Acht Jungs aus Flingern sind verdächtig. Die Drahtzieher, 15 und 17 Jahre alt, waren schon als Kinder Intensivtäter.

Martina Sandfort von der Polizei mit der Beute der jugendlichen Intensivtäter.
Martina Sandfort von der Polizei mit der Beute der jugendlichen Intensivtäter.

Martina Sandfort von der Polizei mit der Beute der jugendlichen Intensivtäter.

Stefan Arend

Martina Sandfort von der Polizei mit der Beute der jugendlichen Intensivtäter.

Düsseldorf. Aimen Z. ist eines von fünf Kindern, seine Mutter allein erziehend. "Ein typisches Straßenkind", sagt Polizeisprecher Wolfgang Wierich, der Aimen als Jugendsachbearbeiter über Jahre begleitet hat. Das große Vorbild des Jungen: sein älterer Bruder. Schon früh schlug der sich allein durch - mit Straftaten aller Art. "Auch Aimen hat schon als Kind Diebstähle begangen", berichtet Wierich. "Bis er feststellte, dass Abzocke, also Raub, einträglicher ist." Jetzt sitzt der 15-Jährige in Untersuchungshaft.

Aimen Z. gehört unter den Düsseldorfer Intensivtätern zur Spitzengruppe mit den längsten Listen polizeilicher Einträge. Mehrfach wurde er aus der Familie genommen. Fast ein Jahr verbrachte er in einer Einrichtung nahe Hamburg - und suchte sogleich Kontakte zu Kriminellen in der Hansestadt.

Auch als man ihn für ein halbes Jahr außer Landes nach Spanien brachte, wurde er straffällig. "Er ist erziehungsresistent. Da ist nichts mehr zu machen", musste Wierich irgendwann feststellen.

Bande wurde immer brutaler, überfiel Opfer in deren Wohnung

Seit dem vergangenen Jahr ist Aimen wieder in Düsseldorf. Und fast zeitgleich schnellten in seiner Nachbarschaft Einbruchs-, Diebstahls- und Raubzahlen nach oben. 38 Taten kann die Polizei ihm und den sieben weiteren Mitgliedern seiner Bande inzwischen nachweisen. Darunter Einbrüche in Büros, Wohnungen und Arztpraxen.

Beute im Wert von rund 40 000 Euro haben die Jungs wohl seit Mai 2009 gemacht. Und: Sie wurden dabei immer brutaler. Im Oktober überfielen sie zwei Opfer in deren Wohnungen, einen 16-jährigen Behinderten schlugen sie dabei sogar zusammen.

Alle Täter stammen aus Nordafrika, sind zum Teil - wie Aimen Z. - aber deutsche Staatsbürger. Sie haben alle die Hauptschule besucht, zum Teil aber keinen Abschluss. Einige hatten die Schule lange geschwänzt, werden jetzt aber durch die Auflagen der Polizei zum Schulbesuch gedrängt.

Laut Staatsanwältin Jeannette Boldt werden die Täter wohl mehrheitlich nach dem Jugendstrafrecht verurteilt. Dann stehen auf Raub sechs Monate bis zehn Jahre Haft, auf Bandendiebstahl sechs Monate bis fünf Jahre Haft.

Wer im Jahr mindestens fünf Straftaten, darunter eine gewalttätige, begeht, gilt als Intensivtäter.

Als Aimen Z. an einem videoüberwachten Geldautomaten mit einer erbeuteten EC-Karte Geld abholen will, hat die Polizei den entscheidenden Hinweis auf die Bande. Im Zuge von Durchsuchungen stoßen sie auf fast 200 Beutestücke und die anderen Köpfe der Gruppe, alle zwischen 17 und 22 Jahre alt. Alle schon mehrfach straffällig.

Sie trafen sich zum Rumhängen am Lindenplätzchen in Flingern, zogen auf der Suche nach geöffneten Fenstern in Erdgeschosswohnungen durch die Nachbarschaft, Düsseltal, Derendorf. "Das Geld brauchten sie fürs Feiern in Diskotheken, fürs Shisha-Rauchen und Spielen am Automaten", sagt Herbert Maaßen, Leiter der Ermittlungskommission "Intensiv".

Neben Aimen Z. gilt Bozidar D. (17) als Haupttäter. Auch er geht seit seiner Kindheit auf Polizeiwachen ein und aus. "Von den Eltern gibt es da schon kaum mehr eine Reaktion", sagt Maaßen. Bozidar ist inzwischen gegen Auflagen aus der JVA entlassen worden, steht wie fünf weitere Verdächtige unter besonderer Beobachtung.

Aimen Z. und Mohammed M. (21) hingegen sitzen weiter in U-Haft. Wolfgang Wierich: "Es ist gut, dass so einem gezeigt wird: So geht es nicht, du atmest jetzt erst mal gesiebte Luft." Damit folgt Aimen endgültig dem Vorbild seines Bruders: Dieser sitzt gerade eine Gefängnisstrafe ab.

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