Die Landwirte fordern Lösungen, die ihnen nicht zusätzliche Flächen rauben.

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Von den örtlichen Landwirten nicht gerne gesehen: Neu angelegte Streuobstwiesen wie hier an der Bürgermeister-Schmidt-Straße als Ausgleichsfläche für Baumaßnahmen.

Von den örtlichen Landwirten nicht gerne gesehen: Neu angelegte Streuobstwiesen wie hier an der Bürgermeister-Schmidt-Straße als Ausgleichsfläche für Baumaßnahmen.

Jürgen Venn

Von den örtlichen Landwirten nicht gerne gesehen: Neu angelegte Streuobstwiesen wie hier an der Bürgermeister-Schmidt-Straße als Ausgleichsfläche für Baumaßnahmen.

Burscheid. Zehn Hektar Fläche benötigt die Autobahnraststätte, wenn sie wie geplant nach Burscheid kommt, gar 65 Hektar sind für den Golfplatz zwischen Unterwietsche und Paffenlöh veranschlagt. Eine Fläche, die in der Summe der Größe eines Milchviehbetriebs entspricht und der Landwirtschaft verloren geht.

Frank Paas, Vorsitzender der Ortsbauernschaft, differenziert: "Die Fläche für die Raststätte ist für immer weg. Beim Golfplatz handelt es sich um eine grüne Nutzungsform, in die sich der dortige Betrieb Schlotmann einbringt." Die Fläche sei damit zwar der klassischen Landwirtschaft entrissen, sichere aber langfristig die Existenz des Betriebs, der sie sonst weiter bewirtschaften würde. Und sie könne jederzeit rückverwandelt werden.

"Unser größter Konkurrent sind die Bauvorhaben", sagt Paas. "Wir können und wollen die Bebauung nicht verhindern, aber die Regelung der Ausgleichsflächen sollte landwirtschaftskonform erfolgen." Da sind den Landwirten die in Burscheid besonders beliebten Streuobstwiesen ein Dorn im Auge.

Stadt soll auf Flächenankauf ganz verzichten

Aus Sicht der Ortsbauernschaft könnte die Stadt komplett auf den Ankauf eigener Flächen für Ausgleichsmaßnahmen von Bauvorhaben verzichten. Paas verweist auf die vom Rheinischen Landwirtschafts-Verband mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer NRW gegründete Stiftung Rheinische Kulturlandschaft oder die Bergische Agentur für Kulturlandschaft. Beide würden landwirtschaftlich verträgliche Lösungen anbieten. Zudem habe der Kreis einen Öko-Pool eingerichtet, in dem sich die Städte bei Ausgleichsmaßnahmen bedienen könnten. "Aber trotz eines Gesprächs mit uns Anfang vergangenen Jahres tut sich da noch nichts."

Kann auch nicht, denn nach Angaben von Kurt Berger vom Stab Stadtentwicklungsplanung hat die Stadt erst im Dezember einen entsprechenden Vertrag mit dem Kreis geschlossen. "Wir können jetzt 50000 Ökopunkte aus dem Pool nutzen. Das ist schon eine ganze Menge."

Ziel, so Berger, soll sein, möglichst keine Landwirtschaftsflächen zu tangieren. Der Experte befürwortet aber Ausgleichsmaßnahmen auf dem Stadtgebiet. Gesetzlich muss das nicht sein: Landschaftseingriffe durch Bauvorhaben in Burscheid könnten auch anderswo ausgeglichen werden. Zu den aus Sicht der Bauern nicht zu bewirtschaftenden Streuobstwiesen sagt Berger: "Es macht sicher Sinn, auch mal was anderes zu machen."

Davon merkt Ortslandwirt Ralph Schlotmann noch nichts. "Mir liegt derzeit die Ausgleichsfläche für Herkensiefen quer." Dort sollen auf einem Hektar Ackerfläche 4000 Quadratmeter Obstwiese entstehen. "Dann lohnt sich aber auch die Restfläche nicht mehr." Der Einspruch der Kammer sei ohne Folgen geblieben. "Die Stadt besteht weiter auf der Obstwiese."

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