Die Lage war ideal, das Umfeld auch. Aber die Einzelinteressen ließen sich nicht auf einen Nenner bringen.

altenberger Strasse
Im Frühjahr soll die ehemalige Firma Exakt-Druck vollständig abgerissen werden. Fotos (2): Barbara Sarx

Im Frühjahr soll die ehemalige Firma Exakt-Druck vollständig abgerissen werden. Fotos (2): Barbara Sarx

So hatten die letzten Planungen ausgesehen: In der Nachbarschaft zum katholischen Kindergarten (in der Mitte dunkelrot) sollten auf dem ehemaligen Firmengelände von Exakt-Druck zwei neue Gebäude entstehen. Entwurf: Clemens von Dryander

Sarx, Barbara, Bild 1 von 2

Im Frühjahr soll die ehemalige Firma Exakt-Druck vollständig abgerissen werden. Fotos (2): Barbara Sarx

Burscheid. Es schien nach dem Haus Regenbogen an der Ecke Haupt-/Luisenstraße das zweite plausible Wohnprojekt für Senioren zu werden. Vor zwei Jahren wurden Pläne bekannt, auf dem Gelände der Firma Exakt-Druck an der Altenberger Straße in Kooperation mit der Caritas eine Tagespflege, eine Wohngruppe für Demenzkranke und weitere barrierefreie Wohnungen entstehen zu lassen. Ein Jahr später wurde die Bauvoranfrage eingereicht. Doch inzwischen ist das Projekt gestorben.

Keine Investoren für Gesamtkonzept gefunden

„Alle Beteiligten hätten sich noch bewegen müssen“, sagt der mit der Planung betraute Architekt Clemens von Dryander. „Aber eine klare Entscheidung hat es nie gegeben.“ Auch Caritas-Projektentwickler Frank Köchling beklagt: „Es hat sich keiner gefunden, der das Ganze finanziell in die Hand genommen hätte.“ Es habe eine Reihe von Einzelinteressen gegeben, die sich aber nicht zu einem Gesamtkonzept hätten zusammenfügen lassen.

Dabei schien die Lage ideal für das Konzept: ein katholischer Betreiber in unmittelbarer Nachbarschaft zum katholischen Kindergarten Arche Noah und der katholischen Kirche samt Pfarrheim vis-à-vis. „Die Lage ist super. Wir hätten das auch gerne gemacht und halten die Idee weiter für gut“, sagt Köchling. „Aber es wären einige Risiken zu tragen gewesen und wir hätten das nicht gekonnt.“

Im Frühsommer 2011 warben die Beteiligten in einer ersten Informationsveranstaltung um Voranmeldungen von Interessenten. Doch die zuletzt geäußerten Hoffnungen, im Herbst 2012 mit dem Bau beginnen zu können, erfüllten sich nicht. Eine Investorengemeinschaft unter Beteiligung der Rheinisch-Bergischen Siedlungsgesellschaft (RBS) war nicht auf einen Nenner zu bringen. Schon im vergangenen Sommer wurde das Projekt heimlich, still und leise zu Grabe getragen.

„Die Caritas hat sich nur wenig eingebracht“, bedauert Grundstückseigentümerin Angelika Rahm im Rückblick das Scheitern der Gesprächsverhandlungen. Im Frühjahr werde das gesamte ehemalige Firmengebäude jetzt abgerissen. Ob stattdessen Wohnraum entstehe, hänge von den weiteren Gesprächen mit einem möglichen Investor ab. „Das Projekt steht ganz am Anfang.“

Caritas baut stattdessen jetzt in Kürten-Bechen

Erstmals wurde der Begriff für den Neubau verwendet, der 2004/2005 an der Mittelstraße, Ecke Friedrich-Goetze-Straße, entstand. Gebaut von der Firma Tecklenburg, wurden die 32 seniorengerechten Wohnungen entgegen den ursprünglichen Wünschen der Politik aber letztlich als Eigentumswohnungen vermarktet. Ein pauschales Betreuungspaket mit den Johannitern geriet später seitens der Bewohner in die Kritik. Der Vertrag wurde gekündigt. Seither gibt es dort Einzelverträge mit diversen Notrufanbietern.

Unmittelbar hinter dem Tecklenburg-Bau ist seit dem vergangenen Jahr ein weiterer Neubau entstanden, der zunächst auch mit Betreutem Wohnen in Verbindung gebracht wurde. Zwar sind die zehn Eigentumswohnungen an der Ecke Mittelstraße/Weiherstraße seniorengerecht und barrierefrei, „aber wir sind dann auf die Komfortschiene gewechselt“, sagt Bauträger Holger Schüller. Verträge mit Notruf- und Pflegediensten bestehen nicht.

Die erste Wohnung ist schon bezogen – von einer Rollstuhlfahrerin. Weitere Einzüge sollen zum Monatsende und im März folgen. Acht der zehn Wohnungen sind bereits verkauft. Zu haben sind nur noch zwei Zweizimmerwohnungen.

Die Caritas hat derweil von Burscheid als Standort wieder Abstand genommen und sich stattdessen für ein ähnliches Projekt in Kürten-Bechen entschieden. Dort sollen bis Mai eine Tagespflege, eine Wohngemeinschaft und weitere Wohnungen bezugsfertig sein. Für Bechen hat sich auch ein Investor gefunden – die Caritas selbst.

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