Die Schweizer Entscheidung bewegt auch den Türkisch-Islamischen Kulturverein in Burscheid.

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„Hier sind die Türen für jedermann offen“: Der 2. Vorsitzende Ibrahim Dindar (l.) und Vorbeter Ufuk Kayatas im Gebetsraum des Türkisch-Islamischen Kulturvereins in Massiefen.

„Hier sind die Türen für jedermann offen“: Der 2. Vorsitzende Ibrahim Dindar (l.) und Vorbeter Ufuk Kayatas im Gebetsraum des Türkisch-Islamischen Kulturvereins in Massiefen.

Doro Siewert

„Hier sind die Türen für jedermann offen“: Der 2. Vorsitzende Ibrahim Dindar (l.) und Vorbeter Ufuk Kayatas im Gebetsraum des Türkisch-Islamischen Kulturvereins in Massiefen.

Burscheid. Ortstermin im Türkisch-Islamischen Kulturverein in Massiefen. Ibrahim Dindar, der 2. Vorsitzende, hebt beschwörend die Hände. "Jeden Tag", versichert er, "wird der Volksentscheid in der Schweiz hier diskutiert. Die Leute fragen immer wieder: Warum?". Das Minarettverbot der Eidgenossen trifft bei den Burscheider Türken auf Unverständnis und Enttäuschung.

Auch Dindar selbst regt sich auf. "Das ist alles Politik. Was wollen sie dadurch erreichen? Die Minarette in den Herzen können sie nicht verbieten." Und Imam Ufuk Kayatas, der nach vier Jahren in Deutschland im kommenden Sommer in die Türkei zurückkehrt, sieht durch das Verbot "das Miteinander der Religionen belastet". Besonders groß ist das Unverständnis, weil in den Augen beider die Schweiz bisher als "sehr offenes Land galt".

Vorfreude auf den Moscheeneubau in Köln

Dabei gibt es am Kulturzentrum in Massiefen, das nur über einen Gebetsraum, aber keine Moschee verfügt, gar kein Minarett. Doch dem Moscheeneubau im nahen Köln sieht der Verein mit Vorfreude entgegen. Schließlich gehören die Burscheider ebenfalls dem Dachverband "Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion" (Ditib) an, der auch Träger des Ehrenfelder Neubaus ist.

Sorge, dass Deutschland ins Fahrwasser der Schweizer Entscheidung gerate, hegt Dindar allerdings trotz der langen und heftigen Diskussionen in Köln nicht. Gerade in Burscheid gebe es "nicht das kleinste Problem".

In der Tat ist die propagierte Offenheit hier nicht nur eine Floskel. Bei der interreligiösen Nacht der offenen Türen im Oktober war der Gebetsraum in Massiefen erstmals mit dabei und noch heute sind die Türken stolz auf den großen Andrang der Burscheider. Es gibt regelmäßige Besuchsgruppen, am intensivsten ist der Kontakt mit der Evangelischen Gemeinde Burscheid. "Hier sind die Türen für jedermann offen", sagt Dindar. Mit einem konkreten Ziel: "Der Hintergrund der Schweizer Entscheidung sind Unwissenheit und Angst", glaubt Kayatas. Dem will man in Burscheid entgegenwirken.

In Burscheid leben knapp 600 Türken. Der Kulturverein hat 220 Mitglieder.

Das Zentrum auf dem ehemaligen Gelände von Schmitz & Schulte wurde 2003 eingeweiht. Der Gebetsraum wird auch von Muslimen anderer Nationalitäten für das tägliche Gebet genutzt.

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