Nachbarn störte das ständige Bellen. Das Ordnungsamt rückte aus. Jetzt suchen die Hunde ein neues Zuhause.

Tiere
Die geretteten Tiere warten jetzt im Tierheim auf neue Halter.

Die geretteten Tiere warten jetzt im Tierheim auf neue Halter.

Judith Michaelis

Die geretteten Tiere warten jetzt im Tierheim auf neue Halter.

Düsseldorf. Als die Mitarbeiter des Ordnungsamtes zu der Doppelhaushälfte in Eller kamen, trauten sie ihren Augen nicht. 113 Pudel hausten gemeinsam mit ihrer Besitzerin in dem Einfamilienhaus.

Erst durch den anhaltenden Gestank und das ständige Bellen wurden die Nachbarn auf die Tiere aufmerksam. Jetzt warten 101 Pudel im Düsseldorfer Tierheim auf neue Besitzer, zwölf hat das Tierheim in Hilden aufgenommen, das auch beim Transport geholfen hat.

Die Pudel sind nicht verwahrlost, aber auch nicht gut gepflegt

So viele Hunde wurden in der Landeshauptstadt noch nie aus einer Wohnung geholt, sagt Amtstierarzt Klaus Meyer vom Amt für Verbraucherschutz. Ähnliche Fälle kennt er nur von Mäusen oder Karnickeln. „Es handelt sich hier auch nicht um einen typischen Fall von Verwahrlosung. Die Tiere waren tierärztlich versorgt und geimpft. Ihnen fehlte es einfach an Pflege“, sagt Meyer.

Das Tierheim ist mit einem Zuwachs von 101 Hunden eigentlich überfordert. In jeder freien Ecke wurden die Pudel untergebracht, sogar im Schulungsraum. „Die Hunde werden jetzt entfilzt, gebadet und teilweise geimpft“, sagt Anja Peters vom Tierheim. Ab der kommenden Woche sucht das Tierheim Familien für die Hunde. Peters würde sich freuen, wenn die neuen Besitzer zwei Pudel nehmen würden: „Sie sind an das Leben im Rudel gewöhnt. Zwei machen kaum mehr Arbeit als einer.“

Die Hunde sind lieb, für Familien und Allergiker geeignet

Sorge, dass die Hunde kein neues Zuhause finden, hat Peters nicht. „Die sind alle ganz lieb und auch für Allergiker geeignet, ebenso für Hunde-Anfänger und Familien.“ Vom Welpen bis zum erwachsenen Pudel sind unter den Hunden alle Altersklassen vertreten. Toy-, Teacup- und Zwergpudel sind dabei.

Das krankhafte Sammeln von lebenden Tieren (engl. Animal Hoarding) ist eine psychische Störung. Die Betroffenen können nicht mehr erkennen, dass ihre Tierhaltung ein ungewöhnliches Maß angenommen hat und lassen die Tiere zunehmend verwahrlosen. Grund für die Krankheit ist oft die Einsamkeit der Tierhalter.

Der Hintergrund des Elleraner Pudel-Hauses ist ungewiss. Ob die Frau unter dem krankhaften Zwang leidet, Tiere zu sammeln oder was sie dazu veranlasst hat, sich 113 Pudel zu halten, ist unklar. „Das wird ein Psychologe klären müssen.“ Die völlig verwahrloste und mit Hundekot verschmutze Wohnung deutet aber darauf hin, dass ihr die Pudelschar über den Kopf gewachsen ist.

Ebenso muss noch geklärt werden, wer die Kosten für die Rettung und die Unterbringung im Tierheim tragen wird. Bisher sei die alleinstehende Frau sehr kooperativ gewesen. Die Beamten habe sie sofort ins Haus gelassen. Für Amtstierarzt Klaus Meyer liegt in diesem Fall zumindest eine Ordnungswidrigkeit vor. „Dann muss in der Regel der Verantwortliche die Kosten tragen“, sagt Meyer. Eventuell übernimmt aber auch die Staatsanwaltschaft die weiteren Ermittlungen.

Wer sich für die Hunde interessiert, sollte sich beim Tierheim melden und einen Termin vereinbaren: Ruf 65 18 50.

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