Sechsköpfige Bande angeklagt. Senioren zahlten falsche Rechnungen für Gewinnspiele.

Düsseldorf. Zuerst wurden Tausende Senioren mit Werbeanrufen für Gewinnspiele terrorisiert, dann bekamen sie horrende Rechnungen, und schließich wurde ihnen eine „Aktion Privatsphäre“ angeboten, mit der man sich gegen unerwünschte Telefonate schützen kann. Fünf Männer und eine Frau zwischen 30 und 50 Jahren müssen sich deshalb seit am Dienstag wegen Betruges vor dem Landgericht verantworten. Der Schaden soll mehr als zwei Millionen Euro betragen.

Drahtzieher soll der 36-jährige Hakan S. sein, der laut Anklage ein kompliziertes Firmengeflecht aufbaute, um den wahren Zweck der Geschäfte zu verschleiern. Callcenter-Mitarbeiter in der Türkei sollen bis Juni 2012 vorwiegend ältere Opfer angerufen und Rechnungen für die Teilnahme an Gewinnspielen verschickt haben. Viele zahlten, obwohl sie niemals einen Vertrag unterschrieben hatten.

Die Zahlungen wurden dann teilweise über Konten von Strohmännern abgewickelt. Die Bande sei vor allem in Griechenland und der Türkei immer auf der Suche nach Personen gewesen, die keinen Schufa-Eintrag hatten, um Konten zu eröffnen.

Am Ende wurde sogar mit Verbraucherschutz betrogen

Bei Kunden, die den Telefon-Terror leid waren, soll die Bande eine neue Betrugsidee entwickelt haben. Ihnen wurden zum Beispiel „Sperr-Blocker“ für Telefonnummern gegen unerwünschte Werbeaktionen verkauft. Dabei sollen sich die Call-Center-Mitarbeiter auch als Polizisten, Staatsanwälte oder Gerichtsvollzieher ausgegeben haben. Sogar ein eigenes Magazin „Der Verbraucherberater“ wurde herausgegeben. Am Dienstag wurde nur die Anklage verlesen. Der Rechtsanwalt von Hakan S. beantragte, das Verfahren auszusetzen, weil sein Mandant angeblich keine ausreichende Akteneinsicht hatte. Darüber soll nun entschieden werden.

Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft sogar in 33 000 Fällen gegen die Bande ermittelt, 19 000 blieben übrig. Die Akte ist inzwischen mehr als 5000 Seiten dick.

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