Die Impfbereitschaft sinkt – aus Unsicherheit, glaubt Heiko Schneitler.

Düsseldorf. Die Einschläge kommen näher. Derzeit wird ein erst 18 Jahre alter Patient mit einem schweren Verlauf der Schweinegrippe auf der Intensivstation der Uni-Klinik beatmet. Laut Klinik befindet er sich zum Glück allerdings auf dem Weg der Besserung.

Laut Prof. Heiko Schneitler vom Gesundheitsamt hat er keinerlei Vorerkrankungen. Und auch den Tod einer chronisch kranken Frau am 7. November stellt er in einem anderen Licht dar, als es bislang in der Öffentlichkeit auf den tragischen Fall geworfen wurde: Bei ihrer Erkrankung habe es sich um eine neurologische gehandelt. Das Versagen ihrer Lunge durch die Grippe erkläre diese Vorerkrankung nicht.

Nur 588 ließen sich am Mittwoch impfen - vor einer Woche waren es über 2000

Ein Blick in die Statistik des Robert-Koch-Institutes zeigt: Mehr und mehr wird die Schweinegrippe ein Problem der Jungen und Gesunden. Am höchsten ist das Risiko einer Infektion bei bis 40-Jährigen.

Dennoch sinkt die Impfbereitschaft der Düsseldorfer weiter. Nur noch 588 Menschen ließen sich am Mittwoch an der Erkrather Straße immunisieren. Noch vor einer Woche kamen täglich bis zu 2000 Menschen.

"Ich glaube, dass die Menschen Angst haben", sagt Schneitler. "Sie können nicht mehr einschätzen, welches Risiko höher ist: das der Impfung oder der Infektion." Berichte über vermeintliche Todesfälle im Anschluss an die Immunisierung gegen H1N1 verunsicherten die Bevölkerung.

Bis Ende vergangener Woche erkrankten seit dem Ausbruch 770 Düsseldorfer.

Laut Verwaltung wurden bis zur letzten Woche in Düsseldorf 40.000 Impfdosen an Praxen und Impfstelle ausgeliefert.

Unter den rund 19.000 Menschen, die sich bislang allerdings in der Impfstelle piksen ließen, habe es aber keine schwerwiegenderen Nebenwirkungen gegeben als Armschmerzen und erhöhte Temperatur. "Wenn jemand allergisch reagiert, kann natürlich immer etwas Dramatisches passieren", räumt Schneitler ein.

Dem stellt er den krassen Anstieg der Infiziertenzahl in Süddeutschland gegenüber - und die steigende Zahl der an Grippe sterbenden Kinder in den USA. "Das kann uns genauso passieren", warnt Schneitler. Und sagt auch mit Blick auf den 18-jährigen Uni-Patienten: "Wir werden solche Fälle hier jetzt öfter erleben." Das Risiko der Erkrankung sei greifbarer als das der Impfung.

Er hofft, dass gerade junge Düsseldorfer ab Donnerstag wieder verstärkt Bereitschaft zum impfen zeigen. Er geht davon aus, dass im Laufe des Tages wieder mehr Impfstoff geliefert wird. "Ich betreibe keine Panikmache", so Schneitler. "Aber: Jeder vernünftige Mensch lässt sich impfen."

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