Interview: Jürgen Hilger-Höltgen zieht seine persönliche Sessions-Bilanz und erinnert an die Ursprünge des Karnevals.

Jürgen Hilger-Höltgen als „Dat Fimmännchen“ bei der diesjährigen Fernsehsitzung.
Jürgen Hilger-Höltgen als „Dat Fimmännchen“ bei der diesjährigen Fernsehsitzung.

Jürgen Hilger-Höltgen als „Dat Fimmännchen“ bei der diesjährigen Fernsehsitzung.

Bernd Schaller

Jürgen Hilger-Höltgen als „Dat Fimmännchen“ bei der diesjährigen Fernsehsitzung.

Düsseldorf. Herr Hilger-Höltgen, wie fällt Ihre Sessions-Bilanz aus?

Hilger-Höltgen: Für mich ist die Session super gelaufen. Ich hatte etwa 20 Auftritte und bin überall gut angekommen. Es hätten ein paar Auftritte mehr sein können, aber ich nehme viele Angebote nicht mehr an.

Warum?

Hilger-Höltgen: Weil man in vielen Sälen nach 22 Uhr mit einer Büttenrede nicht mehr auftreten kann. Wenn ich als Fimmännchen in der Bütt stehe, dann erfordert das Zuhören und Mitdenken. Das funktioniert am besten in einem Saal mit 300 bis 400 Personen. Wenn 1000 Leute im Saal sind, ist das kaum noch möglich.

Woran liegt das? Am Zeitgeist und dem Ballermann-Niveau?

Hilger-Höltgen: Das spielt eine Rolle. Aber es sind auch die Präsidenten, die vor 22 Uhr ein oder zwei Redner ins Programm nehmen und danach sollen die Leute abfeiern. So erzieht man sich sein Publikum. Da geht aber etwas verloren. Nämlich das Bewusstsein, dass Karneval ein Stück rheinischer Kultur ist.

Was heißt das?

Hilger-Höltgen: Wir müssen uns an die Ursprünge des Karnevals erinnern. Es ging darum, der Obrigkeit den Spiegel vorzuhalten und Missstände anzuprangern. Wenn das nur in kleineren Sälen funktioniert, muss der Karneval sich eben gesundschrumpfen.

Feiern gehört aber dazu?

Jürgen Hilger-Höltgen ist 51 Jahre alt, verheiratet und wohnt in Ratingen. Hauptberuflich ist er stellvertretender Leiter der Wilhelm-Ferdinand-Schüßler-Hauptschule, Rather Kreuzweg.

Seinen ersten Auftritt hatte er vor 39 Jahren als Hippie in der Werstener Pfarre St.Maria Rosenkranz. Elf Jahre war Hilger-Höltgen Hoppeditz, seit 1997 ist er bei allen Fernsehsitzungen dabei, seit drei Jahren als Fimmännchen. Zudem hat er bereits zwölf Mal den Rosenmontagszug moderiert. Außerdem ist er ein erfolgreicher Komponist. Er hat sowohl das Lied des Prinzenpaares als auch das Mottolied "Jeck - we can" für Michael Hermes geschrieben.

Hilger-Höltgen: Natürlich. Auch der Alkohol. Schon vor 550 Jahren wollte der Stadtrat in Ratingen den Karneval wegen seiner Auswüchse verbieten. Aber schon damals wurde an der Alkohol-Steuer verdient. Darum ist es nicht dazu gekommen.

Warum gibt es kaum noch politische Büttenredner?

Hilger-Höltgen: Es ist nicht so einfach, eine Büttenrede zu schreiben, gerade in Reimform. Man muss die Sprache lieben und mit ihr spielen. Außerdem muss man die Rede auch noch vortragen können. Das braucht seine Zeit, für mich war das in diesem Jahr die 39. Session. Da habe ich natürlich viel Erfahrung. Man muss auch klein anfangen können. Meine erste Gage waren drei Biermarken, Kartoffelsalat und Würstchen, dazu gab’s 20 Mark. Talent und Durchhaltevermögen gehören wohl auch dazu. Das alles kommt eben nicht so oft zusammen.

Kann man junge Menschen mit einer Büttenrede noch erreichen?

Hilger-Höltgen: Ich glaube ja, man muss nur bei der Themenwahl aufmerksam sein. Die Reise nach Mallorca beispielsweise funktioniert bei den meisten Jugendlichen nicht mehr. Ich kenne keinen Redner, der sich bislang mit Abchillen in der Disco beschäftigt hat. Oder mit den merkwürdigen Begegnungen, wenn man jemanden über das Internet kennengelernt hat. Meine Tochter könnte darüber ganze Bücher schreiben. Aber das ist eben nicht meine Welt und damit wäre das nicht authentisch.

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