In der Schule lernten die Zwillingsbrüder Herbert und Wolfgang Oerder ihre Ehefrauen kennen: Die Zwillinge Rosemarie und Waltraud.

In der Schule lernten die Zwillingsbrüder Herbert und Wolfgang Oerder ihre Ehefrauen kennen: Die Zwillinge Rosemarie und Waltraud.
Zum verwechseln ähnlich (vl.n.r.): Das Ehepaar Wolfgang und Waltraud Oerder und das Geschwister-Paar Herbert und Rosemarie Oerder.

Zum verwechseln ähnlich (vl.n.r.): Das Ehepaar Wolfgang und Waltraud Oerder und das Geschwister-Paar Herbert und Rosemarie Oerder.

Doro Siewert

Zum verwechseln ähnlich (vl.n.r.): Das Ehepaar Wolfgang und Waltraud Oerder und das Geschwister-Paar Herbert und Rosemarie Oerder.

Burscheid. Zwillinge machten alles gemeinsam und immer das Gleiche, heißt es. Dass das nicht stimmt, betonen die Zwillingsbrüder Herbert und Wolfgang Oerder mit Nachdruck. Eines haben sie jedoch ganz genau gleich gemacht – sie haben beide eine Frau aus einer Familie geheiratet: Die Zwillingsschwestern Rosemarie und Waltraud.

Zwillingspaar trifft Zwillingspaar, am Ende wird geheiratet. Herbert Oerder verliebte sich in Rosemarie, geborene Zeitschner, Wolfgang sich in Waltraud. Heute leben die Ehepaare in zwei Einfamilienhäusern direkt nebeneinander. „Trotzdem führt hier jeder sein eigenes Leben. Wir sind halt gute Nachbarn“, erzählt Waltraud Oerder. „Aber jeder hat auch seinen eigenen Freundeskreis.“

Als etwas Besonderes haben sich die Zwillinge nie gesehen

Als etwas von Geburt an Besonderes haben sich die vier Zwillinge nie gesehen. „Vielleicht deshalb, weil wir dreieinhalb Zwillingspaare in der Schulklasse hatten“, vermutet Wolfgang Oerder. In der Realschule haben die vier sich kennengelernt, dort lernten sie gemeinsam fünf Jahre lang. „Aber da waren wir nicht mehr als Schulkameraden“, erinnert sich Rosemarie Oerder. Man verabschiedete sich aus der Klassengemeinschaft – um sich kurz darauf schon wiederzutreffen: Die Zeitschner-Zwillinge und Herbert Oerder hatten sich alle drei bei der Stadtverwaltung Opladen beworben. Und sahen sich dort beim Einstellungstest wieder. Sie bestanden die Prüfung und traten im Dezember 1966 die Lehre an, Rosemarie und Waltraud als Verwaltungsangestellte, Herbert schlug die Beamtenlaufbahn ein. Auch Wolfgang war nicht weit: Er fing bei der Kreisverwaltung Opladen an.

Es sollten aber noch etwa vier Jahre ins Land gehen, bis das erste Paar sich verliebte. „Rosi hat im Standesamt gearbeitet und ich habe immer wieder Gründe gesucht, da vorbeizuschauen“, erinnert sich Herbert mit einem Lächeln. Wolfgang und Waltraud erwischte es im Sommer 1971: „Es ging schon los mit uns und dann stand Wolfgang eines Abends mit einem Hamster vor meiner Tür. Er studierte zu der Zeit, konnte ihn also nicht behalten. Da hat er ihn mir anvertraut und mich dann gefragt, ob wir ein Paar werden wollen“, erzählt Waltraud Oerder.

Im Februar 1974 heirateten Waltraud und Wolfgang, im Mai Herbert und Rosemarie. „Eine Doppelhochzeit wäre für uns nie in Frage gekommen. Auch wenn viele das sicher hübsch gefunden hätten“, betont Wolfgang Oerder. Hübsch fand man vieles an den Zwillingen. „Wie oft haben wir gehört, wie süß wir sind, und wie oft wurden wir angestarrt“, so Waltraud Oerder. „Und das war als Kind sehr unangenehm.“ „Deshalb haben wir uns mit 12 Jahren fortan verweigert, gleiche Kleidung anzuziehen“, ergänzt Wolfgang Oerder. Rosemarie und Waltraud haben damit aufgehört, als sie ihr erstes Geld verdient haben und sich eigene Sachen leisten konnten. da waren sie etwa 15 Jahre alt.

Bis heute werden die Zwillinge oft verwechselt. „Und dann ist auch schon mal ein Kollege sauer, weil man angeblich nicht gegrüßt hat“, so Herbert Oerder. Rosemarie Oerder fiel kürzlich ein völlig Fremder um den Hals, mit Küsschen rechts und links. Das war ein Jugendleiter vom Handballverein, für den ihre Schwester sich engagiert.

Die Ähnlichkeit haben die Zwillingsbrüder auch schon zwei Mal für besonders schöne Streiche genutzt: Als Wolfgang bei der Bundeswehr war, ließ er seinen Bruder mit seinen Sachen in die Kaserne spazieren. In der Fahrzeughalle, wo er technischen Dienst hatte, versteckte er sich hinter Fässern und sah zu, wie sein Bruder sich dort gerade beim Oberfeldwebel aus dem Urlaub zurückmeldete. „Er bekam einen Riesenärger, da er noch in Zivil und mit zu langen Haaren vor dem Vorgesetzten stand“, so Wolfgang Oerder. Und sein Bruder ergänzt: „Es war wirklich hart. Wir mussten es dann auflösen. Aber der Oberfeldwebel hat laut gelacht und hat uns einen Schnaps geholt.“ Zehn Jahre später ließ Herbert Oerder Wolfgang antreten, als ihm sein Karnevalsverein eine Auszeichnung für 11 Jahre Zugehörigkeit überreichen wollte. Beim Funkentanz, den Wolfgang überhaupt nicht beherrschte, flog der Schwindel dann auf.

Das Zwillinge–Gen hat die übernächste Generation erreicht: Gleich zwei Kinder von Wolfgang und Waltraud haben Zwillinge bekommen. „Beim zweiten Mal konnten wir es kaum glauben“, so Waltraud Oerder. Umso schöner und größer werden dafür jetzt die Familienfeste

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