Bürgermeister überlässt den Närrinnen den Rathausschlüssel, aber feiert im Schützenhaus dann kräftig mit.

Karneval
Miriam Ludwig (r.) ist zum ersten Mal mit ihrer Mutter und deren Arbeitskolleginnen beim Rathaussturm dabei.

Miriam Ludwig (r.) ist zum ersten Mal mit ihrer Mutter und deren Arbeitskolleginnen beim Rathaussturm dabei.

Carola Preuß (l.) und Anke Schmidt haben sich in afrikanische Gewänder geworfen und präsentieren ihre Bürgermeister-Voodoopuppe.

Vor dem Schützenhaus überzeugten die jecken Weiber Bürgermeister Stefan Caplan mit einem närrischen Gedicht. Fotos (3): Doro Siewert

Siewert, Doro, Bild 1 von 3

Miriam Ludwig (r.) ist zum ersten Mal mit ihrer Mutter und deren Arbeitskolleginnen beim Rathaussturm dabei.

Burscheid. Durch die Gewänder geht eine leichte Brise, auf dem üppigen Goldschmuck glitzert die Wintersonne. Renate Dahlhäuser und ihre Mitstreiterinnen sind bereit. In wenigen Minuten will die orientalische Gruppe das Rathaus stürmen.

Etwa 50 jecke Wiever versammeln sich deshalb auf den Stufen vor dem Schützenhaus. Die Damen aus dem Orient sind nur in hauchdünne Stoffe gehüllt und klimpern mit Kopf- und Bauchschmuck zu den Klängen aus Tausendundeiner Nacht. „Kalt wird uns nicht. Wir sind unten drunter gut angezogen“, erklärt Renate Dahlhäuser. Seit über zehn Jahren stürmt sie mit ihren Freundinnen das Rathaus. Im letzten Jahr ergatterte sie den Schlüssel. „Wir sind jetzt ein bisschen aufgeregt, aber die Stimmung ist super“, sagt Dahlhäuser und die Truppe prostet ihr zu.

Närrinnen stürmen kreischend das Foyer

Getreu dem Motto „Feiern und Lachen über alle Grenzen – Burscheid international“ hat sich auch die Gruppe daneben gekleidet. In mit Pailletten besetzten Kleidern im Stil der amerikanischen Flagge glitzern sie um die Wette. Miriam Ludwig begleitet ihre Mutter und deren Kolleginnen zum ersten Mal. Die Burscheiderin ist vor einigen Jahren zum Studieren nach Kiel gezogen. Dass sie für die jecken Tage nach Hause kommt, ist aber selbstverständlich: „Ich bin mit Karneval einfach groß geworden“, erklärt die 25-Jährige. „Und in Kiel ist ja auch gar nicht nichts los. Die Stimmung hier ist super“, fällt ihr ihre Mutter ins Wort.

„Hier, nehmt den Schlüssel und feiert, dass es nur so kracht.“
Stefan Caplan

Vor der Tür ist mittlerweile Bürgermeister Stefan Caplan aufgetaucht. Kampflos will der Pharao seine Macht nicht abgeben. Bevor er den Schlüssel rausrückt, fordert er ein Gedicht. Die Weiber lassen sich nicht bitten und Pharao Caplan gibt nach: „Hier, nehmt den Schlüssel und feiert, dass es nur so kracht, ich feiere mit euch, das wäre doch gelacht.“

Brigitte Adams vom Schützenverein schnappt sich den Schlüssel und die Närrinnen stürmen kreischend das Foyer des Schützenhauses. Am Eingang verteilt der kurzzeitig entmachtete Bürgermeister Birnenschnaps aus der Partnerstadt. „Den habe ich mal von der Bürgermeisterin von Egg geschenkt bekommen. Wir dachten uns, jetzt ist der richtige Anlass“, erklärt Caplan und drückt den Amerikanerinnen ein paar Gläschen in die Hand.

Hunderte Jecken feiern den ganzen Tag

Im Foyer hängen rund hundert Flaggen, die die Schüler der Montanusschule für den Schützenverein gemalt haben. „Wir haben zum 150-jährigen Vereinsjubiläum einen Plakat-Wettbewerb veranstaltet und so kam die Zusammenarbeit zustande“, erklärt Anne Lohmann, Pressewartin des Schützenvereins.

Peter Mihm, alias DJ Mimo, bringt die Jecken zum Tanzen. „Ich würde mir wünschen, dass ihr heute richtig abfeiert“, brüllt er ins Mikro und stimmt den ersten Karnevalskracher an. Flamencotänzer, Schotten und Froschkönige haken sich unter und Schunkeln drauflos.

Carola Preuß und Anke Schmidt sind noch mit ihren Bürgermeister-Voodoopuppen beschäftigt. Wer sie zu einem Getränk einlädt, darf eine Nadel in die Puppe pieksen. „Die Idee kam ganz spontan. Eigentlich wollten wir nur unsere original afrikanischen Gewänder anziehen. Und dann dachte ich, wir wandeln die ein bisschen um“, erklärt Schmidt.

Im Saal wird die Stimmung immer besser. Am Nachmittag treten die Bergischen Spatzen, die Sportler von Family-Fitness und Bauchtänzerinnen auf. Hunderte Jecken feiern bis tief in die Nacht. „Die Halle ist für 500 bis 600 stehende Leute zugelassen. Heute nähern wir uns schon dem Anschlag“, so Lohmann.

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