Interview: Werbung nur mit Tradition: Das reicht der Altstadt nicht. Die Anlieger wollen bei einer Konferenz Probleme klären.

Für die Vielfalt der Altstadt: Uerige-Baas Michael Schnitzler (l.) und Anlieger-Chef Dirk Schaper.
Für die Vielfalt der Altstadt: Uerige-Baas Michael Schnitzler (l.) und Anlieger-Chef Dirk Schaper.

Für die Vielfalt der Altstadt: Uerige-Baas Michael Schnitzler (l.) und Anlieger-Chef Dirk Schaper.

BN

Für die Vielfalt der Altstadt: Uerige-Baas Michael Schnitzler (l.) und Anlieger-Chef Dirk Schaper.

Düsseldorf. Die städtische Marketinggesellschaft DMT hat eine Internetumfrage zur Altstadt gestartet. Wie die WZ berichtete, will sie verstärkt mit Tradition werben - der Hausbraukunst und den Radschlägern. Wir sprachen darüber mit Dirk Schaper, Chef der Altstadtgemeinschaft, und Uerige-Baas Michael Schnitzler.

Herr Schnitzler, Werbung mit der Hausbraukunst: Da lacht doch Ihr Herz, oder?

Schnitzler: Erst mal ist die Umfrage positiv für die Altstadt, das ist wohltuend. Ich frage mich allerdings, ob die Marketingstrategie weit genug reicht. Brauer und Radschläger, das ist schön und gut, aber ein Matthias Münstermann mit seinem Kontor wird sich in diesem Fokus wohl kaum wiederfinden. Die Altstadt ist doch viel mehr: Carlsplatz, die italienische Gastro-Meile an der Wallstraße, Fachhandel von Foto Söhn bis zu Schneidwaren Börgermann. In zwei bis drei Stunden können Sie in der Altstadt viel erledigen und haben noch gut gegessen.

Schaper: Das Viertel hat in den letzten Jahren ganz unstreitig seine Angebote und Qualität verbessert. Da redet nur kaum jemand drüber. Ich bin es leid, wie die Bolkerstraße dargestellt wird. Als gebe es dort nur Ärger.

In den Nächten am Wochenende ist das leider so. Besteht nicht die Gefahr, dass die vielen Junggesellenabschiede die Werbekampagne widerlegen?

Schnitzler: Auch an einem Samstag muss sich der Düsseldorfer in seiner Altstadt wohlfühlen können. Der auswärtige Gast bekommt davon zwar kaum etwas mit, aber ich denke, an den Ärger sollten wir uns nicht gewöhnen. Bei den Wirten gibt es jedoch unterschiedliche Ansichten zur Frage, wie man mit gewissem Publikum umgeht.

Haben die Wirte daran nicht eine Mitschuld, gerade an der Bolkerstraße? Man muss doch nicht jeden bis Ultimo mit Alkohol versorgen.

Schaper: Es wird an der Bolkerstraße in Kürze eine Anliegerkonferenz geben, da wird Klartext geredet. Die Altstadtgemeinschaft will diesen Dialog fördern, denn die Bolkerstraße hat eine Vielfalt, die in der öffentlichen Wahrnehmung zu kurz kommt - vom Heine-Haus bis zur Kirche.

Die Umfrage hat gezeigt, dass kein Auswärtiger eine Altstadt-Sehenswürdigkeit kennt. Gibt es so etwas nicht?

Schnitzler: Ein berühmtes Bauwerk fällt den meisten zumindest offenbar nicht ein.

Schaper: Die Altstadt wird eher als Erlebnisraum wahrgenommen. Auch mit mediterranem Flair, wenn man an die Rheinuferpromenade im Sommer denkt.

Lässt sich daraus nicht ein neuer Slogan machen?

Schaper: Das Mittelmeer am Rhein - warum nicht? Ich verbinde damit jedenfalls ein positives Lebensgefühl.

Schnitzler: "Die längste Theke der Welt" funktioniert immer noch. Das Signet kennen die Touristen. Wenn wir "die längste" durch "die beste" ersetzten, hätten wir uns ein schönes Ziel vorgenommen.

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