde Sousa da Costa gerne für ihre Kinder backen, doch sie kennt die Zutaten nicht genau. Das Rezept musste sie genauso wie Fotos, Kleidung und Möbel zurücklassen.

Eine Weihnachtstradition kann sie aber problemlos in Deutschland weiterführen - Weihnachten ohne Tannenbaum ist in beiden Ländern undenkbar. Denn auch wenn nicht alle Angolaner Christen sind, schmücken die Familien ihren Baum mit Kugeln und bunten, selbst gebastelten Sternen.

Nur werden die Geschenke bei fast 30 Grad ausgepackt. Schnee war für Sousa da Costa ein vollkommen neues Erlebnis. "Ich dachte immer, der fühlt sich an wie Watte." Kalt und nass, so hat sie sich die weißen Flocken nicht vorgestellt.

Im Heim für Asylbewerber wird gemeinsam Weihnachten gefeiert

Weiße Weihnacht wünscht sie sich nicht. Sie versteht gar nicht, warum die Deutschen das so toll finden. "Ist doch viel zu kalt." Und noch etwas versteht sie nicht: Warum jede Familie für sich Weihnachten feiert. "In Angola kommen alle Nachbarn am 24. Dezember zusammen. Jeder bringt etwas zu essen mit, wir tanzen und lachen die ganze Nacht."

Ein bisschen afrikanisches Weihnachtsfeeling lebt aber auch in Deutschland auf. Sie feiert gemeinsam mit ihren Nachbarn aus dem Asylbewerberheim. Unter einer deutschen Nordmanntanne, aber ohne Bescherung. Die hatte Eunice Maria Sousa da Costa bereits. Ihr wurden eine neue Heimat und das Leben ihres Sohnes geschenkt. Joel ist nach mehreren Herzoperationen heute wieder vollkommen gesund.

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