Eines der kleinsten Reviere im Bergischen hat wieder einen eigenen Förster. Doch der bleibt voraussichtlich nur bis zum Ende des Jahres.

Ein Förster nimmt Maß: Uwe Flocke an einem frisch gefällten Baumstamm im Wiehbachtal nahe der Lambertsmühle.
Ein Förster nimmt Maß: Uwe Flocke an einem frisch gefällten Baumstamm im Wiehbachtal nahe der Lambertsmühle.

Ein Förster nimmt Maß: Uwe Flocke an einem frisch gefällten Baumstamm im Wiehbachtal nahe der Lambertsmühle.

Barbara Sarx

Ein Förster nimmt Maß: Uwe Flocke an einem frisch gefällten Baumstamm im Wiehbachtal nahe der Lambertsmühle.

Burscheid. Als Revierförster Rainer Brandt im Januar 2001 starb, war er gerade 39 Jahre alt. Anderthalb Jahre wurde das Revier Altenberg, das Burscheid und Odenthal umfasst, dann noch von Heinrich Schnüttgen betreut. Danach folgte die vertretungsweise Aufteilung auf die Nachbarreviere. Jetzt Altenberg als eines der kleinsten Reviere im Regionalforstamt Bergisches Land wieder einen eigenen Förster. Aber Uwe Flocke sitzt auf einem sehr wackeligen Stuhl.

Nach Studium in Göttingen und Anwärterjahr im Sauerland hat der 28-Jährige zum 1. Dezember sein erstes Revier übernommen. Doch die Stelle ist für ein Jahr befristet. Denn landesweit sollen drei der 300 staatlich betreuten Reviere künftig von Forstwirtschaftsmeistern übernommen werden.

Die Bewerber werden gerade für die ihnen bisher fremde Verwaltungsarbeit qualifiziert. Das Revier Altenberg ist dann wegen seiner geringen Größe als eines der Versuchsfelder ausgeguckt.

Aber Flocke lässt sich davon in seinem Elan nicht bremsen. "Dann habe ich immerhin schon mal ein Jahr Berufserfahrung und kann mich damit überall bewerben." Eine Wohnung im Revier (in der Hilgener Schulstraße) hat er bereits bezogen und der Funke ist nach den üblichen Anlaufschwierigkeiten auch übergesprungen: "Die Arbeit macht unheimlich viel Spaß und Altenberg ist ein wunderschönes Revier."

Unterstützung erhält er noch von seinem Vorgänger: Karl Zimmermann (51), der selbst seit über 20 Jahren in Burscheid wohnt und als Förster für Leverkusen und Leichlingen zuständig ist, hatte den Burscheider Teil des Altenberger Reviers sechseinhalb Jahre lang noch mitbetreut; der Odenthaler Teil lag in der Zeit in den Händen seines Wermelskirchener Kollegen Wolfgang Müller.

Neugliederung Die Forstverwaltung ist seit dem 1. Juli 2007 neu organisiert. Seither gibt es in Nordrhein-Westfalen 14 Regionalforstämter, ein Nationalparkforstamt und ein Lehr- und Versuchsforstamt des Landesbetriebes Wald und Holz NRW.

Bergisches Land Das auch für Burscheid zuständige neue Regionalforstamt Bergisches Land setzt sich aus den früheren Forstämtern Bergisch Gladbach (teilweise), Mettmann (teilweise), Waldbröl und Wipperfürth zusammen. Es soll seinen Sitz künftig in Gummersbach haben, wird aber derzeit noch von Wipperfürth geleitet. Behördenleiter ist Günter Dieck, früherer Leiter des Forstamtes Wipperfürth.

Zahlen Das Regionalforstamt ist zuständig für rund 76000Hektar Wald, der sich zu fast 80 Prozent in Privatbesitz befindet. Die etwa 30000Waldbesitzer sind in rund 50Forstbetriebsgemeinschaften (FBG) organisiert. Die FBG Burscheid hat 68 Mitglieder und verfügt über eine Waldfläche von 213Hektar.

Revier Altenberg Es umfasst eine Hoheitsfläche von 2400 Hektar. Darin sind aber auch der Privatwald des Prinzen zu Sayn-Wittgenstein, der einen eigenen Förster beschäftigt, und der Staatswald enthalten. Dieser befindet sich in Landesbesitz und wird in der gesamten Region von Förster Udo Oberreuther betreut. Die Betreuungsfläche des Reviers Altenberg beträgt für Förster Uwe Flocke daher nur rund 600 Hektar.

Jetzt verabschiedet sich Zimmermann als Förster wieder von Burscheid - mit einem lachenden und einem weinenden Auge: "Ich habe die Arbeit gerne gemacht, aber die Zeit ist begrenzt und jetzt kann ich wieder mehr agieren und nicht nur reagieren."

Ausgleichsmaßnahmen weiter ein Arbeitsschwerpunkt

Für Nachfolger Flocke werden die Ausgleichsmaßnahmen für Bauaktivitäten weiter einen wichtigen Teil der Arbeit ausmachen. Im Eifgental und im Luisental sollen weitere Fichtenbestände der Wiederaufforstung mit dem standorttypischeren Laubwald weichen. Auch das vom Kreis geplante Reitwegekonzept wird ihn beschäftigen.

Dass er dabei etwa 40 Prozent seiner Arbeit im Büro und nicht im Wald verbringt, ist dem jungen Förster schon zu Beginn seines Fachhochschulstudiums klar geworden. "Das Bild von der Flinte auf dem Rücken und dem Hund an der Hand trägt schon lange nicht mehr." Aber immerhin hat er überhaupt noch ein Revier ergattert. Dieses (befristete) Glück war in seinem Jahrgang nur 5 von 16 Anwärtern vergönnt.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer