Bei einer Kontrolle in Burscheid wurden in nur vier Stunden 20 Bußgeldverfahreneingeleitet – unter anderem, weil die Fahrer benebelt waren. Die Polizei ist selbst erschrocken von der Bilanz.

Bei einer Kontrolle in Burscheid wurden in nur vier Stunden 20 Bußgeldverfahreneingeleitet – unter anderem, weil die Fahrer benebelt waren. Die Polizei ist selbst erschrocken von der Bilanz.
Diensthundeführer Simon Lieberich und „Bope“ untersuchen diesen Opel. Im Auto befand sich jedoch kein Koks.

Diensthundeführer Simon Lieberich und „Bope“ untersuchen diesen Opel. Im Auto befand sich jedoch kein Koks.

Etliche Autos wurden am Parkplatz neben der Burscheider Feuerwache von den Beamten auf den Kopf gestellt.

Doro Siewert, Bild 1 von 2

Diensthundeführer Simon Lieberich und „Bope“ untersuchen diesen Opel. Im Auto befand sich jedoch kein Koks.

Burscheid. Berichte über Kontrollen und Unfälle halten die Pressesprecher der Polizei in der Regel sachlich und vermeiden Bewertungen. Nach einer Kontrolle des Verkehrs an der Bürgermeister-Schmidt-Straße durch insgesamt 33 Beamte am Donnerstag spricht die Behörde allerdings von einem „erschreckenden Ergebnis“.

Innerhalb von vier Stunden fischten die Polizisten neben vielen Handy-Sündern unter anderem acht Autofahrer aus dem Verkehr, denen Drogeneinfluss am Steuer vorgeworfen wird. In sieben Fällen hätten die allesamt männlichen Verkehrsteilnehmer im Alter von 22 bis 47 Jahren einem so genannten Drogenvortest (per Urinstreifen) zugestimmt, der auch positiv verlaufen sei. Im achten Fall musste ein Richter nachhelfen, um an eine Blutprobe zu kommen. Alle acht Autofahrer erwartet nun ein umfangreiches Bußgeldverfahren und ein Fahrverbot – wenn die Blutprobenergebnisse die Vortests bestätigen.

„Erschreckend“ ist das Ergebnis für die Polizei deshalb, weil sie nicht von einem Zufall ausgeht, dass gerade bei der Burscheider Kontrolle die Fahrer in die Kontrolle tappten. Sprecher Richard Barz: „Man muss das ja nur mal hochrechnen, was geschehen wäre, wenn wir das parallel an sechs Standorten durchgeführt hätten. Es lässt den Schluss zu, dass es eine Vielzahl von Verkehrsteilnehmern im Kreis gibt, die unter Drogeneinfluss unterwegs sind.“ Und er ergänzt: „Wir haben uns in den vergangenen Jahren sehr intensiv dem Thema Alkohol gewidmet. Nun sehen wir, dass das Drogenproblem am Steuer offenbar viel größer ist.“

Polizisten erkennen mit geschultem Blick Drogensünder

Aber auch darauf ist die Polizei vorbereitet. „Wir erwischen die Autofahrer unter Drogeneinfluss ja deshalb, weil die Kollegen mittlerweile ein Auge dafür haben.“ Und das buchstäblich. Anhaltspunkte für den Missbrauch entsprechender Betäubungsmittel seien unter anderem Lidflattern, innere Unruhe, fehlende Pupillenbewegungen und auch fühlbare Merkmale wie schwitzende Handflächen.

Und obwohl wie beim Alkoholmissbrauch die Aufmerksamkeit und das Reaktionsvermögen stark eingeschränkt seien, gebe es kein Strafverfahren für Autofahrer, die unter Drogen stehen. Ab einem Promillewert von 1,1 sei dies ein Automatismus, bei Betäubungsmitteln gebe es einen entsprechenden Grenzwert nicht. Wer mehrfach erwischt werde, könne allerdings auch seinen Führerschein verlieren. Dies liege im Ermessen der Führerscheinstelle.

Ein weiterer Schwerpunkt der Kontrollaktion war die „Tuning-Szene“. Neben mehreren geringfügigen Veränderungen fielen ein Golf und ein Opel besonders auf. Hier waren technische Veränderungen vorgenommen worden, um die Motorleistung zu steigern. Die Fahrer mussten den Heimweg zu Fuß antreten – Golf und Opel wurden zum TÜV geschleppt.

Der negative Eindruck habe sich in den Abendstunden bei Routinekontrollen fortgesetzt. In Overath-Untereschbach mussten ein 29-jähriger Siegburger und ein 59-jähriger Bergisch Gladbacher nach Drogenvortests zur Blutprobe.

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