Interview: Horst H. Schulze, Gründer der Capella-Hotels, über den Breidenbacher Hof, zufriedene Gäste und die Sieben-Tage-Stadt.

Horst Schulze (CEO West Pace Hotels) und Hotel-Direktor
Cyrus Heydarian. (Archivfoto)
Horst Schulze (CEO West Pace Hotels) und Hotel-Direktor Cyrus Heydarian. (Archivfoto)

Horst Schulze (CEO West Pace Hotels) und Hotel-Direktor Cyrus Heydarian. (Archivfoto)

Horst Schulze (CEO West Pace Hotels) und Hotel-Direktor Cyrus Heydarian. (Archivfoto)

Herr Schulze, Sie waren im Herbst das letzte Mal im Breidenbacher Hof. Fühlt sich Ihr aktueller Besuch an wie nach Hause kommen?

Horst H. Schulze: Es ist schon ein bisschen wie nach Hause kommen, der Breidenbacher ist kein Hotel wie jedes andere. Ich liebe das Leben im Hotel, die Menschen, die Gäste und würde am liebsten jedes unserer Häuser selbst führen. Aber ich bin nie hundert Prozent entspannt. Ich achte zu sehr auf Kleinigkeiten und sehe auch Fehler, die andere Gäste vielleicht nicht bemerken. Ich werde beispielsweise nervös, wenn das Essen nicht schnell genug kommt. Das ist der Grund, warum meine Frau mit mir niemals in unsere Hotels geht. Manchmal stehe ich während eines Essens auf und gehe in die Küche. Aber: Wenn ich in den Breidenbacher komme, fühle ich mich gut.

Geht es Ihren Gästen auch so?

Schulze: Ich bin ehrlich davon beeindruckt, was unsere Gäste über den Breidenbacher geschrieben haben. Wir befragen sie regelmäßig alle vier Wochen. Die wichtigste Frage von allen lautet dabei für mich: Würden Sie wiederkommen und würden Sie das Hotel weiterempfehlen? Wir haben dabei natürlich Minimalwerte im Hinterkopf, die wir erreichen wollen. Und zwar langfristig, nicht nur für einen Monat. Die Werte sind gut, aber leider noch nicht da, wo wir hinwollen.

Wie hoch sollte die Zufriedenheit sein, damit Sie zufrieden sind?

Schulze: In einem unserer Hotels liegen wir bei 97 Prozent, das ist fast nicht mehr zu toppen. In Düsseldorf sind wir auf dem richtigen Weg, aber noch fehlt einiges bis zu den 97 Prozent. Derzeit liegen wir bei 80 Prozent, das ist schon sehr viel für ein reines Stadthotel, aber wir wollen uns noch deutlich steigern.

Sie sind auf dem Weg nach Asien. Was erzählen Sie dort über Düsseldorf und den neuen Hof?

Schulze: In Japan ist es ganz einfach, die Stadt ist bekannt und unser Hotel bei den Reisenden ebenso. In anderen Ländern ist es etwas schwieriger. Ich beschreibe Düsseldorf dort als Sieben-Tage-Stadt, davon gibt es in der Welt nicht sehr viele. Die meisten sind im Kern, in ihrem Zentrum, Vier-Tage-Städte. Montag bis Donnerstag sind belebt, dann lässt es rapide nach. Dort hätten wir nie ein Hotel wie den Breidenbacher eröffnet. Düsseldorf als Stadt ist elegant und relaxt zur gleichen Zeit, das Gefühl will ich auch im Hotel erleben. Aber ganz wichtig: Eleganz ohne Wärme ist Arroganz.

Ihre Gäste sind zufrieden mit Ihnen, sind Sie auch zufrieden mit den Gästen, sprich mit Auslastung und Erlösen?

Horst H. Schulze ist 70 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Töchter. Geboren ist er in einem Dörfchen bei Koblenz, er lebt in Atlanta/USA und ist an 200Tagen im Jahr in der Welt unterwegs.

