Ex-Rektor Markus Lüpertz feiert Geburtstag – und zieht selbstkritisch als Professor Bilanz.

Kunstakademie
Markus Lüpertz schmückt sich mit Ring, Armbändern und silbernem Gehstock. Fotos (5): dpa

Markus Lüpertz schmückt sich mit Ring, Armbändern und silbernem Gehstock. Fotos (5): dpa

Ein Frühwerk „Baumstamm dythyrambisch“

Ein Frühwerk „Baumstamm dythyrambisch“

Markus Lüpertz als Boxer und als Klavierspieler bei der Jazz Rally.

Totenschädel, als Gemälde und als Skulptur.

Der Herkules für Gelsenkirchen bei seinem Aufbau.

Lüpertz’ Aphrodite ist bis heute umstritten.

Roland Weihrauch, Bild 1 von 7

Markus Lüpertz schmückt sich mit Ring, Armbändern und silbernem Gehstock. Fotos (5): dpa

Düsseldorf. Markus Lüpertz, der 38 Jahre lang Malereiprofessor und 21 Jahre Rektor der Kunstakademie war, sieht sich gern als Genie. Ihm zuliebe entstand die Akademiegalerie. Ihm zu Ehren gab es einen Tempel zur Quadriennale mitten im Ehrenhof. Ihn wählte man für das Rathausbild des verstorbenen Oberbürgermeisters Joachim Erwin. Er schuf die größte Skulptur des Ruhrgebiets und malt derzeit an einem 24 Quadratmeter großen Gemälde für eine Ausstellung in Den Haag. Ein Mann des Ruhmes also und der Ehren. Aber nun, da im Alter die Weisheit kommt – was macht dieser Mann kurz vor seinem 70. Geburtstag? Er hält eine kritische Rückschau, die in dem Satz gipfelt:

„Ich bin als Professor und als Rektor gescheitert.“

Markus Lüpertz, Ex-Rektor

Gescheitert also. Grund für diese Feststellung sind die künstlerischen Ergebnisse der jüngeren Generation: „Wir Professoren in Düsseldorf, aber auch an anderen Akademien, haben es versäumt, Richtlinien aufzustellen. Die Jugend sollte sich frei entwickeln. Das kann aber nicht für die Ausbildung gelten.“

Kunst der jungen Generation ist nur noch „Bastelkram“

Die pensionierte Magnifizenz bezeichnet die Kreationen des Kunstnachwuchses als „Bastelkram“, als „Witz“, als krankhafte Suche nach Originalität. Es gebe keine schöne Aktzeichnung und kein gut gemaltes Bild mehr. Er habe einen „gigantischen Fehler“ als Pädagoge begangen, indem er nie über die freiwillige Leistung der Schüler nachgedacht habe. Nun sagt er: „Demokratie verwirrt den Antrieb. Die jungen Leute brauchen Druck. Wir hätten das Leistungsprinzip aufstellen müssen.“ Ein Musiker könne keine Musik ohne Noten machen. Kunststudenten aber seien ahnungslos. „Wir hätten den Besuch von Ausstellungen und Vorlesungen zur Pflicht machen müssen.“

„Wir haben uns zu sehr auf die steigende Intelligenz unserer Demokratie verlassen und haben geglaubt, die Menschen würden intelligenter.“

Markus Lüpertz, Ex-Professor

Für Lüpertz steht fest: Das Bildungsniveau ist gesunken. Man liebe nur noch das Disco-Niveau. Neue Töne eines Mannes, der sonst für jede Unterhaltung zu haben war, der geboxt und bei der Jazz Rally in die Tasten gegriffen hat. Ein Künstler mit schauspielerischem Talent, großer Sprachbegabung und dem Hang zur exzentrischen Kleidung.

Im Augenblick sitzt er über zwei Dingen. Das eine ist ein Buch über den „Tod des Malers oder das Beweisen der Sterblichkeit“. Das andere ist eine Skulptur über Hölderlin. „Hölderlin ist mein Alter Ego.“ Er bewundere seine Genialität. Ihn begeistere der Künstler im Turm, dessen Literatur völlig „unbegreiflich“ sei. Seine Literatur müsse man Wort für Wort genießen. Diese „Dichte der Poesie“ erschließe sich nur dem, der sie empfindet. Insgeheim wünscht er sich solche Betrachter auch für seine Kunst.

Der Maler und Bildhauer wurde am 25. April 1941 in Reichenberg geboren, begann als Malerlehrling, studierte an der Krefelder Werkkunstschule, ging in die Berliner Bohème, wurde 1974 Professor in Karlsruhe, 1986 in Düsseldorf. 1988 bis 2009 war er Rektor. Er wohnt im Ratinger Tor und bei Berlin.
 

Am Ostermontag feiert Markus Lüpertz seinen 70. Geburtstag.

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