Der Burscheider Kardiologe Bernhard Rappert ist vor wenigen Tagen aus Peru zurückgekommen.

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Bernhard Rappert (r.) zeigt einigen Indianerfrauen Bilder seiner Arbeit. Der Freundeskreis Indianerhilfe betreut im Amazonas-Tiefland 5.000 bis 7.000 Indianer.

Bernhard Rappert (r.) zeigt einigen Indianerfrauen Bilder seiner Arbeit. Der Freundeskreis Indianerhilfe betreut im Amazonas-Tiefland 5.000 bis 7.000 Indianer.

privat

Bernhard Rappert (r.) zeigt einigen Indianerfrauen Bilder seiner Arbeit. Der Freundeskreis Indianerhilfe betreut im Amazonas-Tiefland 5.000 bis 7.000 Indianer.

Burscheid. Es sind diese speziellen Momente, in denen Bernhard Rappert den Unterschied zwischen Peru und Mitteleuropa wieder einmal in geballter Form zu spüren bekommt. Bei einer Schifffahrt auf dem Rio Chambira ging plötzlich das Benzin aus, an ein Weiterkommen war nicht zu denken. "Es hat zwei Stunden gedauert, bis ein anderes Schiff vorbeigekommen ist und uns geholfen hat", berichtet er.

Der andere Vorfall ereignete sich auf der Landstraße: Wegen eines landesweiten Streiks blockierten die Transportunternehmen sämtliche großen Verkehrsadern, ein Durchkommen war unmöglich. "Damit muss man sich abfinden. Wer auf Biegen und Brechen weiterfahren will, dem werden einfach die Reifen zerstochen", sagt Rappert mit einem Lachen im Gesicht. Nur über diverse Umwege gelangte der 57-jährige schließlich doch ans Ziel.

Solche Erlebnisse können Bernhard Rappert schon lange nicht mehr aus der Fassung bringen. "Man muss auf jede Situation flexibel reagieren", lautet sein Erfolgsrezept. Seit mehr als 25 Jahren ist der Burscheider Kardiologe in regelmäßigen Abständen in Peru, wo er sich mit den Mitarbeitern des Freundeskreises Indianerhilfe für die Verbesserung der medizinischen Versorgung der Indianer im Amazonas-Tiefland einsetzt. Die größten Probleme sind Unterernährung, Malaria und Tuberkulose.

Erst vor wenigen Tagen ist Rappert, seit zwölf Jahren Vorsitzender des Freundeskreises Indianerhilfe, von einer weiteren Inspektionsreise in dem südamerikanischen Land zurückgekehrt, mit guten Nachrichten im Gepäck.

Die kleine Flussklinik am Rio Chambira, in der die medizinische Grundversorgung für die 5.000 bis 7.000 Urarina-Indianer organisiert wird, verfügt seit kurzem über eine Solaranlage zur Energieversorgung. Außerdem gibt es jetzt ein Satelliten-Telefon und eine Internet-Verbindung, durch die die langjährige Isolation von der Außenwelt endlich der Vergangenheit angehört.

Die große Mehrheit der Indianer sind Analphabeten

Direkt nebenan betreut der Freundeskreis Indianerhilfe einen Kindergarten, der den Namen von Albert Schweitzer trägt. Diesem Projekt misst Rappert, der für sein Engagement im Juni von Bundespräsident Horst Köhler das Bundesverdienstkreuz erhalten hat, eine große Bedeutung bei: "Die Indianer hier im Urwald sind fast ausschließlich Analphabeten. Um das zu ändern, müssen wir bei den Kinder anfangen."

Das oftmals geringe Bildungsniveau erschwert zudem die Suche nach den so genannten Gesundheitshelfern, den "Promotores des Salud". Diese werden vom Freundeskreis geschult, um auftretende Krankheiten in ihrem Ort zu erkennen und provisorisch zu behandeln.

Bei seinem jetzigen Besuch hat Rappert zahlreiche Vorgespräche geführt, um ein weiteres Projekt zu realisieren: Ein Schiff, das als schwimmende Klinik dienen soll. Eine sinnvolle Einrichtung, wenn man bedenkt, dass die Ärzte der Klinik am Rio Chambira momentan bis zu 19 Stunden benötigen, um ins entlegene Dörfchen Mangual am Rand ihres Einzugsgebiets zu gelangen.

Unabhängig von den Inhalten der Inspektionsreisen ist Bernhard Rappert vor allem von der Lebenseinstellung der Urwaldindianer beeindruckt: "Einige leben mit zehn Leuten in der kleinsten Hütte. Doch sie sind zufrieden, mit dem, was sie haben."

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