Gut Mydlinghoven ist insolvent. Die Anzahlung für ihre Feiern werden die Paare wohl nie wieder sehen.

Hochzeiten
Ernste Gesichter bei der ganzen Familie (v.l.): Yannik (10), Angelina (12), Mutter Pamela Weiand, Cilia (14), Leonie (3) und Vater Daniel Ewert.

Ernste Gesichter bei der ganzen Familie (v.l.): Yannik (10), Angelina (12), Mutter Pamela Weiand, Cilia (14), Leonie (3) und Vater Daniel Ewert.

Am Montag war das Gut Mydlinghoven vollkommen verwaist. Vom Betreiber des Hotels keine Spur.

Dirk Thomé, Bild 1 von 2

Ernste Gesichter bei der ganzen Familie (v.l.): Yannik (10), Angelina (12), Mutter Pamela Weiand, Cilia (14), Leonie (3) und Vater Daniel Ewert.

Düsseldorf. Eigentlich sollten Hochzeitsvorbereitungen Spaß machen. Bei Pamela Weiand und Daniel Ewert (35) ist aus dem Spaß am Freitag ein Alptraum geworden. Per E-Mail hat ihnen am Nachmittag Helmut Schröder, Geschäftsführer der Schröder und Wader Catering GmbH und Betreiber des Gut Mydlinghoven, mitgeteilt, dass er ihre Hochzeit am 28. Juni nicht ausrichten kann. Der Grund: Schröder hat zum 28. Dezember Insolvenz angemeldet.

„Die Absage war für uns ein Schock“, sagt Weiand. Die Einladungskarten liegen schon gedruckt mit Datum und Veranstaltungsort bei ihnen zu Hause. Sie sollten in den nächsten Tagen mit der Post rausgehen. Fotograf, Hochzeitsredner und Musik sind ebenfalls schon gebucht. „Es ist ja auch gar nicht so einfach, da jetzt einen anderen Ort zu finden. Für eine Hochzeit ist das jetzt schon sehr kurzfristig. Wir haben den Raum schon im Juni 2013 gebucht“, sagt Weiand.

Der Geschäftsführer reagiert nicht auf Anrufe oder Mails

Erschwerend kommt hinzu, dass nicht nur diese beiden eine andere Location suchen. Das Gut Mydlinghoven war bei Brautpaaren äußerst beliebt. Neben Weiand und Ewert haben rund 50 weitere Paare, die 2014 dort heiraten wollten, am Wochenende die Absage bekommen. „Kurz vor Weihnachten kam noch die Einladung zu einer sogenannten „Pre-Weddingparty“, die am 19. Januar stattfinden sollte. Und dann überlegt der sich fünf Tage später, dass er pleite ist? Das kann doch nicht sein“, sagt Weiand.

Als der erste Schock dann überwunden war, kam bei den Monheimern die Wut. 800 Euro mussten die Paare nämlich für die Hochzeit anzahlen. „Wir haben Herrn Schröder eine E-Mail geschrieben, darauf gab es aber keine Reaktion. Ans Telefon geht er natürlich auch nicht mehr. Wir möchten unser Geld zurück. Wir haben vier Kinder. Das gibt unser Budget nicht her“, sagt Weiand.

Vor Ort in Hubbelrath ist auch am Montag niemand anzutreffen. Obwohl in den Fenstern teilweise Licht brennt, macht niemand die Tür auf, die Internetseite des Gutes ist nicht mehr erreichbar, auf Mails und Anrufe reagiert niemand. Weiand und Ewert hoffen jetzt, noch andere Paare zu finden, um sich über das weitere Vorgehen auszutauschen.

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Eheschließungen in Düsseldorf gestiegen. 2724 Paare haben „Ja“ gesagt. Zum Vergleich: 2012 waren es noch 2660. Ebenfalls gestiegen ist die Zahl der Verpartnerungen von gleichgeschlechtlichen Paaren von 88 (2012) auf 109 im vergangenen Jahr.

Am beliebtesten war mit 2400 Trauungen das Standesamt an der Inselstraße. 19 Paare haben zudem ihre Trauung live ins Internet stellen lassen.

„Die Paare müssen leider davon ausgehen, dass das Geld weg ist“, sagt ein Düsseldorfer Fachanwalt für Insolvenzrecht. So emotional die Lage aber auch sei, er rät trotzdem dazu, noch ein bisschen abzuwarten: „In vielen dieser Fälle gibt es einen Betreiber, der die Geschäfte übernimmt. Dieser hat dann ja ein Interesse daran, auch die Termine zu übernehmen. Vielleicht wäre er so kulant und zieht den Brautpaaren die Anzahlung ab.“

So lange wollen die Paare aber wahrscheinlich nicht warten. Bei Gut Höhne beispielsweise standen am Wochenende schon zig verzweifelte Bräute vor der Tür, die nach Alternativterminen gefragt haben. „Ein paar Termine haben wir in diesem Jahr auch noch frei“, sagt eine Mitarbeiterin.

Die Enttäuschung ist bei Weiand und Ewert trotzdem groß. „Gut Mydlinghoven war als Location perfekt für uns. Alles andere ist halt nur eine Alternative. Aber die Hauptsache ist, dass wir den Termin behalten können. Unsere Gäste kommen von überall her und haben den Termin schon fest eingeplant“, sagt die traurige Braut.

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