Eine Bande aus Kamerun gibt sich als lokaler Züchter aus und bietet seltene Haustiere an, die es gar nicht gibt.

Sichtlich wohl fühlen sich die jungen Bengalkatzen bei Hobbyzüchterin Dagmar Müller. Doch auch ihr Image leidet unter den Betrügern und unseriösen Züchtern, die immer wieder den Ruf der ganzen Branche gefährden.
Sichtlich wohl fühlen sich die jungen Bengalkatzen bei Hobbyzüchterin Dagmar Müller. Doch auch ihr Image leidet unter den Betrügern und unseriösen Züchtern, die immer wieder den Ruf der ganzen Branche gefährden.

Sichtlich wohl fühlen sich die jungen Bengalkatzen bei Hobbyzüchterin Dagmar Müller. Doch auch ihr Image leidet unter den Betrügern und unseriösen Züchtern, die immer wieder den Ruf der ganzen Branche gefährden.

Doro Siewert

Sichtlich wohl fühlen sich die jungen Bengalkatzen bei Hobbyzüchterin Dagmar Müller. Doch auch ihr Image leidet unter den Betrügern und unseriösen Züchtern, die immer wieder den Ruf der ganzen Branche gefährden.

Burscheid. Schlechte Haltung und Behandlung, gefälschte Papiere – Tierzüchter haben nicht den besten Ruf. Schwarze Schafe in der Branche sorgen immer wieder für Negativschlagzeilen, die alle Züchter in Verruf bringen.

Verunsicherte Kunden sind die Folge. Ein Burscheider Züchterpaar fürchtet jetzt, dass nicht nur ihr Image unter skrupellosen Konkurrenten leidet, sondern sie mit Betrügern verwechselt werden könnten.

800 bis 1200 Euro kosten gesunde Jungtiere

Walter und Dagmar Müller züchten seit dem Jahr 2009 Bengalkatzen. Die ursprünglich aus Asien stammenden Katzen (siehe Kasten) stehen unter Artenschutz und sind in Deutschland eine echte Rarität. Dementsprechend teuer sind sie für Liebhaber: 800 bis 1200 Euro kosten gesunde Jungkatzen.

Auf einem Internetportal für Kleinanzeigen findet man sie zurzeit aber auch für 200 Euro. Dort werden in sehr schlechtem Deutsch („Wir haben Wurf.“) Jungtiere angeboten. Walter Müller: „Aber diese Katzen existieren gar nicht. Interessenten werden von den Anbietern aus Kamerun gebeten, das Geld zu überweisen. Danach soll der Versand erfolgen, der aber nie stattfindet.“

Die simple Betrugsmasche ist ärgerlich, setzt allerdings auch etwas Blauäugigkeit bei den Opfern voraus. Für das Ehepaar Müller wird die Masche aber dadurch heikel, dass die Betrüger offensichtlich reale Züchter imitieren. So werden die Katzen aktuell gezielt aus Burscheid angeboten, weil bekannt ist, dass es dort echte Züchter gibt. Im Beschreibungstext zu den Katzen geben sie an „Liebhaber und Hobbyzüchter“ zu sein – so würde sich auch das Züchterpaar bezeichnen.

Herkunft: Bengalkatzen, wegen des fleckigen Fells auch Leopardkatzen genannt, stammen ursprünglich aus Süd und Ostasien. Seit 2002 sind sie auf der Roten Liste der gefährdeten Arten als „nicht gefährdet“ eingestuft. Der Amerikanische „Endangered Species Act“ stuft sie hingegen als „gefährdet“ ein. Als besonders bedroht gilt die Unterart „Tsushima-Leopardkatze“.

 

Bedrohung: In China werden Bengalkatzen vor allem wegen ihres Felles gejagt. Ende der 80er Jahre exportierte das Land etwa 200 000 Felle jährlich. Seit die Europäische Union im Jahr 1988 die Einfuhr von Fellen verbot, ist Japan zum Hauptabnehmer geworden.

 

Jagd: In den meisten asiatischen Ländern ist die Jagd auf Bengalkatzen verboten. Als besonders aktiv im Schutz der Tiere gelten Bangladesch, Indien und Thailand.

Besonders dreist ist, dass die Betrüger aus Kamerun sogar Bilder von Walter Müller verwenden. „Mir ist gestern ein Inserat für Berlin und Umgebung aufgefallen in dem mit meinem Foto von unserer Katze geworben wird“, ist Müller entsetzt.

Gefälschte Papiere und Urkunden sind keine Seltenheit

Für Britta Hoebener vom Katzenverein Leverkusen, bei dem auch Walter und Dagmar Müller Mitglieder sind, ist Betrug mit Tieren nichts Neues: „Wir machen das seit 25 Jahren und haben schon viel kriminelle Energie beobachten müssen.“ Aktuell bearbeitet Hoebener den Fall einer Züchterin, die sogar Mitglied in ihrem Verein ist. Die Züchterin habe eine herzkranke Katze verkauft und dabei einen Abstammungsnachweis mit Siegel des Katzenvereins an die Käufer übergeben. „Aber diese Ahnentafel ist nie bei uns beantragt worden. Offensichtlich hat die Frau das Siegel selbst darauf kopiert“, sagt Hoebener.

Ingeborg Marquardt vom Katzenverein wäre kurz vor Weihnachten beinahe selbst auf die Betrüger aus Kamerun reingefallen: „Ich habe nach einem Graupapagei gesucht und bin auf ein Inserat aus Leverkusen gestoßen. Aber das Tier konnte ich mir nicht in Leverkusen angucken. Stattdessen bekam ich eine Email aus Kamerun.“

Überwiesen hat Marquardt natürlich nicht, aber der Betrugsversuch zeigt: Nicht nur Katzenliebhaber sind gefährdet, längst inserieren die Betrüger auch Hunde, Vögel und andere Haustiere. Aufgrund nicht abgestimmter internationaler Gesetze ist die Verfolgung der Betrüger quasi aussichtslos. Marquardt: „Auch als Verein sind wir machtlos. Man müsste irgendwie diese Inserate unterbinden. Aber wenn man unseriöse Inserate meldet, passiert gar nichts oder es tauchen schnell wieder neue auf.“

Für das Züchterpaar Müller geht es jetzt darum, den Schaden zu begrenzen: Sie wollen eindeutig klarstellen, dass sie seriöse Züchter sind und nichts mit den Betrügern zu tun haben. Bereits letzte Woche wurde das Internetportal gebeten, die unseriöse Anzeige – die angeblich aus Burscheid kommt – zu löschen. Bisher ist das nicht geschehen.

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