Im vorigen Jahr lag die Auslastung des Hofs nach Angaben von Direktor Cyrus Heydarian bei 60 Prozent, 2008 bei 58 Prozent. Für dieses Jahr peilt er eine Auslastung "von Ende der 60 Prozent" an.

Künftig soll der Hof einen eigenen Zugang zu einer gerade in der Entstehung befindlichen Schönheitsklinik mit Sitz an der Kö erhalten.

Schulze: Ja und nein. Ich bin zufrieden, weil jeder Experte mit unserer Auslastung - im ersten Jahr um die 60 Prozent - sehr zufrieden wäre. Mir persönlich wäre aber eine Auslastung von 80 Prozent natürlich noch lieber. Wenn mir Cyrus Heydarian (der Direktor der Hotels, Anm. d. Red.) die 80 Prozent präsentierte, würde ich wahrscheinlich sagen: Herzlichen Glückwunsch, warum keine 85 Prozent? So bin ich eben. Man muss immer versuchen, besser zu werden.

Unser Eindruck ist, dass sich viele Düsseldorfer noch etwas schwer tun mit dem Hotel?

Schulze: Wir wollen ein Hotel auch für die Düsseldorfer sein. Ich höre immer wieder, dass mir Menschen sagen, sie würden den alten Breidenbacher Hof vermissen. Auf Nachfrage stellt sich dann aber heraus, dass sie das Hotel häufig gar nicht kannten, sondern das Restaurant (Breidenbacher Eck, Anm. d. Red.) meinten. Unser Anspruch ist trotz vorhandener Schwellenangst, für alle Düsseldorfer ein guter Nachbar zu sein und allen etwas bieten. Sei es ein Kaffee in der Lobby, ein Mittagessen im Restaurant oder ein Drink an der Bar. Wir haben ein breites Kulturangebot - und das ist in erster Linie nicht für Hotelgäste gedacht. Der Ruf des Hotels kommt durch die Stadt und nicht durch den Anwalt aus Flensburg, der einmal bei uns übernachtet.

Haben Sie sich mit den Baustellen rund um Ihr Hotel arrangiert?

Schulze: Mittlerweile ist es besser geworden, aber in der Anfangsphase war es ein gewaltiges Problem für uns - wir hatten ja noch nicht mal einen Eingang. Ich habe das selbst bei Übernachtungen miterlebt, gehört und vor allem gefühlt, wenn die Bagger gearbeitet haben. Aber wir freuen uns, wenn die ganze Sache erledigt ist.

Hat Ihnen die Banken- und Wirtschaftskrise schlaflose Nächte bereitet?

Schulze: Allerdings. Wir hatten im vorigen Jahr zehn Hotels in der Bauphase, bei denen es plötzlich nicht mehr weiterging, weil den Investoren das Geld ausgegangen ist. Das war eine Katastrophe. Die Krise kann aber kein Argument sein, dass Zimmer leer stehen, das akzeptiere ich nicht. Zumindest nicht, so lange Gäste in anderen Hotels absteigen.

Die Fluktuation in der Hotellerie ist hoch, auch bei Ihnen?

Schulze: Wir fragen nicht nur die Gästen nach Ihrer Zufriedenheit, sondern auch unsere Mitarbeiter. Die Werte sind auch dabei gut. Es gibt eine Fluktuation, aber sie ist nicht besorgniserregend. Unzufriedene Mitarbeiter kosten uns richtig Geld, das wissen wir aus Untersuchungen. Und zwar mit jedem Prozent, den die Zufriedenheit sinkt.

Ist Ihr Hotel die Nummer eins in der Stadt?

Schulze: Ich werde mich hüten, über unsere Mitbewerber zu reden. Ich habe die Kette aber nicht gegründet, um die Nummer zwei zu sein. Ich arbeite nicht, um zu arbeiten, sondern um Exzellenz zu schaffen. Ich will die Gold- und nicht die Silbermedaille.

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