Verluste von bis zu 2200 Euro je Aufführung haben den Kulturverein dazu bewogen, von Großproduktionen Abschied zu nehmen.

Theater
Die großen Zeiten der Hans-Hoersch-Halle als Veranstaltungsort der Stadt scheinen vorbei. Auch die Kinderkulturreihe zieht nicht mehr so viel Publikum wie in der Vergangenheit.

Die großen Zeiten der Hans-Hoersch-Halle als Veranstaltungsort der Stadt scheinen vorbei. Auch die Kinderkulturreihe zieht nicht mehr so viel Publikum wie in der Vergangenheit.

Doro Siewert

Die großen Zeiten der Hans-Hoersch-Halle als Veranstaltungsort der Stadt scheinen vorbei. Auch die Kinderkulturreihe zieht nicht mehr so viel Publikum wie in der Vergangenheit.

Burscheid. Die rund 200 Zuschauer zum Theaterfinale mit dem „Fußballkönig“ am Samstag waren die absolute Ausnahme. „Im Schnitt hatten wir pro Aufführung um die 100 bis 120 Besucher“, sagt die Kulturvereins-Vorsitzende Jelle von Dryander. Es waren auch schon mal nur 76 – bei 400 Sitzplätzen in der Hans-Hoersch-Halle. „Pro Stück hatten wir Verluste zwischen 1400 und 2200 Euro“, liefert sie die Begründung für die Entscheidung, künftig auf die Großhalle als Veranstaltungsort zu verzichten.

Finanzielles Entgegenkommen des Kleinen Theaters

Schon seit der Theatersaison 2011/12 war das Kleine Theater Bad Godesberg fester Partner des Kulturvereins für die beiden großen Theatervorführungen pro Saison. „Wir wollten unseren Abonnenten Qualität bieten und keine Flops mehr.“ Die Gastspiele seien aber, so von Dryander, nur aufgrund des großzügigen finanziellen Entgegenkommens des Theaterintendanten Walter Ullrich möglich gewesen.

Doch auch das reichte nicht, um das Theater in Burscheid ohne weitere Gelder seitens der Burscheid-Stiftung zu tragen. Beispiel Ostermann-Revue: Der Gage und weiteren Kosten für den notwendigen Veranstaltungstechniker, die Halle, den Plakatdruck und den Hausmeister standen Einnahmen von gerade mal 1600 Euro entgegen.

Der erhebliche Aufwand, den der Kulturverein bei zuletzt noch 30 festen Theaterabonnenten betrieben habe, sei in der Form nicht mehr zu leisten, sagt die Vorsitzende. „Wir machen das alle nebenher und ja auch gerne. Aber wenn dann wieder nur so wenige kommen, ist das frustrierend.“

Kooperation mit Wermelskirchen eingestellt

Zumal sich auch die Hoffnungen auf eine stärkere Kulturkooperation mit Wermelskirchen inzwischen wieder zerschlagen haben. Außer dem Versuch, gegenseitig in den Rathäusern Karten für die jeweiligen Kulturveranstaltungen zu verkaufen, sei daraus nichts geworden. „Das war auch leider sehr einseitig und wurde von unserer Seite wegen des erheblichen Mehraufwandes für uns und die Stadt inzwischen wieder eingestellt.“

Die dritte Abo-Veranstaltung dieser Saison, der Auftritt der Kabarettistin Britta von Anklang, folgt im April noch im Kulturbadehaus. Und im Februar will sich der Verein zusammensetzen, um über die nächste Saison zu beraten. Sicher ist: Es geht weiter.

Jelle von Dryander plädiert dafür, es bei drei Abo-Veranstaltungen zu belassen, die dann aber neben einer oder zwei Veranstaltungen im Badehaus auch Theaterfahrten nach Wuppertal oder Bad Godesberg umfassen sollen. Den Kontakt zum Kleinen Theater will man weiter pflegen und gleichzeitig noch einmal in den Ausbau der Spielstätte an der Bürgermeister-Schmidt-Straße investieren, damit bei einer vergrößerten Bühne zumindest kleinere Theaterproduktionen vielleicht auch im Kulturbadehaus möglich werden.

„Nicht aus dem Auge verlieren“ will der Kulturverein nach Worten seiner Vorsitzenden auch die Möglichkeit, mit anderen Eventagenturen zu kooperieren. Guido Cantz konnte man so zum Beispiel schon mal in die Hans-Hoersch-Halle holen. Für den Verein blieb von den Einnahmen dann zwar nur ein kleiner Teil übrig. „Aber dafür mussten wir auch nicht selbst die Werbetrommel rühren.“

Auch die Kinderkulturreihe verliert Zuschauer

Das Kulturbüro der Stadt will zwar für die Kinderkulturreihe vorerst weiter an der Hans-Hoersch-Halle festhalten. „Aber unsere Besucherzahlen sind auch nicht mehr so, wie sie mal waren“, sagt Stadtsprecherin Renate Bergfelder-Weiss. Die Zeiten, in denen mitunter zwei Aufführungen hintereinander mit zusammen 800 Zuschauern möglich waren, sind vorbei. Heute kommen im Schnitt pro Termin noch 120 bis 150 Besucher.

Auch im Rahmen der Kinderkulturreihe kommt die Hoersch-Halle nur noch zweimal pro Jahr für größere Produktionen zum Einsatz. Kleinere Stücke werden längst in der Hauptschulaula aufgeführt – wie am Sonntag, 15. März, das Pippi-Langstrumpf-Puppentheater. „Daneben haben wir ja noch die Ergänzung durch die bergischen Erzählkonzerte“, sagt Bergfelder-Weiss.

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