In der Stadt befindet sich eines von zwei Labors im Kreis. Wer genau und wo forscht, dazu gibt es keine Angaben.

Forschung
Bei einer Ratte werden über Monate Blutdruck-und Herzschlagdaten gemessen. Bei der Auswertung hilft ein Computer. Ratten sind nach Mäusen am zweithäufigsten von Tierversuchen betroffen.

Bei einer Ratte werden über Monate Blutdruck-und Herzschlagdaten gemessen. Bei der Auswertung hilft ein Computer. Ratten sind nach Mäusen am zweithäufigsten von Tierversuchen betroffen.

Hubert Link/dpa

Bei einer Ratte werden über Monate Blutdruck-und Herzschlagdaten gemessen. Bei der Auswertung hilft ein Computer. Ratten sind nach Mäusen am zweithäufigsten von Tierversuchen betroffen.

Burscheid. Über die Arbeit von Tierversuchslabors vor Ort ist kaum etwas zu erfahren. Die zuständigen Behörden verweisen gerne auf die Gefahr illegaler Aktionen radikaler Tierschützer. Tierschutzorganisationen wiederum wittern hinter der Informationsblockade eher die Angst der Betreiber vor öffentlichen Protesten und politischem Gegenwind. Aber eines ist dem BV inzwischen aus mehreren Quellen bestätigt worden: Auch in Burscheid werden Tierversuche gemacht.

In der Stadt befindet sich eine von kreisweit nur zwei Einrichtungen, die für Tierversuche zugelassen sind und regelmäßig vom Kreisveterinäramt kontrolliert werden. Das zweite Tierversuchslabor liegt in Bergisch Gladbach.

Keine Angaben sind dagegen zu erfahren, wer genau wo und an welchen Tieren zu welcher Fragestellung forscht. Der Kreis, nur für die Kontrolle der Tierhaltung zuständig, verweist auf das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) NRW mit Sitz in Recklinghausen. Das Lanuv spielt den Ball zurück zum Kreis.

Landesamt allein zuständig für die Genehmigungen

Nach einer Gesetzesänderung sind nicht mehr die einzelnen Bezirksregierungen für Genehmigungen von Tierversuchen in NRW zuständig, sondern nur noch das Lanuv. Die vorbereitende Prüfung erfolgt über eine Kommission, der Vertreter von Industrie, Wissenschaft, Tierschutzorganisationen und dem Landesamt angehören.

2014 wurden in NRW 522 Tierversuche genehmigt, was aber nichts über die Zahl der betroffenen Tiere aussagt. Eine Reihe von Versuchen sind auch nicht genehmigungs- und anzeigepflichtig.

Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsmuseums sind 2013 bundesweit knapp drei Millionen Tiere für Versuche und andere wissenschaftliche Zwecke verwendet worden.

73 Prozent davon (2,2 Millionen) waren Mäuse, gefolgt von Ratten (375.000) und Fischen (200.000). Kaninchen lagen mit gut 95.000 betroffenen Tieren auf Rang vier.

Bundesweit sind jährlich drei Millionen Tiere von Versuchen betroffen (s. Infokasten). Weil aber nur die Tiere gezählt werden, die wirklich verwendet wurden, geht die Organisation „Ärzte gegen Tierversuche“ von einer immensen Dunkelziffer aus: „Universitäten und Firmen züchten Tiere auch auf Vorrat. Und wenn sie dann nicht gebraucht werden, entsorgt man sie wie einen Joghurt mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum“, sagt Vorstandsmitglied Corina Gericke.

Sie gibt die Zahl der bundesweiten Versuchslabors mit „weit über tausend“ an. Start-up-Ableger von Universitäten schössen derzeit „wie Pilze aus dem Boden“. Universitäten seien ohnehin noch vor der Industrie wie den Pharmaunternehmen „die Haupttierverbraucher“. Wer nicht selbst züchtet, für den gibt es Firmen wie TaconicArtemis mit einer Niederlassung auch in Köln, laut Gericke einer der weltweit größten Produzenten von (auch gentechnisch veränderten) Versuchsmäusen.

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