Der frühere Polizeipräsident Michael Dybowski über Gewalt, Altstadt, Fortuna – und die Notwendigkeit, in der Stadt zu kooperieren.

Michael Dybowski: „Gemeinsame Strategie muss her.“
Michael Dybowski: „Gemeinsame Strategie muss her.“

Michael Dybowski: „Gemeinsame Strategie muss her.“

Stefan Arend

Michael Dybowski: „Gemeinsame Strategie muss her.“

Herr Dybowski, wie verfolgen Sie die Debatte um die Gewalt in der Altstadt?

Michael Dybowski: Für mich ist das nichts Neues. Ich lebe seit 1971 in Düsseldorf, die Altstadt war seither immer problematisch.

Sie haben einmal gesagt, Sie wollten nach Mitternacht nicht in der Altstadt sein.

Dybowski: Für diesen Satz bin ich sehr gescholten worden. Aber ich persönlich versuche, vor Mitternacht da raus zu sein. Denn dann ändert sich das Publikum in die reinen "Spaßmacher" - und dieser Spaß ist nicht meiner.

Hat es also tatsächlich gar keine Entwicklung gegeben?

Dybowski: Gewaltexzesse gab es immer - verändert haben sich Häufigkeit und Qualität. Es hat ja mittlerweile auch Jeder immer eine Flasche in der Hand ...

... die mitunter auf Polizisten geworfen wird. Auch nicht neu?

Dybowski: Auch das hat es punktuell immer gegeben. Aber inzwischen ist es ein Massenphänomen, dass sich etwa unter Fußballfans große Gruppen formieren, um sich gegen die Polizei zu richten. Warum auch immer. Die Ursachenforschung ist meiner Ansicht aber nicht so wichtig.

Sondern?

2000 übernahm Michael Dybowski die Führung der Düsseldorfer Polizei, nachdem er elf Jahre in Essen Polizeipräsident gewesen war. Im März 2006 schied Dybowski mit 65 Jahre aus und übergab sein Amt an Herbert Schenkelberg.

Dybowski führte die Einsatztrupps Jugend und Prios ein sowie das eigene Einbruchskommissariat. Wie schwer es ist, in Düsseldorf Konsens herzustellen, weiß er: Immer wieder gab es Vorwürfe gegen ihn vom damaligen OB Joachim Erwin.

Dybowski: Es geht darum, dieses Phänomen zu verändern. Gerade den Politikern sollten diese Erscheinungen zu denken geben. Aber ich sehe da wenig Konzepte.

Viele vertreten die Ansicht, es sei allein Aufgabe der Polizei, für Ruhe und Ordnung zu sorgen.

Dybowski: Die Frage ist doch aber: Warum müssen Fußballfans einen Aufstieg derart aggressiv feiern. Es gibt einen Trend zur Individualisierung, der sich bei etlichen leider mit egoistischer Rücksichtslosigkeit paart. Und der Bürger soll dafür zahlen - schließlich zahlt er mit seinen Steuern für die Polizeieinsätze.

Also ist die Politik dem Bürger und Steuerzahler gegenüber verpflichtet ist, diesen Trend zur Aggressivität zu bekämpfen?

Dybowski: Zumindest sollten die Nutznießer des großen Fußballgeschäfts auch für die Sicherheit zahlen. Alle Flugreisenden zahlen mit ihrem Ticket für die Sicherheitsmaßnahmen. Warum nicht auch Fans? Vielleicht wird das Bewusstsein für den Wert der Sicherheit dann auch größer.

Stört Sie die aktuelle politische Debatte um Polizeitaktik?

Dybowski: Wenn es Einsatzfehler gab, dürfen sie nicht unter den Teppich gekehrt werden. Aber Politiker müssen auch bedenken, dass sie Einsatzleiter verunsichern. Diese gehen beim nächsten Mal auf Nummer sicher und fordern von vorne herein mehr Kräfte an. Auch aus anderen Städten. Das führt zum Kollaps.

Wie sollte sich die Politik anders einbringen?

Dybowski: Das Problem ist viel zu komplex, um die Polizei allein handwerkeln zu lassen. Herbert Schenkelberg hat den Anstoß gewagt, in Netzwerken zu denken. Netzwerke sind immer stärker. Man darf Vorschläge nicht mit Totschlagargumenten abwürgen.

Wie etwa in der Debatte um ein Alkoholverbot?

Dybowski: Wenn Alkohol bei vielen jungen Menschen ein Problem ist, muss das zumindest sorgfältig überlegt werden. Und man muss mal etwas ausprobieren. Andere Städte tun das auch.

Wie kann der Prozess im Netzwerk jetzt in Schwung kommen?

Dybowski: Es bringt nichts, sich gegenseitig die jeweilige Zuständigkeit vorzuhalten. Eine gemeinsame Strategie muss her. Da darf es keine Schaufensterdiskussionen geben - unabhängig von Wahlkämpfen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer