Burscheider vermieten private Unterkünfte über Plattformen wie AirBnB. Aber richtig erfolgreich sind sie nicht. Warum?

Burscheid. Jens Lietzow hat sich viel Mühe gegeben mit dem Obergeschoss seines Hauses. Das hat er aus- und umbauen lassen. Alle Räume sind weiß möbliert und haben ein eigenes Badezimmer. Im Flur gibt es eine Küche mit gelben Stühlen. Alles sagt: Ich bin neu und hochwertig. Das hat Lietzow für seine Gäste gemacht. Für zahlende Gäste. Denn Lietzow vermietet die Zimmer in der ehemaligen Büroetage seines Hauses unter anderem über die Plattform AirBnB.

„Auf jeden Übernachtungsgast kommen hier zehn Gäste, die nur für einen Tag kommen.“
David Bosbach, Naturarena Bergisch Land

Dort können Leute Zimmer oder ganze Unterkünfte für Touristen anbieten. In Köln, Berlin oder anderen Metropolen auf der ganzen Welt ist das der Renner und vor allem bei jungen Leuten eine gerngesehene Alternative zu Hotels und Ferienwohnungen. In Berlin geht es sogar so weit, dass kürzlich ein Gesetz erlassen wurde, dass das ständige Vermieten ganzer Wohnungen für Kurzzeitgäste unter Strafe stellt – weil dadurch den Stadtbewohnern der Wohnraum genommen wurde. Im Prinzip ein Zeichen für den durchschlagenden Erfolg der Plattform. Aber funktioniert so etwas auch in Burscheid?

Wenn auf AirBnB nach Übernachtungsmöglichkeiten in Burscheid sucht, findet weniger als zehn. Zwei davon gehören Lietzow. Für ihn ist das ein Nebenerwerb. Er ist eigentlich mit dem Vertrieb von Quads selbstständig und wollte aus der überschüssigen Fläche seines Wohnhauses an der Industriestraße etwas sinnvolles machen. Er dachte an Büros – ihm wurde aber zu Mieträumen geraten.

Er hat alles umbauen lassen und vermietet die Zimmer seit 2014. Seit diesem Jahr auch bei AirBnB. Bisher habe er aber kaum Gäste. Etwas mehr als zehn seien es bisher gewesen, sagt er. Und was ihn wundert: „Null Tourismus“, sagt er. Die Gäste kämen alle weil sie Termine hätten oder Freunde besuchen würden. Es kämen Praktikanten oder Menschen, die wegen Trauerfällen in die Stadt müssten. Aber keiner etwa, um hier Rad zu fahren. Dabei hatte sich Lietzow das anders ausgemalt. Wegen der Balkantrasse hatte er mit Fahrradtourismus gerechnet und sogar eine Garage leergeräumt. Aber solche Gäste bleiben aus.

Das heißt aber nicht, dass solche nicht da sind. David Bosbach von der Naturarena Bergisches Land, dem Tourismus-Portal, wundert es nicht, was Jens Lietzow berichtet. Im Bergischen Land sei vor allem der Tagestourismus von Bedeutung. „Auf jeden Übernachtungsgast kommen hier zehn Gäste, die nur für einen Tag kommen.“ Das liege vor allem daran, dass 14 Millionen Menschen innerhalb einer Autostunde hier vor Ort seien. Die müssten hier nicht schlafen. Tagesgäste werden von den Statistikern des Landes, die die Übernachtungszahlen der Kreise und Kommunen sammeln, auch nicht erhoben. Belastbare Zahlen gibt es insofern auch nicht.

Im ersten Halbjahr 2016 gab es 649 332 Übernachtungsgäste im Bergischen Land. Davon 402 601 im Oberbergischen Kreis.

Die Statistiker differenziert nicht zwischen beruflichen und privaten Besuchen.

Trotzdem kamen allein 11267 Übernachtungsgäste allein im ersten Halbjahr 2016 nach Burscheid und 246 731 in den Rheinisch Bergischen Kreis. Dabei würden aber Kleinbetriebe und Privatvermietungen nicht mitgerechnet. „Betriebe müssen erst ab neun Betten ihre Gäste melden“, sagt Bosbach. Das heißt, dass viele Touristen hier unter den Tisch fallen, wenn gezählt wird., Auch die von Lietzow.

Viele Kleinbetriebe stünden trotzdem mit dem Tourismusportal in Kontakt. „Die sind zufrieden“, sagt Bosbach. Der Tourismus hier laufe nicht schlecht. Das findet auch Lietzow nicht. Er habe immerhin schon Stammkunden, die regelmäßig kämen, wenn sie hier zu besuch seien. Und er müsse auch nicht von der Vermietung leben. Immerhin ist der Raum so gut genutzt.

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